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Die altehrwürdige Stutz-Biscuits-Fabrik muss Lidl weichen

Dieser Tage wird die ehemalige Fabrik an der Schoren-Kreuzung zwischen Hunzenschwil und Schafisheim abgebrochen. Damit verschwindet das letzte Zeugnis der früher weitherum bekannten Firma Stutz Biscuits.

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Das Ende der Stutz-Biscuits-Ära

Das Ende der Stutz-Biscuits-Ära

Fritz Thut

Nur ein verbleichter Schriftzug an der Fassade erinnert an den Begriff, der älteren Generationen noch geläufig ist: Stutz Biscuits. Nun wird das fast 80-jährige Fabrikgebäude abgerissen und von einem einst renommierten Aargauer Unternehmen bleiben nur Erinnerungen. Der deutsche Grossverteiler Lidl wird an diesem Platz eine Filiale errichten; die Baubewilligung liegt seit Dezember 2008 vor.

Verdingbub wird Fabrikant

1932 bezog Heinrich Stutz-Meier die neue Fabrik an der Hauptstrasse 2 in Hunzenschwil. Fünf Jahre zuvor hatte der aus Arni-Islisberg stammende frühere Verdingbub in Hausen bei Brugg die Firma Stutz Biscuits gegründet und die Produktion von Waffeln aufgenommen.

In Hunzenschwil wurde das Sortiment um weitere Gebäckarten und Confiserie erweitert. Nachdem während des Zweiten Weltkriegs der Betrieb von Stutz’ Ehefrau geleitet worden war, erlebte das Unternehmen in den ersten Nachkriegsjahrzehnten seine Hochblüte.

Bekannt wie heute Kambly

Stutz Biscuits waren damals in der Schweiz mindestens so bekannt wie heute noch Kambly, Wernli, Hug und Co. Hans Suter, der 1948 in den Betrieb eintrat und während 36 Jahren die Schokoladenabteilung leitete, erinnert sich, dass hier bis zu rund 35 Personen, meist aus der engeren Umgebung, arbeiteten.

Mit Occasionsmaschinen aus Italien wurde mit Kakaobohnen, Zucker und Milch(pulver) die Produktion von Schokolade lanciert. «Stutz» fertigte nicht nur Couverture für andere Betriebe, sondern auch Endprodukte wie Tafelschokoladen, Pralinés oder Osterhasen.

Mit den so genannten «Wirtschaftspackungen» war «Stutz» in den 50er- bis 70er-Jahren in vielen Gasthöfen präsent; unter Glasglocken wurden die verschiedenen Süssigkeiten aus Hunzenschwil angeboten.

«Abbruch sehen tut weh»

Das Aufkommen der Grossverteiler und das damit einhergehende Lädeli- und Beizensterben setzten Stutz Biscuits massiv zu. Kurz, nachdem er den Betrieb im Frühsommer 1984 verlassen hatte, musste der in Schafisheim wohnhafte Hans Suter das Ende der Firma zur Kenntnis nehmen.

In der Zwischenzeit wurde das Gebäude weiter vermietet und bot verschiedenen Betrieben wie etwa einer Möbelfirma, einem Discounter oder einem Dart-Pub Unterschlupf.

Nun liess es sich Pensionär Suter nicht nehmen, einen Blick auf die Abrissarbeiten seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu werfen: «Ich verspürte gemischte Gefühle; es hat mir wehgetan, was ich da sehen musste», verriet er der AZ.

Hausnummer als Erinnerung

Der Hunzenschwiler Malermeister Walter Rohr stattete der Fabrikruine ebenfalls einen Besuch ab. Seit 30 Jahren hält er in seiner Gemeinde Gebäude vor dem Abriss fotografisch für die Nachwelt fest.

Mit Stutz Biscuits verbinden ihn spezielle Erinnerungen. Als Jüngling arbeitete er während eines Überbrückungsjahres dort und auch später erhielt er hier verschiedene Maleraufträge. Auf Wunsch des Chefs gestaltete er auch die Hausnummer etwas speziell. Die Tafel mit der Nummer 2 in Braun und Gold hat er sich nun als Souvenir gesichert.

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