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Der Sturm aufs Kunsthaus

Jubilaeum Aargauer Kunsthaus Aarau und Kunstverein, Aarau 20. und 21. August 2010.

Der Sturm aufs Kunsthaus

Jubilaeum Aargauer Kunsthaus Aarau und Kunstverein, Aarau 20. und 21. August 2010.

Zu einem Jubiläumsfest gehören Reden und Apéros, Essen und Musik – und beim dreifachen Geburtstag im Aargauer Kunsthaus auch viel Kunst. Das Publikum kam in Scharen.

Sabine Altorfer

Sehr zufrieden, glücklich und müde ziehen Kunsthausdirektorin Madeleine Schuppli und ihr Stellvertreter Stephan Kunz am Sonntagnachmittag Bilanz. «Wir hatte 3500 Besucherinnen und Besucher, das finde ich super», so Schuppli.

Das Jubiläum, der Gratiseintritt und die über alle drei Festtage verteilten Veranstaltungen erwiesen sich als der richtige Mix. «Auffällig war das grosse Interesse der Besucherinnen und Besucher an den Ausstellungen», sagt Kunz, «das Fest war eigentlich das Surplus». Und Schuppli ergänzt: «Uns freut, dass so unterschiedliche Leute kamen, die Offiziellen und Kunstinteressierten am Freitag, die Leute aus der Region am Samstag und Sonntag.»

Das Kunsthaus ist gross, doch ohne die Bar auf dem Dach und ohne das Zelt im Rathausgarten wäre das Jubiläumsfest für 150 Jahre Kunstverein, 50 Jahre Kunsthaus und 15 Jahre Kunstvermittlung nicht möglich gewesen.

Das zeigte der Freitagabend, als es an der Preview für geladene Gäste und nach der Vernissage im Foyer des Kunsthauses kein Durchkommen mehr gab. Auch in den Ausstellungen herrschte viel Betrieb, «eine Herausforderung», wie eine Aufsichtsmitarbeiterin sagte. Im Zelt war der Ansturm aufs Essen riesig.

Die Kummerbuben und das Late-Night-Konzert hielten die Besucher bis lange nach Mitternacht im stimmungsvollen Zelt im Rathausgarten. Auch am Samstagabend lockten die Konzerte, je später der Abend wurde, desto mehr Publikum an. Nicht unbedingt Kunsthausgänger, sondern viele jüngere Leute. «Aber wer weiss, vielleicht kommen sie ja wieder», meint Stephan Kunz.

Schauen und feiern

Wer geht bei diesem strahlenden Sommerwetter ins Museum, fragte sich die Berichterstatterin, als sie am Samstagmorgen im Zug nach Aarau viele Wanderer und Ausflügler sah. Kommen nach dem Ansturm am Freitagabend an zwei weiteren vollen Tagen noch genügend Leute?

Die Frage war überflüssig: Auf dem Dach des Kunsthauses drängten sich bereits am Samstagmorgen wieder die Menschen. Die Stadt Aarau hatte zum Kultur-Apéro geladen – stolz, Standortgemeinde des Aargauer Kunsthauses zu sein, wie Stadtrat Carlo Mettauer erklärte. Die Stadt hatte den Worten auch Taten vorausgeschickt und dem Kunsthaus zum dreifachen Jubiläum das Geld für das Fest spendiert.

Am Mittag wurde es auf dem Dach ruhiger, die Mitglieder des Künstlerverbandes Visarte Aargau, die am Samstag die Bar führten, hatten Zeit für Gespräche. Ihre Buchvernissage war später der Magnet für die Aargauer Künstlerinnen und Künstler. Und die Vernissage für das Jubiläumsbuch der Kunstvermittlung sorgte am Sonntagmorgen für einen guten Auftakt.

An beiden Tagen konnten die Leute zwischen den drei Schauplätzen flanieren und sich die Ausstellungen in Ruhe ansehen. Auch im Foyer war Platz, die Leute nahmen sich Zeit, bei einem Kaffee, in den Katalogen und Broschüren zu lesen, und/oder sie wurden von Dora Frey über den Kunstverein informiert. Sie habe neue Mitglieder gewinnen können, bestätigte sie. Trudi Stamm und ihre Kolleginnen am Empfang mussten oft Auskunft geben: «Wir merken an den Fragen, dass viele Leute das erste Mal hier sind.»

An den weissen T-Shirts mit dem grossen grünen A waren die Helfer und Helferinnen gut erkennbar, beispielsweise die Kunstvermittlerinnen, die junge Kunst-Detektive auf die Pirsch schickten oder Interessierten einen individuellen viertelstündigen Seh-Impuls vor einem Bild boten. Alle halbe Stunde versammelten sich bei der Wendeltreppe die Gruppen für eine Führung durch die beiden Jubiläumsausstellungen. Viele mussten doppelt geführt werden, erklären Kunz und Schuppli – und schwärmen vom Interesse des Publikums und von den anregenden Diskussionen.

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