Gemeinde

Der Sündenbock in der Gemeinde

Duggingen: Der Dorfsegen hängt schief: Der neue Gemeindepräsident hat bereits wieder entnervt das Handtuch geworfen. Nicole Nars-Zimmer

Duggingen

Duggingen: Der Dorfsegen hängt schief: Der neue Gemeindepräsident hat bereits wieder entnervt das Handtuch geworfen. Nicole Nars-Zimmer

Kaum hat sich die Situation in Hersberg normalisiert, zeigt der neuste Eklat in Duggingen: Gemeindepräsidenten, die einstigen Dorfkönige, nehmen heute eine oft undankbare Aufgabe wahr.

Daniel Aenishänslin

Früher war man noch jemand, wenn man das Amt des Gemeindepräsidenten übernahm. Inzwischen hat sich einiges geändert. Manche Gemeinden haben grosse Mühe, genügend Mitglieder für ihre Exekutive zu rekrutieren. Manchen gelingt dies - zumindest vorübergehend - gar nicht wie zum Beispiel in Hersberg. Offenbar scheuen einige den Gegenwind, den dieses Amt heute verspricht. Dieser Wind kann bisweilen sehr stürmisch sein, wie der jüngste Eklat in Duggingen zeigt.

In Hersberg setzte die Baselbieter Regierung alt Regierungsrat Erich Straumann ein, der die Gemeinde rund ein Jahr zwangsverwaltete, bis der dreiköpfige Gemeinderat wieder Tatsache wurde. Hemmiken muss die Exekutive von fünf auf drei Köpfe verkleinern. Wie das Beispiel Duggingen zeigt, wo Gemeindepräsident René Hardmeier kapitulierte, kann einem das Amt durchaus an die Nieren gehen: «Ich möchte nicht mit Dreck werfen, aber in Duggingen gibt es Kreise, welche die Arbeit des Gemeinderats behindern», sagt Hardmeier in der gestrigen bz. Von ähnlichen Kreisen könnten auch weitere Dörfer berichten.

Känerkindens Gemeindepräsidentin Christine Bürgin sagt: «Man benötigt einen breiten Rücken.» Trotzdem fühle sie sich nicht als Buhmann: «Aber wie vor 30 Jahren ist es nicht mehr. Das mit dem Dorfkönig ist Geschichte». Auch sie ist gewohnt, an der Urne nicht die meisten Stimmen zu sammeln. Verhältnisse wie in Duggingen herrschten in Känerkinden aber keine, betont sie. «Nein, auch bei uns ist das nicht der Fall», sagt Roggenburgs Gemeindepräsident Heinz Rokweiler. Allerdings könne er nicht ausschliessen, «dass sich das dereinst ändern kann».

Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten «sollten Angriffe aus der Bevölkerung nicht persönlich nehmen», beschwichtigt Christine Bürgin. Das sei nicht immer einfach, meint ein Gemeindepräsident aus dem unteren Baselbiet, der nicht namentlich genannt werden möchte: «Ich vertrete die Anliegen der Gemeinde. Dass ich es nicht allen recht machen kann, verstehe ich. Dass ich dadurch aber gelegentlich Anfeindungen ausgesetzt bin, nicht. Oft sind es dieselben Personen, die an allem rummäkeln.»

Gewohnter Denkzettel an der Urne

Keine Scheu, ein heisses Eisen anzufassen, zeigt Rümlingens Gemeindepräsident Edi Berger: «Mein Vorgänger Hans-Peter Wullschleger hat mir gesagt, so werde es auch meinem Nachfolger gehen. Gemeint sei der Denkzettel an der Urne, wo der Gemeindepräsident in kleinen Gemeinden gewöhnlich ein schlechtes oder, wie Berger, gar das schlechteste Resultat erzielt.

«Positives wird meist nicht regis-triert», führt Berger aus, «dagegen bleibt alles an einem haften, das jemandem nicht passt.» Den Wähler entgehe oft, dass es nicht der Gemeindepräsident sei, der etwas beschliesse, sondern der Gesamtgemeinderat. Letzterer handle vor dem Hintergrund der Gesetze und könne nicht einfach einem persönlichen Gefühl nachgeben.

«Wer dünnhäutig ist, ist entweder am falschen Platz», sagt Edi Berger, «oder er wird sich mit der Zeit eben eine dickere Haut zulegen müssen.» An einen sofortigen Rücktritt, wie das in Duggingen René Hardmeier vorgemacht hat, denke er nicht: «Das Amt des Gemeindepräsidenten ist ein interessantes Stück Lebenserfahrung.»

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