Kinderkrippe wird 100 Jahre alt
Die älteste Aarauer Krippe wird 100

Die Geschichte der Stiftung «Chinderhuus» entwickelte sich von der initiativen Pfarrersfrau zu 40 Angestellten.

Drucken
Teilen
02_chinder_fhe.jpg

02_chinder_fhe.jpg

Aargauer Zeitung

Regine Greb

Die Frau des damaligen Aarauer Pfarrers Emma Schmuziger stellte zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen Notstand bei Müttern mit kleinen Kindern fest. Kurzerhand organisierte sie im Herbst 1909 einen Möbelwagen und fuhr den Hausrat der Krippe Windisch, die damals ein «kümmerliches Dasein» fristete, nach Aarau. Vorerst lud sie ihn im Pfarrhaus im Adelbändli ab. Bald darauf wurde an der Golattenmattgasse die erste Aarauer Kinderkrippe eröffnet: Eine Wochenpflegerin nahm in ihrer Stube drei Kinder auf.

«Töchter aus gutem Haus»

Ideal war die Privatwohnung nicht. Mit dem Mieten des «Marthahauses» in der Halde glückte eine Verbesserung. Ein Komitee wurde gebildet. Emma Schmuziger wurde Präsidentin. Als erste «Kinderkrippentante» wurde Erna Rusterholz engagiert. Um die Krippenleiterin zu entlasten, stellten sich nachmittags «Töchter aus gutem Haus» als Helferinnen zur Verfügung.

Zentral war von Beginn an der Kampf um die Finanzen. Jede Krankheit der Angestellten, jede Reparatur, jede Neuanschaffung brachte Probleme.

50 Rappen hatten die Eltern/Mütter 1915 pro Kind und Krippentag zu bezahlen. Für etliche war dies zu viel. «Viele Kinder wurden aus Erbarmen aufgenommen», heisst es in der Chronik. Und während des Ersten Weltkriegs wurden «auch andere Kinder zur Speisung dazugenommen». Emma Schmuziger prägte das erste Vierteljahrhundert der Aarauer Krippe. 26 Jahre amtete sie als Präsidentin. Mit Beharrlichkeit beschaffte sie Geld.

Nicht nur die Finanzen, sondern auch die stete Frage nach einer zweckmässigen Unterkunft belastete. Mehrere Male wurde ein Baufonds eröffnet und Grundstücke wurden besichtigt. Doch immer wieder wurde das Geld für die laufenden Ausgaben gebraucht.

1937 geriet die Krippe wegen der Wirtschaftskrise erneut in finanzielle Nöte. Der Gemeinderat bewilligte nebst der jährlichen Subvention einen Sonderkredit. Daran geknüpft war die Bedingung, dass der private Krippenverein in eine Stiftung umgewandelt werde. Zudem nahm ein Vertreter des Gemeinderats Einsitz im Vorstand. Die Jahresrechnung wies 1949 erstmals einen kleinen Überschuss auf. Die Krippe beherbergte nun auch Kinder aus «guten finanziellen Verhältnissen».

Bis 1965 blieb die Krippe Tageshort und Kinderheim. Die Suche nach Personal, das Tag und Nacht arbeiten wollte, wurde immer schwieriger. Die Konsequenz: Einzig der Tageshort wurde weitergeführt. Im Jahre 1974 konnte das der Stadt vermachte «Doktor-Schönbrunn»-Haus an der Konradstrasse 5 zu günstigen Konditionen übernommen werden. 1981 wurde die «Kinderkrippe» in «Chinderhuus» umbenannt.

Leistungsvertrag mit der Stadt

Auf das Jahr 2003 schloss die Stadt Aarau mit dem «Chinderhuus» einen Leistungsvertrag ab. Festgelegt ist darin, was ein Betreuungstag kosten darf. Bei einer festgelegten Belegung von 90 Prozent muss das «Chinderhuus» kostendeckend arbeiten. Aarauer Eltern können von den ab 2003 geltenden einkommensabhängigen Tarifen profitieren. Die Stadt Aarau subventioniert damit die Elternbeiträge.

Auf August 2007 wurde die Einführung der «familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen» in Aarau beschlossen. Seither bietet das «Chinderhuus» Gönhard an der Weltistrasse 20 eine Hortgruppe für Schulkinder sowie einen Mittagstisch für Kindergarten- und Schulkinder an. An der Konradstrasse gibt es fünf altersgemischte Gruppen mit Bébés und Kleinkindern sowie eine Kindergartengruppe.

Das «Chinderhuus» ist zu einem Grossbetrieb mit über 40 Mitarbeitenden geworden. Momentan werden 200 Kinder betreut. Nur wenige von ihnen beanspruchen allerdings einen vollen Platz. Flexibilität und gezielte Planung sind erforderlich. Die Kinder im «Chinderhuus» geniessen eine individuelle und altersgerechte Förderung und Betreuung und erweitern ihre soziale Kompetenz im Kontakt mit den anderen Kindern.