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«Der Übervater aller Tunnel»

Zur Eröffnung des ifa-Übungs-tunnels in der Klus/Balsthal gaben sich rund 350 Gäste aus Politik, Behörden, Wirtschaft und natürlich der Feuerwehr die Ehre. Bundesrat Moritz Leuenberger hielt eine unvergessliche Rede. Die Anwesenden waren begeistert.

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Neuer ifa-Übungstunnel
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Güggel
Chor
Rolf Büttiker Der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker kämpfte an politischer Front stets für den Bau des ifa-Übungstunnels in der Klus.
Esther Gassler und Moritz Leuenberger Sie sind zufrieden: Esther Gassler und Moritz Leuenberger beim Small-Talk.

Neuer ifa-Übungstunnel

Solothurner Zeitung

Von Fränzi Rütti-Saner (Text) und Urs Lindt (Bilder)

«Alle wollen ihren Tunnel. Die meisten bekommen ihn ja auch - früher oder später, je nachdem, wann das Geld bereit ist und nicht gerade Sparprogrammen zum Opfer fällt oder für Bankenrettungsübungen gebraucht wird». So pointiert stieg Bundesrat Moritz Leuenberger am Freitagabend im Festzelt auf dem ifa-Gelände in der Klus in seine Festansprache ein.

Rund 350 Gäste waren gekommen, diese Rede, die als Höhepunkt des Fest-Programmes galt, mitzuerleben. Vorher begrüsste Bernhard Fröhlich, Direktor der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung und Mit-initiant der ersten Stunde des ifas und seiner Infrastruktur, einem routinierten Moderator entsprechend zum festlichen Abend.

Zurück zur bundesrätlichen Rede: Leuenberger bezeichnete den neuen Tunnel von Balsthal als den weitsichtigsten und sinnvollsten Tunnel der Welt. «Er ist sogar der Übervater aller Tunnel, ein Übertunnel sozusagen.» Denn hier werde durch harte Arbeit geübt, wie später Menschenleben gerettet werden können. Und damit bezeichnete Leuenberger diesen Tunnel auch als Mahnmal gegen das Vergessen und Verdrängen. Denn allzu rasch gingen wir alle nach Katastrophen wieder zum Alltag über, obwohl sich auch bei ihm persönlich die Bilder, einen Tag nach der Gotthard-Tragödie, unauslöschlich in seinem Gedächtnis eingebrannt hätten.

Hier wurden diese Tragödien nicht vergessen, es sei gehandelt worden. Dieses Verhalten sei richtig, gehöre es doch zur wichtigsten politischen Verantwortung, Sicherheit zu organisieren. Und so sei es auch die Pflicht der Politiker, den Rettungsdiensten zumindest optimale Übungsbedingungen zu schaffen, damit sich diese so gut wie möglich auf ihre Einsätze vorbereiten können.

Mit diesem Übungstunnel werde eine Massnahme umgesetzt, so Leuenberger, die das Bundesamt für Strassen Astra nach den Unglücken im Mont-Blanc-Tunnel, im Tauern-Tunnel und danach im Gotthard-Tunnel empfohlen hatte. «Eine mögliche Katastrophe zu verdrängen heisst, sie in Kauf zu nehmen. Katastrophen zu üben heisst, sie zu vermeiden.»

Auch zu den Kosten äusserte sich der Bundesrat in seiner Festansprache dezidiert: «Die beiden Übungstunnel in Balsthal und Lungern haben rund 38 Mio. Franken gekostet. Wir müssen diese Summe in Relation setzen: zur Neat, die gut 18 Mia. Franken kostet, zu den Kosten unseres Nationalstrassennetzes von 70 Mia. Franken. Dann ist diese Summe nichts mehr als ein Klacks.» Setze man diese Tunnel gar in Relation von Menschenleben, stosse man an Grenzen, denn jeder wisse: Gerettete Leben sind unbezahlbar.

Obwohl in letzter Zeit sehr viel für die Tunnelsicherheit auf den Schweizer Strassen getan wurde, könne man doch einen Risikofaktor nie ausschliessen: die Fehler der Menschen, die in den Fahrzeugen sitzen oder diese warten. «Mit dem Paket Via sicura, welches 2010 in den Bundesrat und danach ins Parlament kommt, soll generell die Sicherheit auf den Strassen erhöht werden», warb der Bundesrat. Denn 300 Tote und 5000 Schwerverletzte seien immer noch zu viele pro Jahr.

«Das Werk ist gebaut, die eigentliche Arbeit wird im Tunnel geleistet werden. Da werden keine Devirate verschoben, da wird in das wichtigste Gut investiert, das wir kennen: in die Rettung von Menschen.» Und am Schluss wandte er sich an alle Feuerwehrmänner: «Ich danke Ihnen von ganzen Herzen für die Arbeit, die Sie für das Gemeinwohl vollbringen - für Ihren Einsatz zur Rettung von Menschen».

Zum Dank und zur Erinnerung erhielt der Bundesrat keinen Feuerlöscher, jedoch einen «Feuergüggel», wie Bernhard Fröhlich die ca. 40 cm grosse Messingskulptur, einen der Natur nachempfundenen Hahn, nannte. Und schon verschwand Leuenberger wieder in Begleitung von langanhaltendem Applaus - er hatte an diesem Abend noch andere Termine wahrzunehmen.

Unter den Festrednern des Abends war auch die Solothurner Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, für die mit der Inbetriebnahme dieser Anlage ein doppelter Grund zur Freude besteht: «Nicht nur, dass die Feuerwehrmänner hier künftig auf der weltweit modernsten Tunnelanlage realitätsnah üben können, sondern auch, dass mit dem ifa in der Klus sich ein neuer, wichtiger Arbeitgeber angesiedelt hat, freut mich sehr.» Es würden zwar nicht mehr so viele Arbeitsplätze wie zu Zeiten der von Roll sein, doch den Umgang mit dem Feuer hätte an diesem Ort, wo einmal ein Hochofen stand, immer noch seine Bedeutung.

Feurig gings auch im Unterhaltungsprogramm zu und her, als die Feuer-show von Christian Ziegler für Verblüffung und einigen Rauch im Zelt sorgte. Gemütlicher waren da die Darbietungen des Chores der Alt-Kommandanten aus dem Baselbiet, die mit dem Solothurner und dem Baselbieter Lied für ausreichend Heimatkolorit sorgten.

Den ausländischen Gästen aus Deutschland, Dänemark, Frankreich und Weissrussland sowie der Innerschweizer Delegation aus Obwalden/Lungern wirds auch gefallen haben.

Am Schluss übergab dann Alain Rossier, Direktor der Gebäudeversicherung Kanton Solothurn, symbolisch den Schlüssel der Anlage an den ifa-Geschäftsführer Urs Kummer.