Zoll
Der Schmuggel von Bargeld ist klar Spitzenreiter

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht auch im Raum Hochrhein-Fricktal versucht wird, Bargeld illegal aus der Schweiz in die EU zu schaffen. Vom gefälschten Euro-Check bis hin zum Spielbankgewinn liegt dabei alles drin.

Drucken
Teilen
Zoll Stein-Säckingen

Zoll Stein-Säckingen

Werner Hostettler

Nach dem AZ-Bericht vom 8. März 2010 über die Schmuggeltätigkeit im Raum Hochrhein-Nordwestschweiz stellten sich zahlreiche Leser die Frage, ob denn nur allein Richtung Schweiz und nicht auch aus dieser heraus versucht werde, illegal Waren über die Grenze zu schaffen. Die Antwort ist klar: Den Schmuggel-Einbahnverkehr gibt es nicht. Im Klartext: Kaum ein Tag, an dem sich die deutschen Zollbeamten gerade auch im erweiterten Raum Hochrhein nicht mit einem oder gleich mehreren Fällen von versuchtem Bargeldschmuggel unter dem Motto «Schnell raus aus der Schweiz» zu befassen haben. Die aufgedeckten Fälle der letzten Zeit bestätigen zudem: Der versuchte Schmuggel von Bargeld steht nach wie vor klar an der Spitze.

Aus der Vielzahl der wohl versuchten, aber von den Zollprofis entdeckten Fällen hat die AZ eine Handvoll Rosinen herausgepickt.

Gefälschter Euro-Check

Einen speziellen Fall von «Big Business» deckten deutsche Zollbeamte vor einigen Tagen an einem Grenzübergang im Raum Hochrhein auf, wie Pressesprecher Robert Helfrich vom Hauptzollamt Singen bestätigt: «Im Rahmen der Durchsicht eines aus der Schweiz kommenden Pw fanden unsere Beamten in der Aktentasche eines 49-jährigen ukrainischen Geschäftsmannes einen von einer namhaften Schweizer Bank ausgestellten Check mit einem Nennwert von 125 Millionen Euro.»

Checks solcher Grössenordnung erweisen sich nach eingehender Überprüfung nicht selten als Fälschungen, was sich nachträglich auch tatsächlich herausstellte. Da nützte dem Ukrainer das von ihm vorgelegte «Beglaubigungsschreiben» der Bank wenig.

Im Landkreis Waldshut blieben ebenfalls vor wenigen Tagen zwei aus der Schweiz kommende Schwestern im ausgelegten Netz der deutschen Zollbeamten hängen. Diese deckten den von den beiden Damen versuchten Schmuggel von 54 000 Schweizer Franken auf.
Den gesamten Betrag hatte eine der beiden Schwestern, eine 35-jährige iranische Speditionskauffrau mit Wohnsitz in der Schweiz, in ihrer Handtasche versteckt.

Wie gewonnen, so zerronnen

Pressesprecher Robert Helfrich: «Da die Frau im Rahmen der Vernehmung sehr widersprüchliche Aussagen bezüglich der Herkunft des Geldes machte, wurde das gesamte Bargeld durch unsere Beamten sichergestellt. Doch selbst im Falle einer Rückzahlung des Geldes werden als Sicherheit für eine zu erwartende Geldbusse knapp 4000 Euro zurückbehalten.»

Ein 53-jähriger Niederländer mit Wohnsitz in der Schweiz wurde am Zollamt Rheinfelden-Autobahn erwischt; er hatte Geldbündel mit Euros und Franken im Wert von 20 000 Euro bei sich. Auch gegen ihn wurde ein Bussgeldverfahren eingeleitet, nach Erhebung einer Sicherheit von knapp 1800 Euro konnte er seine Fahrt mit dem restlichen Geld fortsetzen. Frei nach dem Motto «Wie gewonnen, so zerronnen» wurde ein 32-jähriger serbischer Manager erwischt, in dessen Pw die Zollbeamten 160000 Franken und knapp 13 500 Euro ans Tageslicht beförderten. «Wie sich anhand eines vorgefundenen Beleges nachweisen liess, hatte der Serbe die 160 000 Schweizer Franken wenige Tage zuvor in einem Schweizer Spielcasino gewonnen, sagt Helferich. Gegen den Manager wurde ein Busgeldverfahren eingeleitet, nach Hinterlegen einer Strafsicherheit für die zu erwartende Geldbusse in Höhe von 10 700 Euro konnte der Mann seine Heimreise in Richtung Serbien fortsetzen.

30 500 Euro vom Geschäftskonto

Einen weiteren versuchten Bargeldschmuggel deckten Beamte wenige Tage zuvor ebenfalls im Raum Hochrhein auf. Zwei Männer, ein 62-jähriger Österreicher und ein 40-jähriger tschechischer Staatsbürger, wollten 7 Millionen Tschechische Kronen (gut 230 000 Euro) aus der Schweiz herausschmuggeln.

Ebenfalls vor wenigen Tagen erklärten am Grenzübergang Stein-Säckingen vier kosovarische Staatsangehörige, weder Waren noch sonstige Werte mit sich zu führen. Doch die deutschen Zollbeamten liessen nicht locker und förderten in der persönlichen Habe des 46-jährigen Bruders des Fahrers knapp 30 500 Euro zutage. Da half dem guten Mann auch der von ihm vorgelegte Beleg nichts mehr, der als Beweis dafür dienen sollte, dass er das Geld von seinem eigenen Geschäftskonto in der Schweiz abgehoben hatte.

Aktuelle Nachrichten