Die Agglomeration ist regional der beste Standort

Beide Basel haben laut einer Studie der CS ihre Standortqualität seit 2004 verbessert. Der Stadt reicht dies für eine Verbesserung um vier, dem Land für eine Verschlechterung um zwei Ränge.

Daniel Haller

Auf den ersten Blick eine Schlappe fürs Baselbiet: In der Standortqualität der Schweizer Kantone ist Baselland gemäss Credit Suisse (CS) vom neunten Platz auf Rang elf zurückgefallen. Doch beim zweiten Blick relativiert sich das Bild: Erstens lag der statistisch errechnete Qualitätsindex 2004 um 0,3 Punkte über dem Schweizer Durchschnitt. Heute liegt er 0,5 Punkte darüber. Das Baselbiet verbesserte sich also auf jenen Wert, den 2004 Basel-Stadt erreicht hatte. Und zweitens liegt die Region mit der höchsten Nordwestschweizer Standortqualität im Baselbiet: Basel-Stadt erreicht 0,88 Punkte, das untere Baselbiet hingegen wird von der CS mit 0,99 bewertet. Wäre also der Baselbieter Agglomerations-Speckgürtel ein Kanton, läge dieser hinter Zug (2,1) und Zürich (1,7) auf Rang drei.

«Da macht sich bemerkbar, dass die Agglomeration ein tieferes Steuerniveau aufweist als die Stadt, die Zentrumsfunktionen finanzieren muss», erklärt Sara Carnazzi, Leiterin des Bereichs Regionalanalysen bei CS Economic Research.

Basel-Stadt macht Sprung nach vorn

In der veröffentlichten CS-Studie haben neben Baselland noch zwei weitere Kantone den Indexwert von 0,5 erreicht. Erst die Detailzahlen zeigen, weshalb Schaffhausen (0,512) und Thurgau (0,510) vor dem Baselbiet (0,481) liegen. «Dieser Rang zeigt nur, dass andere noch schneller besser geworden sind als wir», weist René Merz, Leiter der Baselbieter Abteilung Volkswirtschaft, auf den relativen Wert des Rankings hin.

Basel-Stadt schafft mit einer Verbesserung von 0,5 auf 0,9 einen Vorstoss vom siebten Rang auf den dritten Platz. «Das sieht im Moment toll aus», kommentiert Sabine Schenker, Kommunikationsbeauftragte von BaselArea (Wirtschaftsförderung beider Basel). «In der Praxis sollte man aber solche Studien nicht überbewerten, denn die Unterschiede sind oft marginal.»

Auch andere Faktoren entscheiden

In der Beratung ansiedlungswilliger Firmen würden weit mehr Aspekte einfliessen als die fünf Kriterien, die in die Berechnung der Studie einfliessen, erklärt Schenker. So seien die Verfügbarkeit geeigneter Gewerbegrundstücke, einer internationalen Schule oder dass man auch als rein englischsprachige Person in einer Region gut leben könne oft wichtige Fragen in den Beratungsgesprächen. Solche Studien seien keine aktiven Promotions-Instrumente.

Sara Carnazzi weist dagegen darauf hin, dass internationale Firmen bei der groben Erstauswahl des Standorts sich auf derartige Studien stützen würden. «Erst bei der Feinauswahl kommen dann die weiteren Faktoren ins Spiel.»

Die Schwarzbuben ziehen runter

Neben der Agglomeration kommen das obere Baselbiet auf 0,43 und das Laufental auf -0,47 Punkte. Die Wirtschaftsregion Laufental liegt damit in der Standortqualität, so wie sie die CS bewertet, unter dem schweizerischen Durchschnitt. Diese Wirtschaftsregion wurde vom Bundesamt für Statistik definiert und umfasst neben dem Bezirk Laufen auch die Solothurner Gemeinden der Nordwestschweiz. «Das verfälscht das Bild», betont Merz. Und Carnazzi bestätigt: «Bezüglich Besteuerung der natürlichen Personen und Ausbildungsstand der Bevölkerung stehen die Solothurner Gemeinden schlechter da.»

Merz verweist darauf, dass ohne die statistisch verfälschenden Schwarzbuben der Bezirk Laufen kurz hinter dem Oberbaselbiet liege, dass aber nach wie vor klassische Industrie das Bild stärker präge als wertschöpfungsstarke Dienstleistungsbetriebe.

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