JVA Lenzburg
Der Tote von Bochuz war auch in Lenzburg

Im März ereignete sich in der Anstalt Bochuz VD ein Todesfall. Ein Häftling zündete seine Matratze an und starb an einer Rauchvergiftung. Der Häftling hatte sich vorher viermal im Hochsicherheitstrakt der JVA Lenzburg aufgehalten.

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Anstalt Bochuz

Anstalt Bochuz

Keystone

In der neuesten Ausgabe berichtet die «Weltwoche» über den Todesfall, der sich im März in der Anstalt Bochuz VD ereignet hatte. Ein Häftling hatte in der Zelle seine Matratze angezündet und starb schliesslich an einer Rauchvergiftung. Gravierend dabei war der Umstand, dass der Gefangene über 90 Minuten im Rauch belassen wurde, da die Vollzugsangestellten auf die Spezialeinheit der Polizei warteten. Der gleiche Häftling, «ein Wiederholungstäter, gefährlich und untherapierbar», hatte sich vorher viermal im Hochsicherheitstrakt der JVA Lenzburg aufgehalten.

2003, so berichtet die «Weltwoche», wurde besagter Häftling in einem Dokumentarfilm über die Strafanstalt Lenzburg erwähnt. Darin wird geschildert, der Häftling habe die Zelle angezündet, sich die Pulsadern aufgeschnitten, die Zelle verkotet, aber jegliche psychologische Behandlung und Medikamente verweigert.

Nach einem Zwischenfall in Bochuz – er stieg auf das Dach der Anstalt und wurde nach 48 Stunden durch die Polizei sichergestellt – musste er 2008 erneut nach Lenzburg verlegt werden. Im Herbst desselben Jahres fühlte er sich von einer Feuerwehrübung provoziert und zündete seinen Pyjama und die
Matratze an. «Innerhalb von zehn Minuten war eine gefängniseigene Spezialeinheit vor der Zelle. Sie ist ausgerüstet mit Kampfmontur und Atemschutzgeräten, ist ausgebildet in Strassenkampf und Feuerbekämpfung. Rasch war das Feuer gelöscht, und der Häftling wurde sofort aus der Zelle geholt», ist dem «Weltwoche»-Bericht weiter zu entnehmen.

Der Anstaltsdirektor Marcel Ruf bestätigt den Sachverhalt, will aber die Waadtländer Kollegen nicht kritisieren. «Auch innerhalb von zehn Minuten kann ein Häftling sterben, wenn er die Zelle anzündet, und die Vorfälle können nicht ohne weiteres verglichen werden. Der Umgang mit solch schwierig einzuschätzenden Gefangenen ist und bleibt immer eine Herausforderung im Grenzbereich zwischen Machbarem und Zumutbarem. Dies verstärkt sich in den genannten Extremsituationen nochmals um ein Beträchtliches.» (do)