Thomas Marth

Eine kontrollierte Reduktion des Volumens, eine präzisere Setzung des Gebäudes am Heimplatz, seine Öffnung nach allen vier Seiten und eine Aufwertung des Gartens der Kunst: Mit diesen vier Stichworten wurde gestern das gemäss den Vorgaben der Jury optimierte Projekt für den Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich umrissen.

Das Resultat fiel auch zum Wohlgefallen von Architekt David Chipperfield aus, der als Wettbewerbssieger im letzten Dezember vorgestellt worden war und für die gestrige Medienkonferenz nach Zürich reiste. Er verwies darauf, dass die zentrale Idee seines Entwurfs, jene der Durchlässigkeit, jetzt noch besser zu Geltung komme. Ihren Ausdruck findet diese Idee in einer grossen Halle. Sie durchläuft den Bau parallel zur Rämistrasse als zentrale Achse und ist bis an die verglaste Decke offen.

Garten soll tiefergelegt werden

Wer die Halle vom Heimplatz her durchschreitet, gelangt in den etwas höher liegenden Garten der Künste hinter dem Gebäude. Dabei muss er nun nicht über eine grosse «Aida-Treppe» steigen, wie Kunsthausdirektor Christoph Becker scherzhaft sagte. Der Garten soll tiefergelegt werden, womit eine einläufige Treppe genügt. Der optische Bezug zwischen innen und aussen werde so gestärkt, sagte Franz Eberhard, Jury-Mitglied und Zürcher Stadtbaumeister a. D. Die Fixpunkte aussen sind das bestehende Kunsthaus im Süden und die alte Kantonsschule im Norden. Die Absicht lautet, dass der Garten eine organische Verbindung von Niederdorf und Heimplatz hinauf zum Hochschulquartier herstellt.

Für mehr Durchlässigkeit sorgen im Weiteren mehr Fenster und Nebeneingänge, die neu im Westen und Osten, zur Rämi- und zur Kantonsschulsstrasse hin, eingeplant sind. Die Funktion der Halle als Ort der Begnung soll dadurch gestärkt werden. Wie Becker darlegte, soll diese auch für Anlässe genutzt werden können, wenn das Kunsthaus geschlossen ist. Neu ist im Weiteren, dass die Halle asymmetrisch organisiert ist. Um den Bau besser in seine Umgebung einzupassen, wurde er im Volumen um sechs Prozent reduziert. Dies geschah vor allem zugunsten der Fussgänger, die aussen am Gebäude unterwegs sind. In der Breite wurde der Bau um 2,8 Meter reduziert.

Kosten von 180 Millionen Franken

Damit beginne nun erst die eigentliche Projektarbeit, hiess es. Die Neugestaltung des Heimplatzes wird in einem separaten Verfahren behandelt. Autofrei wird er aber definitiv nicht. Der nächste politische Schritt ist die Erhöhung des Projektkredites durch den Gemeinderat. Der Objektkredit dürfte bis 2011 zur Volksabstimmung gelangen. Es wird mit Kosten von 180 Millionen Franken gerechnet. Die Differenz zu den bisher genannten 150 Millionen seien teuerungsbedingt, hiess es. Von privater Seite sollen 75 Millionen Franken beigesteuert werden. Bis 2015 soll der Neubau fertig sein.