Der rappende Koch

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Der 20-jährige Mario Blaser hat seine erste CD veröffentlicht. Weil das Kochen sein Beruf, der Rap sein Hobby bleiben soll, wird das Erstlingswerk verschenkt und nicht verkauft.

Walter Ryser

Er stammt aus Matzendorf, wohnt nun in Langenthal und hat seine erste CD («Mis Mic») mit 16 Rapnummern veröffentlicht. Das grosse Geschäft wittert er aber nicht:

Im Gegenteil, für Blaser ist klar, dass Koch sein Beruf und der Rap sein Hobby bleiben wird, weshalb er seine erste CD verschenkt. «Die Leute sollen einfach nur Freude an der Musik haben, und die Lieder sollen sie berühren.»

Zum Rap kam Mario Blaser, der mittlerweile mit seinen Eltern in Langenthal wohnt, auf Umwegen. Begonnen hat alles im Kindergarten, als der kleine Mario auf den Holzklötzen jeweils den Takt klopfte.

«Die Kindergärtnerin hat schon damals gesagt, dass es aus mir einmal einen singenden Koch geben wird», erinnert sich Mario Blaser. Koch als Beruf war damals naheliegend, führten doch seine Eltern in Matzendorf das Restaurant Sternen.

Grossvater half nach

Hier hatte er auch seine ersten Auftritte. Praktisch jeden Sonntag spielte er vor Publikum, bei Banketten, Festen und Privatanlässen. «Wegen meiner grossen Nervosität hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dass ich so etwas einmal machen würde, schon gar nicht auf einem Akkordeon», so Mario Blaser.

Gemacht hat er es trotzdem. «Schuld» daran ist sein Grossvater, der ihn zum Akkordeonspielen und den Auftritten im Restaurant überredete. Bereut habe er es nicht. Er konnte Erfahrungen sammeln und die Nervosität abbauen. Mario Blaser ist überzeugt, dass sein Grossvater heute sehr stolz auf ihn wäre.

Die ersten musikalischen Schritte prägten ihn. Er habe gespürt, dass die Musik zu seinem Leben gehöre. Vom Rap war er aber immer noch meilenweit entfernt. «Dieser Musikstil hatte mich nie interessiert», sagt Mario Blaser. Bis zu jenem Zeitpunkt, als ihm eine Kollegin ein Rap-Lied zukommen liess.

«Das gefiel mir, es tönte nicht schlecht», erinnert er sich. Blaser begann sich für Rap zu interessieren, «zog» sich «Stress» und «Bligg» rein, und plötzlich hatte er das Gefühl, «dass ich das auch versuchen möchte».

Rap war Therapie für ihn

Er sei fasziniert gewesen, was man mit Sprechgesang alles ausdrücken könne. Seine Musik wurde von einem schweren Schicksalsschlag beeinflusst. Seine Freundin starb an den Folgen einer Lungen-Transplantation.

In seinen Liedern habe er all das Leid, die Trauer und den Schmerz ausdrücken können. Der Rap war Therapie, Ablenkung und Verarbeitung zugleich. «Musik ist Medizin für meine Seele», sagt er dazu. Aber nicht nur für ihn. Seine Lieder gefielen, und die Kollegen ermunterten ihn, weiterzumachen.

Auf dem Internet-Musikportal www.mx3.ch veröffentlichte er unter seinem Künstlernamen «Mar'Yo» seine Stücke, die zu seinem grossen Erstaunen oft gehört und auch zahlreich heruntergeladen werden.

Traum von einer weiteren CD

Weil sich die Anfragen nach seinen Liedern häuften, begann Mario Blaser an den Texten zu feilen, suchte Ideen und schrieb fast jede freie Minute neue Lieder. Entstanden sind 16 Stücke, einige davon mit dem Langenthaler Christian Luzycki, die auf seiner ersten CD «Mis Mic» zu hören sind. Gratis, vorerst zumindest.

Sollte die Nachfrage weiter anhalten, könne er sich vorstellen, eine nächste CD zu verkaufen, «aber nur um die Produktionskosten zu decken», relativiert er. Bezahlen soll man ihn auch in Zukunft in erster Linie für seine Kochkünste.

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