Werner van Gent

Der Wettinger mit holländischem Akzent

Fast daheim: Das ist vielleicht für viele Leute neu: Werner van Gent lebte lange in Wettingen.

Werner Van Gent

Fast daheim: Das ist vielleicht für viele Leute neu: Werner van Gent lebte lange in Wettingen.

Erst war Werner van Gent live aus Griechenland noch im Schweizer TV zu sehen. Am Montagabend hat er sein Buch «Iran ist anders» an der Wirtschaftsschule Baden präsentiert. Der bekannte Radio- und Fernsehkorrespondent hat lange in Wettingen gelebt.

Roman Schenkel

Eine Minute und dreissig Sekunden: So viel Zeit hat Werner van Gent, wenn er für die «Tagesschau» aus der weiten Welt berichtet. Am Montagabend in Baden hatte er für einmal viel mehr Zeit - er genoss es sichtbar. «Heute kann ich mehr als die zwei, drei Fragen der Fernsehsprecherin beantworten - so viel Sendezeit habe ich sonst nie», sagte er. Sein Vortrag über die politischen Verhältnisse im Orient war gespickt mit spannenden Anekdoten, Namen und Jahreszahlen. Kompetent und ausführlich gab der Nahostspezialist anschliessend auf die Fragen des Publikums Antwort.

Sein Gesicht und vor allem seine Stimme mit dem markanten holländischen Akzent sind bei den Zuschauern und Zuhörern bekannt und beliebt. «In Athen, wo ich mit meiner Frau Amalia lebe, kennt mich kein Knochen, doch in der Schweiz werde ich immer wieder auf der Strasse erkannt und angesprochen.» Das freut ihn: «Es ist schön, dass das, was ich mache, bei den Leuten ankommt.»

Seit 25 Jahren berichtet Werner van Gent für das Schweizer Radio und Fernsehen von den Krisenherden der Welt - zurzeit aus dem bankrotten Griechenland. «In Griechenland funktioniert wenig - Staat, Verkehr und Banken sind schlecht organisiert», sagte er.

Studium mit Taxifahren verdient

Da sei es immer wieder schön, in die Schweiz zurückzu- kommen. Wettingen weckt beim 57-jährigen Journalisten Heimatgefühle: «Ich habe lange in Wettingen gelebt. Meine Mutter wohnt dort, ich besuche sie alle sechs Wochen.» Die Familie van Gent zog 1972 nach Wettingen. Der junge van Gent studierte darauf an der Universität Zürich Soziologie. «Das Studium habe ich mir damals mit Taxifahren finanziert», erinnert er sich. Wenn er in der Schweiz weile, lasse er sich immer von seinem ehemaligen Arbeitgeber - der Badener Taxi AG - fahren.

Ist und bleibt Journalist

Nach dem Studium zog er nach Athen, wo er als Korrespondent für verschiedene Schweizer Zeitungen tätig war. Ab 1985 arbeitete er zusätzlich für das Schweizer Radio DRS und 1995 kam das Schweizer Fernsehen. Hinzu. Van Gent berichtete aus Griechenland, der Türkei, aus dem Balkan und dem Irak.

Für Weltenbummler van Gent ist die Schweiz dennoch Heimat geblieben. Nicht nur der Gefühle wegen: «Heimat ist auch dort, wo man Steuern zahlt», sagt er augenzwinkernd. Gemeinsam mit seiner Frau führt er ein Reiseunternehmen mit Sitz in Wettingen. «Das ist für mich eine gute Ergänzung, doch ich bin und bleibe Journalist», beruhigt er.

Werner van Gent/Antonia Bertschinger, «Iran ist anders», Rotpunktverlag

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