Der Würfel ist in Kloten gefallen

Nach den Playoff-Finalspielen bereitet man sich in Kloten bereits auf den nächsten Eishockey-Grossanlass vor: die Weltmeisterschaft.

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Stadion

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Limmattaler Zeitung

Marco Häusler

«Zehn, neun, acht . . .» - die Davoser Fans zählen die verbleibenden Sekunden der letzten, alles entscheidenden Playoff-Partie gegen die Eishockeyspieler der Kloten Flyers rückwärts mit. Angezeigt werden sie auf dem Videowürfel, der unter dem Dach der Klotener Arena montiert ist. Dann steht die Uhr auf diesem still. Somit wird sich auch am Resultat nichts mehr ändern. Die Spieler und Anhänger des HC Davos bejubeln den 1:2-Sieg gegen die Heimmannschaft, der sie zum Schweizer Meister macht. Das war am Montag.

Am Tag danach liegt der Videowürfel auf der Eisfläche. Dorthin verfrachtet hat ihn Erwin Mensink. «Tun wir das noch heute Nacht, oder machen wir das morgen früh und trinken jetzt noch ein Bier?», habe er seinen Arbeitskollegen am Ostermontag, ein halbe Stunde nach dem Spiel gefragt. «Wir haben uns dann für das Bier entschieden», erzählt Mensink weiter.

Trotz allem Meister im Feiern

In Kloten ist der 39-jährige gelernte Elektriker bereits seit zehn Jahren für die Leitung des Stadions und für die dazugehörige Infrastruktur verantwortlich. Natürlich schlägt sein Herz für die Flyers, und natürlich hat er bei der Niederlage mitgelitten. «Ich bin enttäuscht», gibt er denn auch unumwunden zu. Aber: «Wir sind wahrscheinlich die Schweizer Meister im Feiern des Vizemeistertitels», fügt Mensink an.

Frenetisch seien die Spieler empfangen worden, als sie sich nach der Partie im Zelt neben dem Stadion eingefunden hätten. Aufgestellt wurde dieses vor allem für die Eishockey-Weltmeisterschaft (WM), die vom 24. April bis zum 10. Mai in Bern und Kloten ausgetragen wird. Für sein Feierabendbier blieb Mensink deshalb nicht viel Zeit.

Am Dienstag stand der Stadionleiter bereits um 5 Uhr erneut in der Kolping-Arena. In knapp zwei Stunden wurde die Decke vom Videowürfel befreit, der am Vortag für die Klotener vielleicht nur einige Sekunden zu früh, sicher aber mit dem «falschen» Resultat stehen geblieben war. Bereits um 7 Uhr rückten die Handwerker an, um mit der Montage einer moderneren Version zu beginnen. Mit dieser können künftig auf allen vier Seiten auch Spielszenen gezeigt werden - und das nicht nur während der WM.

«Der Würfel bleibt uns auch danach erhalten», sagt Mensink. Weniger beständig sind die meisten übrigen Arbeiten, die jetzt im Hinblick auf die WM geleistet werden müssen. Im Stadion sind das hauptsächlich Umbauten auf den Rängen und unter der Decke. Dort braucht es verschiedene Träger, an denen Geräte für Showeffekte befestigt werden, auf den Tribünen zusätzliche Podeste für Fernsehkameras, weitere Plätze für Medienvertreter oder eines für das WM-Maskottchen «Cooly».

Werbung Schicht um Schicht

Um die Arena werden in Containern diverse Büros und zwei Zusatzgarderoben eingerichtet. «An der WM brauche ich pro Garderobe vier zusätzliche Räume», zählt Mensink diese auf: «einen Massage-, einen Coach-, einen Trocknungs- und einen Materialraum.» Am wichtigsten ist ihm aber das Eisfeld. Und weil die Schweizer Nationalmannschaft auf diesem am Dienstag, 21. April, auch noch ein Testspiel gegen die USA austrägt, wartet auf dem Eis besonders viel Arbeit.

Es muss zuerst vollständig abgetragen werden, um danach eine Schicht mit der Werbung für die WM und einer weiteren mit eigener Reklame für das Testspiel aufzutragen. Kaum ist dieses vorbei, wird die oberste der rund 4,5 Zentimeter dicken Schicht wieder abgehobelt. Und auch alle übrigen Werbeträger wie zum Beispiel die Banden werden zuerst für das Testspiel und danach für die WM angepasst.

Wenn diese dann endlich beginnt, hofft Mensink, dass er sich auch das eine oder andere Spiel ansehen kann. Die Frage, wer Weltmeister werde, beantwortet er nach kurzer Bedenkzeit: «Ich tippe auf Schweden.»