Deshalb gibt es für diese Pflanze eine «Ausreisspflicht»

Die Wucherpflanze Ambrosia hat wieder Blütezeit. Europaweit stark verbreitet, ist sie vor allem für Allergiker eine Plage. Die Pflanze wird als so gefährlich eingestuft, dass für sie als einziges Gewächs überhaupt sogar eine «Ausreisspflicht» existiert.

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Ambrosia
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 Die gefährlichste Polle der Welt unter dem Mikroskop. (Bild: Universität Basel)

Ambrosia

Ambrosia heisst die Pflanze, die zusammen mit Feuerbrand botanischer Staatsfeind Nummer eins ist. Nicht ohne Grund bedeutet ihr griechischer Name so viel wie «unsterblich».

Um 1865 über Handelswege aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt, blieb sie zwar lange unauffällig. Bis im Milleniumsjahr schliesslich erstmals grosse Flächen im Tessin und in Genf überwuchert wurden. Von da an breitete sich die Pflanze derart stark aus, dass sie heute gezielt gejagt wird.

Grosser Aufwand im Kampf gegen Ambrosia

Ungefähr 300 Kontrolleure werden alleine im Kanton Aargau jeden Sommer ausgebildet, um während der Blütezeit von Mitte Juli bis Ende September das Gewächs zu jagen. Dazu stellt jede Gemeinde mindestens einen Kontrolleur, der gezielt darauf geschult wird, Ambrosia sowie Feuerbrand zu erkennen und bei Entdeckungen entsprechende Massnahmen einzuleiten. Zudem ist sogar jeder Bürger gesetzlich dazu verpflichtet, eine entdeckte Ambrosia zu melden und zu vernichten. Die ausgerissene Pflanze muss dabei im Hauskehricht entsorgt werden.

Der grosse Aufwand wird nicht umsonst betrieben; einige Arten der Ambrosia gelten als hochallergen und sind für Pollenallergiker entsprechend gefährlich. Die Auswirkungen beginnen bei einem harmlosen Jucken und erhöhtem Speichelfluss und reichen bis zum ernsthaften Asthmaanfall. «Akut gefährdet sind 14 Prozent der Bevölkerung», sagt dazu Gery Busslinger vom aargauischen Pflanzenschutzdienst gegenüber «a-z.ch».

Die Armee hat wieder einen Feind

In Thun wurde auch schon die Armee gegen den feindlichen Eindringling eingesetzt: So liess sie Soldaten einzelne Pflanzen von Hand ausreissen und spritzte auf grösseren Flächen Herbizide gegen das Unkraut.

Und die Bemühungen zeigen Wirkung: «Seit letztem Sommer verzeichnen wir einen starken Trend gegen unten und registrieren nur noch sehr wenig neue Fundorte», weiss Gery Busslinger. Zur Zeit sind unter den rund tausend Fundorten noch zehn grosse mit jeweils mehr als hundert Pflanzen.

Verbreitet wurde Ambrosia lange Zeit über Vogelfutter, bis es 2007 per Gesetz daraus verbannt wurde. Dem Futter ist auch einer der heute grössten verbleibenden Plätze geschuldet, die im Aargau heute noch stark gefährdet sind: Bevor Ambrosia als Bestandteil von Futterprodukten verboten werden konnte, sorgte die zurückgebliebene Saat einer Kleintierausstellung für ein Gewucher, das trotz intensiver Bekämpfung seit Jahren anhält. Das zeigt, wie widerstandsfähig die Pflanze ist. Unsterblich eben - beinahe zumindest. (mik)

Eine Karte mit allen Fundstellen im Kanton findet sich auf der Webseite vom Kanton Aargau.

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