Fasnacht
Der Sommerschlaf ist vorbei

Die Fasnachtsszene aus der ganzen Schweiz traf sich am Samstag in der Marktgasse zum Langenthaler Fasnachtsmarkt. 165 Cliquen, Guggen und Firmen verhökerten dabei ihre alten Kostüme, Instrumente oder neuen Masken.

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Fasnachtsmarkt

Fasnachtsmarkt

von Karin Iseli-Trösch (Text)
und Hanspeter Bärtschi (Bilder)

Es ist kalt und nass an diesem Samstag. Genau das richtige Wetter, um in Langenthal die fünfte Jahreszeit - die Zeit der Narren - mit Pauken und Trompeten willkommen zu heissen. Und da soll noch jemand sagen, die Berner seien langsam! Während in den meisten anderen Ortschaften der Schweiz die Fasnächtler noch im Sommerschlaf sind, muss in Langenthal nicht mehr länger auf das bunte Treiben gewartet werden.

Unter dem Motto «Guggenpower» trifft sich die Fasnachtsszene aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden Ausland in der Marktgasse. Während die Guggenmusik Chlepf-Schitter aus Bleienbach sich gegenüber dem Choufhüsi positioniert hat und mit sommerlich anmutenden Klängen die Passanten zum fröhlichen Mitpfeifen ani-miert, stehen einige Mitglieder der ortsansässigen Gruppe Pflotschdäppeler in den Zuschauerreihen und reiben sich die kalten Hände.

Einige Pflotschdäppeler haben ein Schild an ihrem grasgrünen Kostüm angebracht. In grossen Buchstaben steht darauf: «Zu verkaufen!». Und spätestens jetzt wird klar, worum es an diesem Samstag eigentlich geht: Es ist Fasnachtsmarkt. 165 Cliquen, Guggen und Firmen wollen ihre alten Kostüme, gebrauchten Instrumente oder neuen

Masken verhökern. 150 Franken kostet eines der Pflotschdäppeler-Kostüme. 37 Stück sind zu haben: «Eigentlich möchten wir am liebsten all unsere Kostüme aufs Mal verkaufen», erzählt Pflotschdäppelerin Erika Jegen aus Thunstetten. In stundenlanger Arbeit sei jedes der Kostüme selbst genäht worden. Ihr

persönlich helfe jeweils ihre Schwester bei den Näharbeiten. «Wir wechseln unsere Verkleidung jedes Jahr. Bis jetzt hatten wir jeweils das Glück, dass wir unsere alten Kostüme immer verkaufen konnten.» Auf die Frage, welches Kostüm die Pflotschdäppeler an der Fasnacht 2010 tragen werden, meint Erika Jegen schmunzelnd, das werde nicht im Voraus verraten.

Auf dem Markt ist eineinhalb Stunden nach der Eröffnung an ein Durchkommen ohne Einsatz der Ellbogen kaum mehr zu denken. Die Düfte, welche durch die Marktgasse wehen, sind ebenso vielseitig wie das Angebot an Kostümen und Musikinstrumenten. Es riecht nach Knoblauchbrot, Käseschnitte, frischen Laugenbrezeln, Holdrio und Bier.

Um die alkoholhaltigen Getränke stilecht zu sich nehmen zu können, bieten Standbesitzer Trinkhörner, Saufmaschinen und Trinkhelme an. Nicht um Hochprozentiges geht es einem Narrenfan aus dem St. Galler Rheintal. Er erwirbt an einem der Stände eine Pauke. Gerade mal 20 Franken will der alte Besitzer dafür. «Ich kaufe diese Pauke für meinen Sohn, der in einer Gugge spielt. Er weiss noch nichts von seinem Glück. Bestimmt wird er sich aber freuen - die Pauke, die er jetzt hat, ist schliesslich nicht mehr die jüngste.»

Die weite Reise nach Langenthal habe sich durchaus gelohnt. Nicht nur wegen dem einen oder anderen Schnäppchen, sondern vor allem auch, um «Ideen für die eigene Guggenmusik zu sammeln».

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