Der Lotse geht von Bord

«Viel einfühlungsvermögen»: Martin Widmer blickt auf die vergangenen Jahre zurück. (Peter Siegrist )

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«Viel einfühlungsvermögen»: Martin Widmer blickt auf die vergangenen Jahre zurück. (Peter Siegrist )

Martin Widmer hat in einer stürmischen Zeit das Steuer der Gemeinde Oberkulm übernommen und es geschafft, das Schiff wieder in ruhiges Gewässer zu steuern. Jetzt verlässt der Kapitän die Brücke.

Peter Siegrist

Beruflich arbeitet Gemeindeammann Martin Widmer, 58, beim Kanton Aargau, er ist Chef der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz im Departement Gesundheit und Soziales. Zusätzlich leitet er den Kantonalen Führungsstab. «Diese Aufgabe gehört zu meinem Pflichtenheft», erklärt Widmer.

Im Januar 2002 nahm Martin Widmer seine Arbeit als Vizeammann im Gemeinderat Oberkulm auf. Im Herbst 2006 kam es innerhalb des Gemeinderates zu Differenzen und «im Stil einer Vertrauensfrage» gaben vier Gemeinderäte ihren Rücktritt. Lediglich Edmund Studiger, damals erst einen knappen Monat im Amt, blieb. Es kam zu Neuwahlen. Widmer entschied sich, wieder anzutreten, kandidierte als Gemeindeammann und wurde gewählt. Im Mai 2007 startete der Gemeinderat unter seiner Leitung mit drei neuen Mitgliedern und Vizeammann Studiger. Als sich bei Widmer Herzprobleme bemerkbar machten, fasste er den Entschluss, auf Ende Amtsperiode zu demissionieren. Widmer verlässt den Gemeinderat nach acht Jahren.

Widmer bedauert es, dass es Ende Jahr zu einem Dreierrücktritt kommt, «leider zwingen berufliche Umstände die beiden Gemeinderäte Peter Läuppi und Gerhard Maurer zum Rücktritt». Widmer hat ursprünglich gehofft, er sei der Einzige, der Ende Jahr aufhöre.

Exekutive ist faszinierend

Ein Exekutivamt sei faszinierend, erklärt Widmer, «aber man darf die Zeit, die man dafür aufwenden muss, nicht unterschätzen». Sitzungen und Gespräche, auch tagsüber, verlangen die Präsenz der Ressortchefs des Gemeinderates.

Die Arbeit eines Gemeinderates sei vielseitig, sagt Widmer. Als Gemeinderat lerne man die Gemeinde aus einem neuen Blickwinkel kennen. Aufgewachsen sei er in Unterkulm, nachher habe er bei der Swissair und im Ausland gearbeitet und sei 1980 ins Wynental, nach Oberkulm, zurückgekehrt. Das sei der springende Punkt. Als er sich in Oberkulm niederliess, habe er von aussen an die Gemeinde herangeblickt. Übe man jedoch ein Exekutivamt aus, sehe man ins Innere der Gemeinde. «Da staunt man, wenn man erfährt, was alles dazugehört, Positives und Negatives. Faszinierend war für Widmer von Beginn an, die verschiedenen Probleme der Bürger zu erkennen und nach Lösungen zu suchen. Die Arbeit in einer Kollegialbehörde sei interessant.

Rat sitzt am Tisch und knobelt

«Da sitzt man zu fünft am Tisch und knobelt an einem Problem herum, gemeinsam sucht man eine Lösung, fällt einen Entscheid und stützt diesen beim Umsetzen.» Die Vielseitigkeit der Aufgaben hat Widmer gefallen. Dabei verschweigt er nicht, dass er das strukturierte Vorgehen bei der Problemlösung aus seiner Führungsausbildung in der Armee mitgebracht hat. Unterschätzt hat Widmer selber den grossen Zeitaufwand für ein Gemeinderatsmandat. «Es braucht nebst sehr viel Zeit auch viel Einfühlungsvermögen bei Gesprächen jeder Art.»

Ansprüche der Bürger steigen

Er habe festgestellt, dass die Wünsche der Einwohner ständig steigen, erklärt Widmer. Etwa so: «Liebe Gemeinde, ich habe ein Problem, bitte helft mir.» Da gehöre es zum Amt, sich auch mit kleinen Dingen zu beschäftigen und den Einwohnern Hilfestellungen zu leisten. Dennoch habe der Gemeinderat versucht, der Verwaltung mehr Kompetenzen zu gewähren, um sich zu entlasten. Getreu dem Grundsatz: «Mehr gestalten als verwalten.»

Als Erfolg bewertet Widmer in seiner Amtszeit, dass es gelungen ist, die regionale Zusammenarbeit zu fördern und verschiedene Projekte zu realisieren. Für eine Fusion mit Unterkulm sei die Zeit noch nicht reif, erklärt Widmer, aber die Behörden hätten zum Ziel, in der neuen Amtsperiode die Möglichkeiten und Konsequenzen zu analysieren.

Für die nächsten Jahre will sich Martin Widmer ganz auf die berufliche Arbeit konzentrieren. Zusätzlich setzt er seine Gaben als Organisator OK-Vizepräsident für das Eidgenössische Schützenfest 2010 ein.

Im Übrigen werde er es geniessen, mehr Zeit zu Hause bei der Familie zu sein und auch seinem Hobby, der Fotografie, zu frönen. Ja, und dann ist da noch die Freude am Reisen, was beim ehemaligen Swissair-Angestellten wohl nicht erstaunt.

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