Schaukäserei
Der Patron und seine Ehefrau gehen, jetzt übernimmt der Sparer das Zepter

Fritz und Annemarie Jakob haben die Emmentaler Schaukäserei in Affoltern von der Wiege bis heute begleitet und geprägt. Sie arbeiteten nicht nur, sondern lebten in der «Käsi». Nun haben Fritz und Annemarie Jakob die Schlüssel ihrem Nachfolger übergeben. Er soll die gute Arbeit weiterführen, jedoch ohne Defizit.

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Schaukäsi

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Schweiz am Sonntag

Von Thaïs In der Smitten

Der abtretende Geschäftsführer Fritz Jakob und Ehefrau Annemarie werden zum Fototermin gebeten. Fritz Jakob hat auch gleich zwei Vorschläge für die Fotografin. «Hier vor dem Eingang zum Käseladen oder dann beim Emmentalerschild auf dem ‹Auf Wiedersehen› steht.» Selbstbewusst und gelassen posiert er vor der Kamera. Seine Frau Annemarie fühlt sich sichtlich weniger wohl. Während ihr Mann wortreich Auskunft gibt, steht sie daneben und hört zu.

Die beiden haben als Ehepaar die Emmentaler Schaukäserei in den vergangenen Jahren wesentlich geprägt und zu dem gemacht, was sie heute ist. 332 804 Besucher zog die preisgekrönte Käserei vergangenes Jahr an. Preisgekrönt ist auch der Emmentaler, der hier produziert wird.

Das Ehepaar Jakob war von Anfang an dabei. 1988 begann der diplomierte Käsermeister Fritz als Produktionsleiter der normalen Käserei. 1990 wurde die Schaukäserei eröffnet. Acht Jahre später übernahm er die Geschäftsleitung. «Wir haben mit drei Mitarbeitern angefangen. Heute sind es über hundert», wirft Annemarie Jakob ein. Sie selber sollte eigentlich nicht im Betrieb mitarbeiten. Nachdem sie ein Jahr den Käseladen geführt hatte, setzte sie ein Jahr aus.

Doch als der Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging, kehrte sie wieder hinter die Theke zurück. 15 Jahre lang stand sie um halb sechs Uhr morgens auf, um den Mitarbeitern das Frühstück zu richten, und zwar in der eigenen Wohnung oberhalb der Schaukäserei. «Wir waren wie eine Familie.» Neben ihren Aufgaben im Käseladen und später im Handwerksladen, den sie von 8.15 Uhr bis 19 Uhr betreute, pflegte Annemarie auch noch die Blumen um die Käsi.

Fritz Jakob organisierte und plante derweil, führte auch mal Gäste durch die Käserei, begleitete Journalisten, Fernsehteams aus der Schweiz, aber auch aus Dänemark und Italien beispielsweise. Die Kombination aus Käserei, Tourismus und Gastronomie bot dem heute 49-Jährigen genug Abwechslung. «Es muss immer etwas laufen», kommentiert Ehefrau Annemarie den Tatendrang ihres Ehemannes. Doch im Zentrum stand immer der Käse. «Ich liebe Käse, aber einen Lieblingskäse habe ich nicht.» Die Vielfalt sei wichtig, zum Frühstück eher etwas mildes, Nachmittags dann eine rezente Variante.

Trotz oder vielleicht wegen aller Verbundenheit mit der «Schaukäsi», die mehr war als nur ein Job, entschieden Jakobs vor einem Jahr, sich von dem Betrieb zu trennen und eine neue Herausforderung pünktlich auf den 50. Geburtstag zu suchen. Zudem forderten die langen Arbeitstage auch ihren Tribut: «Wir haben aneinander vorbeigelebt», sagt Annemarie Jakob. Nun wollen die beiden das Privatleben mehr geniessen.

Das Käser-Ehepaar ist mittlerweile nach Kilchberg umgezogen; den Schlüssel haben sie am vergangenen Montag ihrem Nachfolger Adrian Zehnder übergeben und reisen derzeit vier Wochen durch Kanada. Wieder zurück, wird Fritz Jakob bei der Käser Treuhand beraten, schulen, Verbandspflege betreiben und Vorträge halten. Annemarie Käser hat unter verschiedenen Angeboten noch nicht ausgewählt. Sie lässt sich Zeit.

Als Nachfolger hat der Verwaltungsrat mit dem Eriswiler Adrian Zehnder einen Mann mit «Budgetdisziplin» an Bord geholt. Denn, obwohl sich die Besucherzahlen von Anfang an erfreulich entwickelten, hat die Käsi seit Jahren Finanzprobleme. 2008 wurde ein Verlust von 138 000 Franken verbucht, der Betrieb hat keine Reserven, wie der ehemalige Verwaltungsratspräsident Heinrich Lindt an der diesjährigen Generalversammlung monierte.

Für den 40-Jährigen Agro-Ingenieur Zehnder ist klar: «Der Tourismus darf die Käseproduktion nicht quersubventionieren. Jeder Bereich muss alleine profitabel sein.» Eine grosse Herausforderung angesichts der Schwierigkeiten im Milchmarkt und auch der Tatsache, dass im Emmental eine Strukturbereinigung im Gang ist. Geht es nach Zehnder, soll die Schaukäserei diesen Strukturwandel nicht nur überleben, sondern noch weiterwachsen.

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