Haftanstalt Arxhof

Der Musterschüler der Haft-Anstalten

Idyllische Lage: Der auf einem Jurahügel gelegene Arxhof versucht, aus jugendlichen Straftätern anständige Erwachsene zu machen.

Arxhof in Niederdorf

Idyllische Lage: Der auf einem Jurahügel gelegene Arxhof versucht, aus jugendlichen Straftätern anständige Erwachsene zu machen.

Gute Noten für das Massnahmenzentrum Arxhof bei Niederdorf: Nur ein Drittel der regulären Arxhof-Abgänger wird rückfällig. Dies zählt als grosser Erfolg, sind es doch bei normalen Häftlingen und Abbrechern bis zu 80 Prozent.

Birgit Günter

Jugendliche Schläger, Gewaltverbrecher und andere böse Buben: Wer im Massnahmenzentrum Arxhof oberhalb Niederdorfs landet, hat trotz seines jugendlichen Alters meist schon eine lange Reihe von Straftaten und ein sehr verkorkstes Leben hinter sich. Innert drei bis vier Jahren sollen aus den jungen Männern zwischen 18 und 25 Jahren brauchbare Mitglieder der Gesellschaft werden.

Eine Studie hat nun den Erfolg dieser Massnahme untersucht - und stellt dem Arxhof sowie einer ähnlichen Anstalt im zürcherischen Uitikon ein gutes Zeugnis aus. Zwei Drittel all jener, die eine Massnahme durchziehen und regulär abschliessen, begehen danach kein Verbrechen mehr, erklärt Co-Autor Daniel Müller.

Massnahmen als grosser Erfolg

Das bedeutet: Nur ein Drittel wird rückfällig. Diese Zahl sei als grosser Erfolg zu werten, da Jugendliche aus Jugendgefängnissen mit bis zu 80 Prozent rückfällig würden, sagt Arxhof-Direktor Renato Rossi. Ähnlich hoch sieht die Zahl mit 55 Prozent auch aus bei jenen, welche die Arxhof-Massnahme vorzeitig abbrechen.

Konkret hat man in der Studie 443 junge Männer untersucht; 219 vom Arxhof, 224 aus Uitikon. Interessant ist bei den Resultaten auch, dass die Massnahme eher Erfolg hat, wenn der Jugendliche schon etwas älter ist. Rossi erklärt sich dies damit, dass Jüngere schwerer motivierbar sind. «Man kann auch weniger an ihre Vernunft appellieren», führt er aus.

Daniel H. als Misserfolg

Auch sonst sind dem Erfolg des Arxhofs Grenzen gesetzt. Gezeigt hat dies etwa der Fall des Daniel H., der im März die 16-jährige Lucie ermordet hatte - er war bis August letzten Jahres im Arxhof gewesen und hatte dort eine Massnahme absolviert. «Bei schweren Persönlichkeitsstörungen sind auch wir machtlos», sagt Rossi. «Wir können kein Null-Risiko garantieren.» Und bei manchen Jugendlichen bringe die Massnahme nichts, da sie schlicht nicht motivierbar dafür seien. Denn: Eine Massnahme dauert mit bis zu vier Jahren deutlich länger als eine Haftstrafe - und sie ist auch fordernder.

Nur Hälfte hält Massnahme aus

Entsprechend hoch ist die Zahl derer, welche die Massnahme abbrechen: knapp über die Hälfte schmeisst den Bettel hin.«Sie haben oft Angst vor einer Gehirnwäsche während der Massnahme oder vor den Verpflichtungen des Erwachsenenlebens», analysiert Rossi.

Die «Abbrecher» werden zum Teil in ein anderes Massnahmenzentrum verlegt. Oft kommen sie jedoch auch auf freien Fuss, da sie mit der teilweise abgestotterten Massnahme eine - im Normalfall deutlich kürzere - Haftstrafe schon längst abgesessen hätten. Nur: Rund die Hälfte von ihnen landet dann eben innert kurzer Zeit wieder im Knast. «Insofern lohnen sich die höheren Kosten für die Massnahmen auch», betont Rossi. Ein wiederholt Krimineller komme die Gesellschaft deutlich teurer zu stehen.

Generell ist der Arxhof-Direktor gegen schärfere Gesetze und Strafen: «Die bringen nichts. Die Länder mit den höchsten Strafen haben auch die höchste Zahl an Delikten.» Für ihn ist darum klar: «Der Weg der Schweiz im Umgang mit Jugendstraftätern ist der richtige.»

Röstigraben im Strafvollzug

Anzumerken ist hier, dass der Schweizer Weg eigentlich ein Deutschschweizer Weg ist: Das Welschland setzt mehr auf Gitterstäbe als Moral. Statt Massnahmenzentren werden dort Jugendgefängnisse geplant. Vergleichbare Massnahmen-Plätze gibt es nur gerade deren 6. Zum Vergleich: Der Arxhof allein bietet 46 Plätze, dazu kommen die Zentren in Uitikon (ZH) und Kalchrain (TG).

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