Louis Probst

Auch in der Region Brugg-Windisch kommt dem Gewerbe eine grosse Bedeutung im wirtschaftlichen Gefüge zu. Immerhin sind in der etwas weiter gefassten Region in den verschiedensten Sparten und Branchen mehr als 2300 selbstständige Unternehmen tätig. Sie bieten zusammen nicht bloss 22 000 Arbeits-, sondern auch mehr als 1000 Ausbildungsplätze an. Es zeigt sich zudem auch in der Region Brugg-Windisch, dass das Gewerbe bei grossen wirtschaftlichen Verwerfungen gewissermassen eine «Dämpferfunktion» erfüllt. An der Spitze der Gewerbeorganisationen von Brugg und Windisch ist man zuversichtlich, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft. Man spürt den Trend zur Erholung. Der Glaube an die Zukunft und der Wille, diese Zukunft zu gestalten, kommen auch an der Gewerbeschau Expo Brugg-Windisch zum Ausdruck. Noch bis Sonntag zeigen 177 Unternehmungen aus der Region an der Expo 2009 ihre Leistungen.

Die Fachleute scheinen sich nicht einig zu sein. Für die einen ist die Erholung der Wirtschaft bereits spürbar. Die andern warten noch auf den Beginn einer Erholung. Wie beurteilen Sie aus Ihrer Sicht das wirtschaftliche Umfeld?
Daniel Weber: Man spürt zwar, dass der Trend zur Erholung da ist. Die Stimmung ist jedoch noch nicht euphorisch. Die Konsumenten sind verunsichert. Da wirken sich Negativmeldungen in den Medien schlecht aus. Für kleine und mittlere Unternehmen, die in der Region verankert sind und für die Werte wie Seriosität, Fachberatung und Nachbetreuung der Kunden wichtig sind, eröffnen sich jedoch sehr grosse Chancen.
Jörg Wüst: Man kann sicher feststellen, dass Unternehmen, die im Exportgeschäft tätig sind, noch länger mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben werden. Für die kleinen und mittleren Unternehmen, die vor Ort oder regional tätig sind, bestehen aber Chancen.

Wie weit haben die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf das regionale und lokale Gewerbe durchgeschlagen?
Weber: Dazu gibt es zwei Sichtweisen. Meine persönliche und diejenige der Gewerbevereinigung Zentrum. Persönlich habe ich eher positive Auswirkungen festgestellt. Offensichtlich wird vermehrt der Kontakt zum Geschäft in der Nähe gesucht.
Wüst: Ich stelle fest, dass die Leute preisbewusster geworden sind. Das zeigt sich in meinem Falle darin, dass bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen umweltfreundliche und verbrauchsarme Modelle bevorzugt werden. Die Effizienzklassen werden sehr stark beachtet.
Weber: Generell kann man unabhängig von der Branche feststellen, dass die Kunden gut informiert sind und sich für hochwertige Produkte interessieren. Das Qualitätsbewusstsein wird stärker spürbar. Natürlich gibt es den Mainstream, für den allein der Preis entscheidend ist. Aber der Trend zum Qualitätsprodukt ist spürbar.

Werden Veränderungen im Konsumverhalten spürbar? Beispielsweise durch das Internet oder auch durch die Zunahme von Einkaufszentren und grossen Fachmärkten.
Weber: Auf bestimmte Branchen wirkt sich das zweifellos aus, indem die Konkurrenz härter wird. Das bedeutet, dass man mehr arbeiten muss. Das ist zwar ein harter, aber auf längere Sicht auch ein erfolgversprechender Weg.
Wüst: Kleinbetriebe sind näher bei den Kunden. Und sie sind auch nach dem Abschluss eines Geschäftes für ihre Kunden da. Das ist eine ihrer Chancen. Dass die kleinen und mittleren Unternehmen die Nähe zu den Kunden suchen, zeigt sich ja gerade am Ausstellerrekord der Expo 2009. Mehr als 170 Aussteller, das ist enorm.
Weber: Dabei hatte es Anfang Jahr noch gar nicht so gut ausgesehen.

Auf was führen Sie das grosse und zunehmende Interesse der Aussteller zurück?
Weber: Im Gewerbe hat man erkannt, dass sich mit der Teilnahme an der Expo die Chance bietet, mit dem Publikum, mit dem Kunden, in Kontakt zu treten. Zudem ist die Expo Brugg-Windisch längst ein Begriff geworden. Und sie ist ein Garant für Qualität und Erfolg. Was auch auf ihr ausgezeichnetes Organisationskomitee unter der Leitung von Peter Trachsel zurückzuführen ist.

Der Aufwand für die Teilnahme an einer Leistungsschau wie der Expo Brugg-Windisch ist gerade für kleinere Unternehmen erheblich. Rechnet sich das überhaupt?
Weber: Diese Frage beantwortet sich von selber. Wenn man die Beteiligung der Aussteller an der Expo sieht, muss sich der zugegeben enorme Aufwand offensichtlich auszahlen, obwohl er sich nicht in Franken und Rappen beziffern lässt.

In welcher Form denn?
Wüst: Die Wirkung der Teilnahme als Aussteller an einer Leistungsschau, wie der Expo muss längerfristig betrachtet werden.
Weber: Die Teilnahme an einer Leistungsschau ist eine nachhaltige Werbung, weil sich aus den Kontakten neue Kunden ergeben. Ich habe aus etlichen Gesprächen mit Ausstellern mitbekommen, dass sich der Aufwand auf alle Fälle lohnt.

Welche Erwartungen stellen Sie persönlich an die Expo 2009 Brugg-Windisch?
Wüst: Das Gespräch, der Kundenkontakt und die Kundenpflege, aber auch die Beratung, sind meine Hauptziele. Daneben möchte ich auch noch die Flyer für unseren Weihnachtsmarkt, an dem über 20 Firmen mitmachen, unter die Leute bringen.
Weber: Das Motto heisst ganz einfach: «Man sieht sich». Die Expo Brugg-Windisch ist ein Anlass, an dem das Gewerbe sich und seine Qualitäten präsentieren kann.

Seit Jahren führen die Gewerbevereinigung Zentrum Brugg und der Gewerbeverein Windisch gemeinsam die Expo Brugg-Windisch durch. Wann schliessen sich die beiden Organisationen zusammen?
Wüst: Wir arbeiten schon lange zusammen. Die Expo ist das beste und grösste Beispiel.
Weber: Da die einzelnen Gewerbetreibenden schon über Jahre hinweg im ganzen Bezirk tätig sind, ist es sinnvoll, über mögliche, machbare Zusammenschlüsse zu diskutieren. Wir arbeiten eng zusammen. Die Wirtschaft ist hier der Politik einen Schritt voraus.