Oligarch

Der nette Oligarch von Nebenan

Goldbacherstrasse 61:  Hier wird mit der grossen Kelle angerührt

06_oligarchenvilla_fhe.jpg

Goldbacherstrasse 61: Hier wird mit der grossen Kelle angerührt

Der russische Milliardär Vasily Anisimov baut in Küsnacht eine prächtige Luxusvilla. Der massive Bau sorgt im Dorf für Unmut – aber nicht überall.

Von Lucien Scherrer

Vasily Anisimov, zieht es an die Goldküste - genauer gesagt nach Küsnacht. Dort richtet der 57-jährige Milliardär, der das Aluminium- und Immobilienimperium Coalco besitzt, mit der grossen Kelle an. Auf einem 5000 Quadratmeter grossen Grundstück an der Goldbacherstrasse 61 lässt Anisimov derzeit eine Villa mit 16 Zimmern, einer unterirdischen Wellnesslandschaft und einer Tiefgarage mit Plätzen für neun Luxuskarossen bauen.

Für Gäste ist zudem ein Haus mit acht Zimmern in Bau. Das Gelände wird rund um die Uhr von Sicherheitsleuten und Kameras überwachen. 30 Millionen, so munkelt man, soll das Ganze kosten.

Wenn einer klotzt, sind Kritiker nicht weit. So haben «Sonntags-Zeitung» und «20 Minuten» in den letzten Tagen von allgemeinem «Unmut» und brüskierten Nachbarn berichtet. Die fänden den Bau «geschmacklos». Tatsächlich ist die Retro-Villa, die aus der Feder des deutschen Stararchitekten Hans Kollhoff stammt, nicht jedermanns Sache. Mit ihren korinthischen Säulen erinnert sie an eine römische Villa, die auch in einem Asterix-Vergnügungspark stehen könnte.

Ausserdem ist die Frage aufgekommen, wie «so was» überhaupt bewilligt werden konnte. Peter Wettstein, Gemeindeschreiber von Küsnacht, verwahrt sich gegen den Vorwurf, dass man bei Milliardär Anisimov ein Auge zugedrückt habe: «Das Gesuch war baurechtskonform.» Viel Staub hat das Bewilligungsverfahren seinerzeit denn auch nicht aufgewirbelt. Nachdem der Gemeinderat die Villa im August 2006 bewilligt hatte, ging zwar ein Rekurs ein. Aber der wurde zurückgezogen, weil die Angelegenheit gutnachbarschaftlich geregelt werden konnte.

Die Geschichte «reicher Russe ärgert Dorfbewohner mit Protzvilla» greift aber zu kurz. In der Nachbarschaft trifft man nämlich durchaus auch auf Wohlgesinnte. «Wir sollten glücklich sein, dass er hier Steuern zahlt», sagt eine Anwohnerin. Dass sich einige Leute über die Villa enervieren, kann sie nicht verstehen. «Die sind doch bloss eifersüchtig.» Eine andere Nachbarin findet den Prunkbau «viel schöner als dieses moderne Zeugs».

Auch über die Anisimovs selbst haben die Befragten nur Gutes zu berichten. «Anständige Leute» seien das, die «immer grüssen», ist zu hören; ihr Hund sehe zwar gefährlich aus, sei aber ein Lieber und von Milliardärsgattin Ekaterina schwärmt eine Nachbarin: «Das ist eine einfache, freundliche Frau.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1