Wein
Der Wein kam auf dem Rhein

Zum fünften Mal wurde der Basler Staatswein im benachbarten Markgräflerland abgeholt. Und festlich ins Rathaus gebracht.

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Staatswein

Staatswein

bz Basellandschaftliche Zeitung

Franz Osswald

Da lag es, das Motorschiff «Leventina», das den kostbaren Rebensaft aus dem Markgräflerland holen sollte. Viel Volk versammelte sich zur Fahrt den Rhein hinunter, um den Basler Staatswein abzuholen, einen Weisswein der Bezirkskellerei Markgräflerland. Mit von der Partie (oder Party) waren die Spiele der Zünfte zu Fischern und Schiffleuten in ihren grünen und roten Kostümen.

Die erste, die an diesem «weinseligen» Anlass knalle voll war, war die «Leventina» - bis auf den letzten Stehplatz. Kaum hatte man noch einen freien Sitzplatz ergattert, trat schon Ulla in Aktion, die die Weinflasche schwang und die Gläser der Gäste füllte. Die Fahrt konnte losgehen.

Vorbei am Dreiländereck, unter der Dreiländerbrücke durch tuckerte das Schiff auf der glatten Wasserfläche Richtung Weil am Rhein. Und dann kam sie ins Blickfeld: die «Lai da Tuma», die mitten auf dem Rhein auf die «Leventina» zu warten schien. Der Eindruck war nicht falsch, denn beim kurzen Anlegen am Jachthafen von Weil wurden keine Flaschen geladen, sondern geladene Gäste. Der Wein indessen war bereits auf die «Lai da Tuma» verfrachtet worden.

Als ob man um den edlen Tropfen werben müsste, begann die «Leventina» einen eigentlichen Balztanz um die «Lai da Tuma», umkreiste sie mehrmals mit jener Anmut, die Schiffen eben möglich ist. Seite an Seite machten sie sich daraufhin auf den Rückweg. Nur das Frachtschiff «Moinos» trennte die beiden bei der Durchfahrt, am Rheinhafen gab die «MS Lällekönig» dem Paar seine Reverenz, und zu Dritt wurde schliesslich an der Schifflände angelegt.

Alle starken Männer an Bord - und es gab davon viele - wurden gebeten, einen Karton Wein an Land zu tragen, denn den Transport bis zum Rathaus übernahm nun ein Saurer-Oldtimer. Die Zunftspiele in ihrer Farbenpracht voraus, Oldtimer und Gästeschar als Gefolge, wurde mit Trommeln und Pfeifen der Staatswein gut baslerisch an seinen Bestimmungsort geleitet.

Winzer richten sich nach Basel aus

Staatsschreiberin Barbara Schüpbach, die den Staatswein in Empfang nahm, wurde so gewissermassen zur Basler «Weinkönigin». Der Kanton Basel-Stadt sei kein traditioneller Rebbaukanton, auch wenn im Grossratssaal an der Kassettendecke der Monat Oktober mit einem Winzer dargestellt werde.

«Wir nehmen deshalb gerne die Hilfe der Winzer des Markgräflerlandes in Anspruch», meinte sie. Das Einvernehmen mit den deutschen Nachbarn sei traditionell gut, dies trotz Kavallerie-Böllerschüssen aus Berlin.

«Der beste Wein wächst an Südhängen, wie beispielsweise der diesjährige Staatswein, der am Isteiner Kirchberg reifte», sagte Julia Fellmann, Vertreterin der Bezirkskellerei Markgräflerland. Im Süden des Rebbergs liege auch Basel. «Die Winzer blicken bei ihrer Arbeit nach Basel, wo ihr Wein nun getrunken wird», fügte sie an, und: «Auch die Winzer würden sich eben eher nach Basel als nach Berlin ausrichten.»

Der Anlass, der bereits zum fünften Mal stattfand - und nach Wunsch aller Beteiligten weiterhin stattfinden soll - wurde mit einem kleinen Umtrunk abgeschlossen.