«Der Spielermarkt ist nicht ausgetrocknet!»

Bereits nach drei Spielen ist klar: Beim FC Aarau muss sich punkto Transfers so schnell wie möglich etwas tun. Transfers sind auch die Leidenschaft von Angelo Semeraro. Der Spielervermittler aus Buchs AG zeigt im Gespräch mit a-z.ch/news auf, wie das FCA-Dilemma zu lösen wäre.

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Angelo Semeraro

Angelo Semeraro

Aargauer Zeitung

Wladimir Steimer

Herr Semeraro, der FC Aarau steckt schon am dritten Spieltag in einer Krise. Es fehlt an Spielermaterial. Was hat der FCA falsch gemacht in der Saisonplanung?
Semeraro: Der FC Aarau hat es schon ein wenig verpasst, in der Saisonplanung nach adäquatem Ersatz für die vielen Abgänge zu suchen. Und man darf Team-Stützen wie einen Paulo Menezes, einer der besten Rechtsverteidiger in der Super League (bei Semeraro unter Vertrag, Anm. d. Red.), nicht gehen lassen. Solche Stützen muss man unbedingt halten! Dazu kam aber natürlich die ganze Sache mit dem Trainer. Bleibt er, geht er? Es sind in der Saisonvorbereitung viele Dinge auf einmal beim FCA zusammengekommen, was offenbar die Beteiligten ein wenig unterschätzt haben.

Angelo Semeraro Der 54-Jährige aus Buchs AG war von 1985 bis 1992 Juniorentrainer beim FC Aarau und bei GC. Von 1992 bis 1998 holte er als internationaler Transferchef der Grasshoppers Stars wie Giovane Elber, Kubilay Türkilmaz, Viorel Moldovan oder Johann Vogel auf den Hardturm. 1998 machte er sich selbständig und gründete die ISMA Semeraro & Partner, eine Spielervermittlungs-Agentur. Er kümmert sich unter anderem um Spieler wie Johann Vonlanthen, Johann Vogel, Patrick Müller oder Reto Ziegler. (wst)

Angelo Semeraro Der 54-Jährige aus Buchs AG war von 1985 bis 1992 Juniorentrainer beim FC Aarau und bei GC. Von 1992 bis 1998 holte er als internationaler Transferchef der Grasshoppers Stars wie Giovane Elber, Kubilay Türkilmaz, Viorel Moldovan oder Johann Vogel auf den Hardturm. 1998 machte er sich selbständig und gründete die ISMA Semeraro & Partner, eine Spielervermittlungs-Agentur. Er kümmert sich unter anderem um Spieler wie Johann Vonlanthen, Johann Vogel, Patrick Müller oder Reto Ziegler. (wst)

Pressedienst

Jetzt hat man aber mit Christian Boss einen namhaften Spieler-Scout vom FC Basel geholt. Kann er denn keine Abhilfe schaffen?
Semeraro: Ach nein, Christian Boss kann auch nicht von heute auf morgen alles verändern.

Sie haben eine Spielervermittlungs-Agentur und waren auch schon beim FC Aarau als Juniorentrainer tätig. Hat der FCA Sie in letzter Zeit einmal kontaktiert und um Hilfe gebeten?
Semeraro: Nein, wenn man nicht miteinander spricht, kann man auch nicht helfen. Ich kenne ja Sportchef Fritz Hächler gut, er kommt wie ich auch aus Buchs. Aber wir haben nicht über FC-Aarau-Transfers gesprochen. Ich habe ihm auch keine Spieler angeboten.

Es scheint für den FC Aarau unendlich schwierig zu sein, qualitativ gute Spieler zu verpflichten. Wenn man sieht, dass ein Thomas Häberli lieber die Karriere beendet oder ein Julian Esteban lieber in die Challenge League zu Servette wechselt, als zum FCA. Woran könnte das liegen?
Semeraro: Dafür gibt es bestimmt verschiedene Gründe. Zum einen natürlich der finanzielle Aspekt. Dass der FC Aarau finanziell nicht rosig dasteht, ist ja bekannt. Dazu kommen aber auch strukturelle Aspekte, wie das Stadion, oder das Mannschaftsgefüge. Momentan sieht man als objektiver Beobachter einfach keine Stabilität in der Mannschaft. Ein Spieler denkt bei einem Wechsel natürlich auch an sein Image.

Immer wieder ist auch zu hören, dass der Spielermarkt momentan ziemlich ausgetrocknet sei. Können Sie das bestätigen?
Semeraro: Nein. Der Spielermarkt ist sicherlich nicht ausgetrocknet! Ich war soeben mehrere Monate in Südamerika und dort ist bekanntlich einiges an Spielermaterial vorhanden. Man muss einfach wissen, was man will. Es braucht gute Kenntnisse vom Fussball um die Möglichkeiten - auch mit geringen finanziellen Mitteln - auszuschöpfen. Wenn man zum Beispiel nur mal nach Chile schaut. Dort wimmelts von Talenten!

Jetzt fehlen dem FC Aarau mindestens drei Spieler. Es muss ein Stürmer von Qualität her. Was raten Sie dem FC Aarau?
Semeraro: Das ist natürlich immer schwierig zu sagen. Die beste Variante für den FC Aarau ist aber ganz klar, sich aufmerksam auf den Schweizer Markt zu konzentrieren. Bei den Grossen, Basel, FCZ, GC oder YB einen Spieler auszuleihen, der momentan nicht in der Startformation spielt, wäre die beste, schnellste und einfachste Lösung. Spontan fällt mir der Name Samel Sabanovic (Stürmer bei GC, Anm. d. Red.) ein. Auch sehr interessant wäre der rumänische Spieler Adrian Pit, der zusammen mit Christian Ianu bei Bellinzona für Furore gesorgt hatte und nun bei der AS Roma auf dem Abstellgleis steht.

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