Der Wind zwang zu Südlandungen

Mit fast 9 Prozent aller Landungen gab es im vergangenen Jahr so viele Südanflüge wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr

Südanflug

Mit fast 9 Prozent aller Landungen gab es im vergangenen Jahr so viele Südanflüge wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr

Schuld an der höchsten Anzahl von Südanflügen seit der Jahrtausendwende ist das Wetter Fast 9 Prozent aller Landungen auf den EuroAirport erfolgten von Süden. Grund dafür ist der häufige Nordwind – sagt das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Der Schutzverband kritisiert dessen Analyse aber als «billig».

Die Befürchtungen der Anwohner haben sich bewahrheitet: Gleich im ersten Jahr, als der EuroAirport auf das Instrumentenlandesystem ILS 33 umgestellt hatte, gab es ausserordentlich viele Südanflüge. In Zahlen: 8,9 Prozent aller Landungen erfolgten von Süden - dies ist der höchste Wert seit der Jahrtausendwende.

Doch «schuld» daran ist nicht primär das ILS 33 oder gar die Willkür der Fluglotsen - sondern die ungewöhnlich häufigen Nordwindlagen. Dies stellen das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und die französische Flugsicherung (Dgac) in einer jetzt vorliegenden Analyse fest. Sie mussten diese gemäss Abmachung erstellen, weil der prozentuale Wert die 8-Prozent-Marke überschritt. Im Bericht zeigt sich nun, dass der Wind im letzten Jahr fast zur Hälfte (44 Prozent) aus nördlicher Richtung wehte. In den beiden Vorjahren war dieser Wert leicht tiefer gewesen (jeweils rund 2 Prozentpunkte). Beträgt der Rückenwind mehr als fünf Knoten, wird aus Sicherheitsgründen auf Südanflug umgestellt.

Die Einführung des ILS selbst hatte nur einen kleinen Einfluss auf die Zahl der Südanflüge. Es hat 360 Flugzeugen die Landung auch bei schlechter Sicht ermöglicht, was 1 Prozent aller Landungen entspricht. Früher wären solche Landungen aus Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen.

Die Regierungen von Baselland und Basel-Stadt begrüssen den Bericht. «Er zeigt uns, dass die Fluglotsen sich an die Bestimmungen halten», sagt Claus Wepler, Generalsekretär des Departements für Wirtschaft und Umwelt. Dies bestätigt sein Baselbieter Amtskollege Michael Bammatter. Ausser «weiter beobachten» sehen die beiden Regierungen keinen Handlungsbedarf.

Unzufrieden mit der Analyse ist hingegen Kaspar Burri vom Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen. «Ich bin vom Bazl und den beiden Regierungen enttäuscht. Die Analyse ist nicht vertieft, sondern liefert nur billige Ausflüchte.» So hat Burri beispielsweise herausgefunden, dass an Sonntagen abnormal oft von Süden angeflogen wird. «Es kann doch nicht sein, dass immer sonntags Nordwind herrscht», so Burri. Er vermutet, dass die Lotsen gezielt an Ruhetagen die Flugzeuge über die Schweiz anfliegen lassen würden. «Das ist natürlich Unsinn», entgegnet Daniel Göring, Mediensprecher des Bazl. «Die Lotsen schauen auf den Wind und nicht auf den Wochentag.» Das Bazl habe dies mehrfach überprüft.

Zwei Massnahmen sollen Lage verbessern

Massnahmen werden indes trotzdem ergriffen - freiwillig. So sind seit Februar die ILS auf der Nord- wie auch auf der Südpiste gleichzeitig aktiviert. Dies erlaubt, rascher auf geänderte Windverhältnisse zu reagieren. So ist es etwa vorgekommen, dass weiter von Süden angeflogen wurde, obwohl es nicht mehr nötig gewesen wäre - nur weil der andere Luftraum noch nicht aktiviert war. «Das waren aber Einzelfälle», betont Göring. «Und dies ist im gleichen Mass auch in der umgekehrten Richtung passiert», fügt er an.

Die zweite Anpassung betrifft das Informatiksystem, das die Lotsen mit Wetterdaten bei der Pistenwahl unterstützt. Das System reagierte zu sensibel auf Windwechsel, worauf die Lotsen ohne dessen Hilfe entscheiden mussten. Bis Ende Jahr soll es nun auf die Basler Verhältnisse abgestimmt sein.

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