Solothurn
Die Balz mit Hopfen und Malz

Ab Donnerstag macht Solothurn München wiederum für drei Tage den Titel als Bierhauptstadt Europas streitig. In der Rythalle beginnen die 7. Solothurner Biertage. Initiant und Organisator Künzle baut dabei auf Bewährtes und ist konsequent bezüglich Werkschau für kleine und mittlere Brauereien: Das vom Gross-konzern geschluckte Eichhof Bier ist nicht mehr dabei.

Merken
Drucken
Teilen
Biertage Solothurn

Biertage Solothurn

Solothurner Zeitung

«Es erstaunt mich selber - es sind bereits die siebten Solothurner Biertage, die nächsten Donnerstag beginnen.» Alex Künzle, «Öufi»-Brauer und Biertage-Initiant, baut auch in diesem verflixten siebten Jahr wieder auf das bewährte Konzept in der Reithalle und hat doch einige Änderungen gegenüber den Vorjahren vorgenommen.

Basis ist immer noch «eine Werkschau der kleinen und mittleren Brauereien». Dies betrifft auch heuer wieder vor allem die Deutschschweizer Bierszene mit dem ebenso traditionellen Anteil von Brauereien aus der Romandie. «Die pflegen wir», sagt Künzle, «denn die sind sehr wichtig für die Szene und zeigen eine andere Art und Auffassung des Bierbrauens.»

Für alle gibts etwas

Die Biertage sollen auch weiterhin quasi auf zwei Ebenen stattfinden: Einerseits sind es die «Profis», die fachsimpeln und vergleichen können, andererseits ist es das breite Publikum, das sich seinerseits wieder in zwei Gruppen teilt.

Die Geniesser und Tester, die verschiedene Biere degustieren und vergleichen wollen und die Festfreudigen, die der Bierseligkeit frönen - wobei die Grenzen manchmal fliessend sind. Dies drückt sich auch in den Besuchstagen aus. Der Donnerstag und der Samstagnachmittag werden eher von den «Testern» besucht, von den «Festern» dann der Freitag- und der Samstagabend.

Darin ortet Künzle auch ein gewisses Spannungsfeld: «Es gibt Puristen, die ärgern sich über die Festfreudigen an einem Anlass für Bierkultur», und er zitiert Eckart von Hirschhausen: «Bier ist ein Getränk, Wein ist eine Religion.»

An den Biertagen wolle man schon dem Publikum die Bierkultur und -geschichte näherbringen, das Bier aus der Proletarier-Ecke herausholen und dorthin stellen, wo es hingehöre - ein uraltes Getränk mit einer riesigen Bandbreite von Geschmacksnuancen. «Wir wollen aber nicht bei einem ‹chlyne Glesli› über Hopfenanbaugebiete diskutieren.

Gegenüber den Vorjahren stellt Künzle vor allem eine Professionalisierung in der Organisation fest: «Ich habe die Bereiche, die nicht unbedingt ‹mein Bier› sind, an Professionelle ausgelagert.»

Gemeint sind damit namentlich die ganze Bierprämierung, das Marketing, die Eröffnung und die Verpflegung. Die Bierprämierung stand unter der Leitung von Peter Dürr und trägt erstmals den Titel «Schweizer Bier des Jahres».

Unter den 78 eingereichten Bieren errang mit grosser Mehrheit der Stimmen das «Weiza-Bier» aus Liechtenstein den Titel. Kategoriensieger wurden Napf hell (Lager hell), Rugen Spezial hell (Spezialbiere hell/Amber), Aemme Bier Burgdorf (Dunkle Biere) und Arabica Degenbräu (Aussergewöhnliche Biere). Neu ist ein Zigarren-Stand für Genussraucher und ein Raucherzelt für Zigaretten-Raucher - denn auch an den Biertagen gilt in der Reithalle das Rauchverbot.

Rote Karte für «gross Gewordenen»

Und im verflixten siebten Jahr gibt es auch bei den Solothurner Biertagen Trennungen. «Wir verstehen uns als Schaufenster der Kleinen und Mittleren», betont Alex Künzle. Deshalb habe man Eichhof, das inzwischen zu einem internationalen Multi gehöre, ausgeladen. Nicht mehr dabei sind auch Rugen Interlaken und das Appenzeller Bier, «aber wir haben mit hoffnungsvollen anderen Brauereien auffüllen können.» Mit 20 teilnehmenden, lokalen Brauereien aus allen Landesteilen, die über hundert verschiedene Bierspezialitäten unterschiedlichster Ausrichtung präsentieren, werde man dem Anspruch der Werkschau aber durchaus gerecht.

Alex Künzle erwartet gleich viele Besucherinnen und Besucher wie in den Vorjahren - gut 5000 verteilt auf die drei Tage. «Mehr können wir platzmässig und aus Sicherheitsgründen gar nicht verkraften.» (nst)

Öffnungszeiten Donnerstag, 23. April, von 18 bis 0.30 Uhr, Freitag, 24. April, 17 bis 1.30 Uhr, Samstag, 25. April, 14 bis 1.30 Uhr.