Der verflixte vordere Stirnlappen

Die tägliche Portion Meiereien in der Aargauer Zeitung.

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Jörg Meier

WIR SOLLTEN UNS mehr um unseren vorderen Stirnlappen kümmern. Es ist erschreckend, feststellen zu müssen, dass den meisten Leuten der vordere Stirnlappen bisher ziemlich egal war; schlimmer noch, dass sie nicht einmal wussten, dass sie einen solchen im Kopf haben.

DABEI IST ES der vordere Stirnlappen, der darüber entscheidet, ob wir einen guten Ruf haben oder nicht. Das hat jetzt ein interdisziplinäres Forscherteam der Universitäten Basel und Zürich herausgefunden. Einen guten Ruf erwirbt man sich dann, wenn es einem gelingt, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten; wenn man also etwas einfach so tut, den Menschen zuliebe oder der Sache. Das schafft Vertrauen und Anerkennung - oder eben Reputation, wie der entsprechende Fachausdruck dafür heisst.

UND NUN HABEN die Forscher erkannt, dass Reputation und vorderer Stirnlappen eng miteinander verknüpft sind: Je besser der vordere Stirnlappen funktioniert, desto höher die Reputation. Kinder zum Beispiel wollen meistens sofort und für alles eine Belohnung. Das ist, weil ihr vorderer Stirnlappen eben noch nicht richtig ausgebildet ist. Das kommt erst später; manchmal halt auch gar nicht. Und schon ist er da, der schlechte Ruf.

MIT ANDEREN WORTEN: Wir können gar nichts für unseren Ruf. Es ist der verflixte vordere Stirnlappen, der uns im Griff hat. Das ist einerseits tröstlich, andrerseits aber auch ziemlich frustrierend. Was sollen wir da noch erziehen? Mit dem guten Vorbild vorangehen? Da schicken wir unsere Kinder doch besser sofort ins Stirnlappen- Training. Und melden uns auch gleich an.

joerg.meier@azag.ch