Dino Nodari

Mehr Lohn für die gleiche Arbeit. Seklehrer auf dem Mutschellen und im Kelleramt werden von der Sekundarschule Obfelden-Ottenbach gezielt angeschrieben und mit einer mehrseitigen, farbigen Broschüre eingeladen, sich zu bewerben. «Das ist die Höhe, ich bin schockiert», sagt der Kellerämter Schulleiter Wädi Koch. An seiner Schule wurden alle neun Klassenlehrer der Sekundarstufe angeschrieben. Koch wertet dies als Angriff und hat Regierungsrat Alex Hürzeler um Rat gebeten.

«Missbrauch der Transparenz»

Gerade an der Kantonsgrenze zu Zürich seien die Schulen dem Lohndruck ausgesetzt, sagt Schulleiter Koch. Er will von Alex Hürzeler wissen, wie er reagieren soll, und er fordert den Regierungsrat auf, mit seiner Zürcher Amtskollegin Regine Aeppli Kontakt aufzunehmen. «Diese Art der Abwerbung führt zu Spannungen im Lehrkörper», ist Wädi Koch überzeugt. Bisher habe es einen Verhaltenskodex gegeben, an den sich die Schulen gehalten hätten. Wädi Koch vermutet, dass die Schule Obfelden-Ottenbach die Namen der Lehrer von der Homepage der Kellerämter Schule hat. «Unsere Transparenz wird so missbraucht. Wenn das in Zukunft der Stil ist, werden wir diese Daten von unserer Homepage nehmen müssen.»

Der Kellerämter Schulleiter meint, dass die Situation mit dem Lehrermangel heute schon katastrophal sei. «Manchmal müssen Vakanzen mit schlechten Lehrern ausgefüllt werden.» Für ihn ist klar, dass dringend auch Quereinsteiger die Möglichkeit erhalten sollten, sich umschulen zu lassen. Ihm schwebt eine einjährige Umschulung mit anschliessender befristeter Bewährungszeit vor.

Kampagne ist erfolgreich

Die Abwerbungskampagne sei aus der Not geboren, weil keine Lehrer gefunden wurden, bestätigt Heinz Bucher. Der Schulleiter der Sekundarschule Obfelden-Ottenbach erklärt, dass er ein Verfechter der freien Marktwirtschaft sei, und findet, dass auch öffentliche Schulen solche Aktionen machen sollten. Die Rekrutierungskampagne zeige Wirkung, sagt Bucher. Bereits am Mittwoch will er sich mit ersten Kandidaten, die sich gemeldet haben, treffen. «Im Aargau gibt es viele unzufriedene Lehrer, das ist ein Reservoir für uns.»

«Nicht die feine Art»

Einer der auf dem Mutschellen angeschriebenen Lehrer ist Thomas Leitch. Auch er hat so eine gezielte Abwerbung noch nie erlebt. Der langjährige Sekundarlehrer fühlt sich nicht besonders geschmeichelt. «Man durchschaut, wenn einem Honig ums Maul geschmiert wird.» Er selbst weiss von vier anderen Lehrern auf dem Mutschellen. Die Aussicht auf mehr Verdienst sei für ihn aber kein zentrales Argument für einen Stellenwechsel. Viel wichtiger sei das Team. Allerdings verhehlt er auch nicht, dass er Kollegen kenne, die wegen der Aussicht auf mehr Lohn schon den Kanton gewechselt hätten. Die Arbeitsbedingungen für Lehrer müssen sich im Kanton Aargau verbessern, ist Thomas Leitch überzeugt.