Bahnhof Süd
Der modernste Bahnhof

Vor 60 Jahren wurde der Bahnhof Süd in Grenchen eingeweiht. Die Stadt Grenchen beteiligte sich finanziell am Werk.

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Solothurner Zeitung

Bahnhof Nord unbemannt

Freitag, 27. November, wird der letzte Verkaufstag am Grenchner Bahnhof Nord sein. Ab 28. November ist der Bahnhof Nord unbemannt. Der kommerzielle Verkauf konzentriert sich von diesem Zeitpunkt an auf den Bahnhof Süd. Stand gestern wird das SBB-Personal beim Bahnhof Süd am 10. Dezember in die umgebauten Räumlichkeiten einziehen können. Am 16. Dezember soll, laut Bahnhofvorstand Daniel Hafner, der umgebaute Bahnhof zusammen mit dem neuen Kiosk offiziell eröffnet werden. (uby)

Rainer W. Walter

Am Montag, 7. November 1949, wurde der neue Südbahnhof eingeweiht. An diesem feierlichen Akt nahmen unter anderem SBB-Kreisdirektor Walter Wachs, der Solothurner Landammann Otto Stampfli, der Industrielle Adolf Schild und der Grenchner Stadtammann und Nationalrat Adolf Furrer teil. Es war vor allem Adolf Furrer, der sich dafür einsetzte, dass Grenchen einen besseren und vor allem architektonisch schöneren Bahnhof erhalte.

Die Pläne für den Neubau stammten von den Architekten Ramseyer und Müller. Im «Grenchner Tagblatt» vom Dienstag, 8. November 1949, wurde das Gebäude als «absolut gelungenes Werk» in ästhetischer, technischer und in praktischer Hinsicht bezeichnet. Dazu stellte der Berichterstatter fest, dass Kreisdirektor Wachs den Südbahnhof als den modernsten der Schweiz bezeichnet habe.

Wie modern der Südbahnhof war, führte Wachs in einem weiteren Gespräch aus. Er wies auf die Telefonkabinen beim Bahnhof hin. Es seien die ersten, von denen aus alle am schweizerischen Telefonnetz angeschlossenen Abonnenten direkt, «also ohne Hilfe der Zentrale», erreicht werden können.

Die Stadt bezahlte wacker mit

In seiner Grussbotschaft betonte SBB-Kreisdirektor in seiner Würdigung des neuen Werkes, dass dieses nur möglich geworden sei, «weil die aufgeschlossene Stadt Grenchen eine grosszügige Unterstützung gewährte». Dank dieser finanziellen Beteiligung hätten die SBB, der zahlreiche Projekte zur Auswahl stünden, Grenchen den Vorzug gegeben.

Allerdings dürfen wir heute als sicher annehmen, dass Adolf Furrer als Nationalrat sein politisches Gewicht voll in die Waagschale geworfen hat, damit die Verhandlungen, die 1944 begonnen hatten einen für Grenchen positiven Abschluss fanden. Neben der politischen Kraft Furrers war es auch die hohe Beteiligung der Stadt an den Baukosten, welche die SBB bewogen hatten, das Bauwerk auszuführen. Wie hoch Grenchens finanzielles Engagement war, wurde nicht erwähnt.

Grenchens sprichwörtliche Initiativkraft

Regierungsrat Landammann Otto Stampfli, Vorsteher des kantonalen Baudepartements, sagte, das Werk beweise die grosse Initiativkraft der Uhrenmetropole, die dem «Staate Solothurn schon manchen Impuls gegeben habe». Wie es damals in Grenchen üblich war, wurde bei der Eröffnung eines wichtigen Werkes ein Prolog verfasst. Bezirkslehrer Walter Leuenberger verfasste einen treffenden Text, der von Hedy Eltschinger (der heutigen Hedy Kamber in Solothurn) vorgetragen wurde.

In diesem mehrstrophigen Prolog kommt der Verfasser auf die finanzielle Beteiligung Grenchens zu sprechen und erwähnt, dass der Kanton sich an den Kosten nicht beteiligen wollte. «Doch Solothurn - ‚ s Regierigshuus, / Het gseit‚ Do hei mer d'Finger druus / Die Gränchner, früecher armi Buure / Die schwelge jetz i Konjunkture».

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