Der Rosenkrieg von Bümpliz

Beim Schloss Bümpliz gibts einen Garten so schön wie das Paradies. Doch die Bümplizer sehen es in Gefahr. ProSpecieRara will alte Pflanzen anbauen.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Am Abend des 8. Juni fällte die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) in ihrem Zentrum im Tscharnergut einen Entscheid. Mit zwölf zu fünf Stimmen lehnte die Kommission die Umgestaltung des Rosengartens beim Schloss Bümpliz ab. «Der heutige Zustand soll belassen werden», so steht es im Sitzungsprotokoll.

«Es ist ja wirklich ein wunderschöner Garten», sagt Nathalie Herren. Sie ist die Geschäftsführerin der QBB, die die Interessen der Quartierbevölkerung gegenüber der Stadt vertritt. Sie ist selbst ein bisschen verwundert über die Reaktionen, die die Pläne der Stadt und von ProSpecieRara in Bümpliz ausgelöst haben. Nun sind alle verwundert, allen voran Béla Bartha, Geschäftsführer von ProSpecieRara.

Wie in früheren Zeiten

Die Stiftung, die sich für die Vielfalt von Nutztieren und Pflanzen einsetzt, will aus dem Schlossgarten in Bümpliz einen «Potager» machen. Die Anlage soll, so sieht der Plan aus, wieder so aussehen, wie es im 18. und 19. Jahrhundert bei Berner Landsitzen üblich war. Alte Zierpflanzen und Ziergemüse sollen den «Potager» schmücken. Die historische Gartenform beim Bümplizer Schloss gebe es in der Region sonst kaum noch, teilte die Stadt Bern diese Woche mit. Mit wenig Aufwand lasse sich hier das «historische Ambiente» wieder aufbauen.

«Wir wollen die Strukturen mit Inhalten füllen», sagt Bartha. Die Rabatten würden vergrössert, und in der Mitte, dort wo jetzt Rasen liegt, werde Gemüse gepflanzt. «Der Anteil der Zierpflanzen wird vergrössert», sagt Bartha, und vor allem: «Natürlich wollen wir die Rosen erhalten.» Um die Rosen macht sich Bümpliz am meisten Sorgen.

Bümplizer Widerstand

Im Schloss befindet sich das Zivilstandsamt, und so dient der Garten vielen Paaren als hübscher Fotohintergrund. «Er wird oft von Leuten benutzt, die hier heiraten», sagt Herren. Es gibt ein paar Sitzbänke und Fusswege, er ist geschützt und ruhig, und so könne man hier gut verweilen. Das, sagt Herren, dürfe sich nicht ändern.

Einen ganzen Forderungskatalog hat Thomas Fuchs, Grossrat und Präsident der SVP Bümpliz sowie des «Bunds der Steuerzahler», zusammengestellt: Transparenz über die Kosten, Informationen über die Zuständigkeiten, ein ordentliches Kreditverfahren. Er freut sich, dass 2100 Unterschriften gesammelt wurden gegen den «Potager», den er einen «historischen Gemüsegarten» nennt. Die vielfältigen Rosenkulturen, fordert Fuchs, müssen erhalten bleiben. Denn der Garten soll weiterhin der «ruhige und romantische Ort» bleiben, der er ist, schrieb QBB-Präsident Bernardo Albisetti in einem Brief an Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP), von Amtes wegen Präsidentin der Betriebskommission des Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik, der Grundeigentümerin.

Erste Arbeiten schon vollbracht

Der grosse Widerstand erstaunt Bartha. «Wenn schon, hätte ich eher Opposition von der Stadtgärtnerei erwartet.» Denn die Gärtner hätten künftig ein bisschen mehr zu tun als bis anhin. «Doch sie freuen sich auf diese Herausforderung.»

«Es gibt nichts Vergleichbares», sagt der Berner Stadtgärtner Christoph Schärer. Und weil der Garten im Besitz der Öffentlichkeit ist, gibt es für ihn keinen Grund, auf die «Rückführung in eine alte Zeit» zu verzichten. «Wir haben hier in Bern die Gelegenheit, etwas Spezielles von nationaler Bedeutung zu gestalten.» Erste Arbeiten sind längst gemacht worden, schon im Frühling vor einem Jahr wurden alte Kirschbaumsorten gepflanzt. «Die Umgestaltung war von Anfang an vorgesehen», schrieb die Stadt. Der Masterplan zur Restaurierung bestehe schon seit 2007.

«Der Garten kann weiterhin von der Öffentlichkeit genutzt werden», sagt Schärer. Zukünftig habe sie gar noch mehr davon. Die Blütezeit der Pflanzen werde länger dauern. Und die Sitzbänke bleiben auch.

Falsche Informationen

«Es gab gewisse Fehlinformationen», sagt der Stadtgärtner. Darum will nun die Stadt am nächsten Mittwoch die Bevölkerung informieren. Thomas Fuchs begrüsst das. Er und die Bümplizerinnen und Bümplizer wünschten nun Klarheit über das Projekt. «Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht.» Auch für Nathalie Herren ist es vor allem eine «Frage des Wissens». Doch als sich in der QBB Widerstand offenbarte, sei das von der Stadt leider überhört worden. «Sie haben das wohl unterschätzt.»

Und so kam es, dass es in Bümpliz plötzlich «Rüebli statt Rosen» hiess. Klingt zwar knackig, aber es sei falsch, sagt Béla Bartha. Das Gemüse werde da gepflanzt, wo heute Rasen wächst. Und wenns nach ihm geht, können auch die Rosenbögen bleiben.

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