Metzgerei Frey

Die besseren Stücke bleiben liegen

«schweren Herzens»: Daniel Frey schliesst seine Metzgerei Ende Jahr.

Metzgerei Frey

«schweren Herzens»: Daniel Frey schliesst seine Metzgerei Ende Jahr.

Die Metzgerei Frey an der Oltenstrasse in Attiswil schliesst Ende Jahr. Daniel Frey hat eine Anstellung in der Region gefunden. Weiterführen kann er dort eventuell den Stand am Wochenmarkt in Solothurn.

J. Rettenmund / M. Cordeiro

«Kopf hoch», sagt die Frau zum Abschied, die soeben in der Metzgerei Frey in Attiswil eingekauft hat. Dies wohl als Reaktion darauf, wovon sie soeben Kenntnis genommen hat: Seit kurzem informiert das Ehepaar Daniel und Isabel Frey nämlich seine Kundschaft darüber, dass es sein Geschäft an der Oltenstrasse 8 demnächst schliessen muss.

Vor fünf Jahren hat Daniel Frey die Metzgerei von seinem Vater mietweise übernommen. Doch er musste feststellen, «dass die Kunden heute anders einkaufen.» Vermehrt werde auf den Preis geschaut, auch bei denen, die noch in der Metzgerei einkaufen. Die besseren Stücke bleiben so in der Kühlvitrine liegen, der Umsatz geht zurück.

Die Kühlung ist 20-jährig

Der Vater sei ihm zwar mit dem Mietzins entgegengekommen, doch seien auch grössere Investitionen angestanden, zum Beispiel für verschiedene Maschinen und die Kühlung. «Alles ist zwanzig und mehr Jahre alt.» Deshalb entschlossen sich Freys, den Betrieb einzustellen.

Nachdem Daniel Frey auf Beginn des nächsten Jahres eine Anstellung in einer Metzgerei der Region gefunden hat, informierten sie am Wochenende ihre Kundschaft, dass sie «schweren Herzens» auf das Jahresende schliessen werden. «Der Kontakt mit der Kundschaft hat uns immer sehr viel Freude bereitet.»

Jeden Samstag ist Daniel Frey mit einem Spezialfahrzeug auch am Wochenmarkt in der Stadt Solothurn auf einem Standplatz vor der «Krone» präsent. Für die Kundschaft in der Ambassadorenstadt besteht noch Hoffnung: Sein neuer Arbeitgeber hat gemäss Frey Interesse gezeigt, dass er den Stand als sein Angestellter weiter betreibt. Frey führte die Metzgerei in dritter Generation. Gegründet hatte sie Grossvater Arnold im Jahr 1951.

«Es fehlt wieder etwas»

«Wenn ein Betrieb schliesst, ist dies immer ein Verlust für ein Dorf», sagt Gemeindepräsident Daniel Zumstein (SVP) auf Anfrage dieser Zeitung. «Es ist wieder etwas, das fehlt.» Die Gemeinde würde deshalb einem Interessenten, der die Lücke schliessen will, die nötige Unterstützugn bieten. Allerdings sei die Situation noch nicht so dramatisch, dass der Gemeinderat selbst aktiv werden müsste.

Mit dem Volg-Laden an der Dorfstrasse und Margot's Lädeli an der Solothurnstrasse könne der tägliche Bedarf immer noch im Dorf eingekauft werden, erklärt Zumstein. Gewisse Fleischwaren seien zudem beim Kundenmetzger Urs Binz und in verschiedenen Hofläden von Bauernbetrieben erhältlich.

Fränzi Danz aus Attiswil ist eine treue Kundin Freys. Mit Bedauern hat sie kürzlich von der Schliessung Kenntnis genommen. «Ich lege Wert darauf, im Dorf einzukaufen», sagt sie, «nicht zuletzt deshalb, um die hiesigen Geschäfte im Überlebenskampf zu unterstützen.»

Dorf wird anonymer

Trotzdem trägt sie die Schliessung der Dorfmetzgerei mit Fassung. «Weil ich motorisiert bin, kann ich mit wenig Aufwand auf ein anderes Angebot ausweichen. Schlimmer dürfte es für Leute sein, die keinen fahrbaren Untersatz haben.» Danz schätzt den Kontakt zu den Leuten aus dem Dorf, zu denen es bei den Kommissionen bisweilen komme: «Ohne diese würde ein Dorf wie Attiswil wohl in der Anonymität versinken.»

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