Adrian Hunziker

Das Schlusswort gibt der Schiedsrichter gleich selber – ohne Aufforderung. «Alles Positive, was ich in meiner Karriere erreicht habe, verdanke ich meiner Frau», sagt Ercole Peca. Seine Frau Maria strahlt auf dem heimischen Sofa neben ihrem Mann, sichtlich stolz. Sie erwidert: «Das Schiedsrichtersein hat meinen Mann im Positiven beeinflusst. Früher war er sehr temperamentvoll, das hat sich gelegt. Wenn man viel gibt, kommt auch viel zurück.» Die beiden sind sich einig, dass die Familie hinter einem Schiedsrichter stehen muss, dass der Unparteiische Unterstützung von seinen Liebsten braucht, damit er sein Bestes geben kann.

Und Peca ist der Beste: Ende Februar bekam er bei einer Gala den Preis für den Aargauer Schiedsrichter des Jahres. «Ich bin sehr stolz darauf. Der Award kam sehr unerwartet und ich freue mich ausserordentlich», berichtet Peca. Überrascht war er, denn er wusste gar nicht, dass es eine solche Wahl gab. Erst einen Tag vor der Gala erfuhr der 55-Jährige von seinem Erfolg. Eigentlich wollte Peca seine Teilnahme an der Gala absagen, denn seine Frau und er selber waren krank. Doch ein Anruf einen Tag zuvor überzeugte den Schiedsrichter. Als Preis wurde ihm eine Urkunde, eine Flasche Wein und ein Blumenstrauss für seine Frau überreicht.

Als 12-Jähriger begann Peca Fussball zu spielen. Er spielte, bis er 33 war. Dann kam die Verletzung. Peca riss sich das Kreuzband. Die Fussballkarriere war vorbei, doch die Schiedsrichterlaufbahn begann erst. «In meiner 22-jährigen Karriere musste ich nur 2 rote Karten verteilen. Von Horrorszenarien mit Schlägereien auf und neben dem Platz habe ich schon gehört. Bei mir gab es so etwas aber noch nie», erklärt der Schiri des FC Brugg. Und wenn der Schiedsrichter Peca das so sagt, dann glaubt man ihm das auch.

Der Italiener, der seit 1962 in der Schweiz lebt, hat nie Probleme, sich für ein Spiel zu motivieren. Wenn er seinen Match im Internet aufgelistet sieht, ist das Motivation genug für ihn. Das Ziel des Schiedsrichters ist es, jedes Spiel problemlos über die Runde zu bringen. «Beide Mannschaften sollen mit mir zufrieden sein und der Trainer sowie die Spieler sollen vor dem Spiel sagen: ‹Gut, der Peca ist da.› und nach dem Match: ‹Der Schiri war nicht schuld, er hat alles richtig gemacht.› Wenn das passiert und alle gesund wieder nach Hause gehen, dann habe ich einen guten Job gemacht», erklärt Peca seine Aufgabe.

Nur eine Verletzung würde Peca von seinem Hobby abhalten. Doch der 55-jährige Schiri hat sich bisher nie gross verletzt. Ein paar Zerrungen gab es immer mal wieder, aber seit seinem Kreuzbandriss als Fussballer ist Peca verschont geblieben.

Der Automechaniker pfeift heute in der 3. Liga und ist in der 2. als Linienrichter tätig. Bis vor zwei Jahren leitete er noch 2.-Liga-Interregionalspiele – das Hoch aller Gefühle. Mit dem Erreichten ist Peca zufrieden. Aber er bereut, dass er nicht früher begann, Unparteiischer zu sein. Dann hätte er vielleicht in höheren Ligen pfeifen können. Trotzdem ist Peca immer noch ehrgeizig: «Ein Ziel ist es, mein 25-Jahr-Jubiläum als Schiedsrichter zu feiern. Denn ich habe viele schöne Momente erlebt. Wenn Spieler nach dem Match zu mir sagen, dass die Niederlage nicht meine Schuld war, dann macht mich das stolz. Ich antworte dann immer: ‹Ich war nur gut, weil ihr auch gut wart.›»

Natürlich gab es auch weniger schöne Momente auf dem Platz. Aber diese sind stark in der Unterzahl. Wenn so etwas passiert, redet er zu Hause mit seiner Frau darüber. Aber am nächsten Tag ist dies wieder vergessen. «Das ist ja auch nur ein Hobby und nicht mein Beruf», erklärt Peca.