Caritas

Der Politik Beine machen

Die Zürcher Caritas fordert vom Regierungsrat eine Strategie zur Bekämpfung der Armut.

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Die Zürcher Caritas fordert vom Regierungsrat eine Strategie zur Bekämpfung der Armut.

Armut muss nicht sein – unter diesem Motto will die Caritas die Bekämpfung der Armut politisch voranzubringen. Vom Regierungsrat verlangt sie eine entsprechende Strategie und die Einrichtung einer Koordinationsstelle für Armutsfragen.

Alfred Borter

Die Caritas Zürich hat von Rahel Fischer und Sarah Müller einen Bericht zur Armutsbekämpfung in Zürich ausarbeiten lassen. Die Frage hiess: Versagt die Politik? Die Antwort lautet nach einer ausführlichen Analyse der letzten dreissig Jahre und Interviews mit Politikern und Armutsbetroffenen: Ja, es braucht eine neue Strategie.

Ein wachsendes Problem

Eine neue Strategie ist umso wichtiger, als die von den Autorinnen der Studie befragten Personen der Meinung sind, dass die Armut in Zukunft ein wachsendes Problem sein wird. Sie rechnen zuerst mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit und später mit einer steigenden Zahl von Sozialhilfeempfängern. Urs Lauffer, langjähriger Vizepräsident der Sozialbehörde der Stadt Zürich und Co-Präsident der Sozialkonferenz Kanton Zürich, machte gegenüber den Autorinnen die Aussage: «Für jene Menschen, die heute schon von Armut betroffen sind, hat die schlechte Wirtschaftslage besonders verheerende Konsequenzen.»

Man müsse sicher danach trachten, dass möglichst wenige Personen aus dem Arbeitsmarkt herausfallen, damit die Zahl armer Menschen möglichst wenig zunehme. Die Armutsbekämpfung selber aber steht nach seiner Meinung «auf verlorenem Posten».

Kanton soll handeln

Nach Meinung der Autorinnen, die vom Direktor von Caritas Zürich, Max Elmiger, uneingeschränkt geteilt wird, braucht es im Kanton eine umfassende Armutspolitik. Die Sozialhilfe müsse koordiniert werden mit Arbeitspolitik, Gesundheitspolitik, Bildungspolitik usw. Dazu müsse die Regierung eine entsprechende Koordinationsstelle einrichten.

Ausserdem setzt die Caritas erneut auf Ergänzungsleistungen für von Armut betroffene Menschen. Mit der AHV sei es gelungen, die Altersarmut zu bekämpfen, mit Ergänzungsleistungen könne man etwas Entscheidendes gegen die Familienarmut tun. Dass genau diese Forderung im Kanton Zürich vom Volk im Juni 2007 wuchtig verworfen worden ist, ist für die Caritas kein Hinderungsgrund: Die 1985 vom Volk abgelehnte Initiative der Progressiven Organisationen für die Ermässigung der Krankenkassenprämien sei ja heute trotzdem umgesetzt.

Gute Ideen brauchten eben manchmal etwas länger, bis sie Wirklichkeit würden, hiess es gestern. Zuversichtlich stimme, dass im Kanton Solothurn Ergänzungsleistungen für armutsbetroffene Familien vom Volk im letzten Mai gutgeheissen worden seien. Enttäuschend war es für Caritas aber, dass eine von ihr einberufene Konferenz zur Armutsproblematik mangels Interesse abgesagt werden musste.

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