Der Wert des Sicherheitsgurtes

Ohne Sitzgurt wären die beiden Mädchen einige Meter weit nach vorne geschleudert worden.

Schleudersimulator

Ohne Sitzgurt wären die beiden Mädchen einige Meter weit nach vorne geschleudert worden.

Oberstufenklassen werden zur Sicherheit im Strassenverkehr informiert – Schülerinnen und Schüler erleben in der Werkstatt des Busbetriebs am eigenen Leib, was Sicherheit im Strassenverkehr bedeutet. Einblick in die Präventionslektionen, die die Stadtpolizei Grenchen bei der Oberstufe durchführt.

Daniela Deck

Die zwei Mädchen werden tüchtig durchgeschüttelt. Sie haben eben einen Aufprall mit sieben Stundenkilometern Geschwindigkeit erlebt. Angeschnallt auf Autositzen, ist ihr Demoschlitten in einen Puffer geprallt. «Wollt Ihr nochmal?», fragt der Polizist in der Buswerkstatt. Die Schülerinnen sind erschrocken genug, um auf die Wiederholung zu verzichten. Plötzlich können sie sich vorstellen, dass eine Kollision schon bei 30 Stundenkilometern tödlich enden kann.

Ein Klassenkamerad von ihnen hat Minuten zuvor freimütig zugegeben, dass er den Sicherheitsgurt auf dem Rücksitz nicht immer trägt. «Auf kurzen Strecken, zum Beispiel von Bettlach nach Grenchen, schnalle ich mich hinten nicht an.» Das Wissen darum, dass der Körper beim Aufprall bei 50 Stundenkilometer mit einer Wucht nach vorn fliegt, die dem Sprung aus dem dritten Stock auf Betonboden entspricht, stimmt auch diesen Jugendlichen nachdenklich.

Toter Winkel – toter Velofahrer

Alle drei Jahre führt die Stadtpolizei bei der Oberstufe Sicherheitslektionen durch. Diesmal sind die dritte Progymnasium- und die Bezirksschulklasse 2C an der Reihe. Neben dem Thema «Sicherheitsgurt» befassen sie sich mit dem Sinn von Gesetzen und den Folgen von Unfällen.

Ausserdem steht der tote Winkel auf dem Programm. Abwechselnd klettern die Schüler auf den Fahrersitz eines Lastwagens. Langsam lässt Polizistin Noemi Neuhaus einen Dummy auf einem Velo seitlich dem Lastwagen entlang fahren. Alle melden das Verschwinden der Puppe aus ihrem Gesichtsfeld an derselben Stelle. «Der Lastwagenfahrer merkt beim Abbiegen erst, dass etwas passiert ist, wenn es zu spät ist.» Dann nämlich, wenn der Velofahrer vom Hinterrad überrollt wurde und tot ist. «Ich will euch nicht das Mittagessen verderben, aber der Körper des Opfers sieht aus wie Apfelmus», sagt Neumann emotionslos. Zur Sicherheit darf der Velofahrer seitlich deshalb höchstens bis zur Hinterachse vorfahren. Beim Gang rund um den Laster erklärt die Polizeibeamtin die übrigen toten Winkel: direkt vor und hinter dem Fahrzeug.

Beklemmende Erinnerungen rufen diese Demonstrationen beim Lehrer Michael Zurschmiede wach. Eine junge Bekannte von ihm sei auf dem Velo exakt so tödlich verunglückt, sagt er.

Unfälle ruinieren Leben

Dann steigt die Gruppe in den Keller des BGU-Betriebsgebäudes, um einen Film zu schauen. Darin erzählt die 21-jährige Nadine ihre Geschichte: eine lange Disconacht, zu viel Alkohol und ein schwerer Unfall mit dem Roller. Weil sie angetrunken war, forderte die Versicherung 30 Prozent der Unfallkosten von Nadine zurück. 40 Monate lang muss die Lehrtochter die Schulden abstottern.

Noch schlimmer erging es einem 18-Jährigen, der alkoholisiert den Tod eines Familienvaters verursachte. 400000 Franken der 1,3 Millionen Folgekosten will da die Versicherung zurück. «Sein Leben ist kaputt», kommentierte der zuständige Polizist. «Möchtet Ihr einen solchen Partner?», wollte er von den Schülern wissen. Diese blicken
sich verstohlen an. Dann schütteln sie entschlossen den Kopf. Es
müssen nicht immer Alkohol oder Drogen sein, weshalb die Versicherung Kosten auf den Unfallverursacher abwälzt. «Velofahren ohne Licht ist ebenfalls ein Regressionsgrund, werden die Schüler gewarnt. «Und das treffen wir in Grenchen oft an.»

Zuletzt verschiebt sich die Gruppe in den ersten Stock, um über den Sinn von Gesetzen nachzudenken. Aufmerksam arbeiten die Jugendlichen mit. «Schutz, Sicherheit und Vertrauen» arbeiten sie als Begründung heraus.

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