Glacier-Express
Der Lokführer fuhr 20 km/h zu schnell

Also doch: Der Lokführer des Glacier-Express fuhr auf einer Teilstrecke viel zu schnell. Deshalb ist der Touristenzug entgleist. Die Behörden prüfen, ob der Lokführer zur Rechenschaft gezogen werden soll.

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Unfall-Glacier-Express
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Zerdrückt
Koffern

Unfall-Glacier-Express

Jacques Melly, Vizepräsident des Staatsrates des Kantons Wallis, spricht sein tiefes Bedauern über den Unfall des Glacier-Express aus. Die Behörden bestätigen, dass sich weiterhin acht Personen im Krankenhaus befinden. Sie seien aber nicht mehr in einem kritischen Zustand.

Derweil hat die Polizei über den Unfall informiert. Das «schwere Bahnunglück ist auf menschliches Versagen zurückzuführen». Dabei war der Lokführer zu schnell gefahren. Der Zugführer arbeitet seit acht Jahren bei der Matterhorn Gotthard Bahn.

Nun erklärt Walter Kobelt, Leiter Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe des Bundes, die Untersuchungsergebnisse. Dieser bestätigt, dass die Wetterverhältnisse nicht für den Unfall verantwortlich waren. Selbst starke Windböen hätten dem Glacier-Express keinen Schaden zufügen können.

Zudem geht aus einem Gutachten hervor, dass sich der Boden unter der Last des Zuges nicht gesenkt haben kann. Darüber hinaus versichert Kobelt, dass die Rollmaterialien keine Mängel aufwiesen. Dies gilt auch für das defekte Gleis.

Nun bestätigt auch Kobelt, dass die erhöhte Geschwindigkeit für den Unfall verantwortlich ist. So beschleunigte der Lokführer den Glacier-Express auf 56 Kilometer pro Stunde. Das Problem: Auf diesem Teilstück waren nur 35 erlaubt.

Während der Pressekonferenz berichtet die Nachrichtenagentur SDA, dass der Untersuchungsrichter prüft, ob der Lokführer strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.

Nun äussern sich die Verantwortlichen zum Vorgehen des Untersuchungsrichters. Dieser wird sich erst zum Fall äussern, wenn der Expertenbericht vollumfänglich vorliegt. Danach wird der Richter über strafrechtliche Konsequenzen entscheiden. Dieser Entscheidungsprozess wird einige Wochen dauern.

Jean-Pierre Schmid - Verwaltungsratspräsident Matterhorn-Gotthard-Bahn - spricht vom schwersten Unglück seit der Gründung des Bahnunternehmens.

Der Verwaltungsratspräsident der Matterhorn-Gotthard-Bahn ist immer noch bestürzt, vor allem im Wissen, dass der Unfall auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Darüber hinaus entschuldigt sich Schmid erneut bei den Angehörigen für den Unfall und den Tod einer japanischen Touristin.

Zudem erklärt Schmid, dass er letzten Dienstag den Witwer und die beiden Söhne der verstorbenen Japanerin getroffen haben. Bei dieser Gelegenheit entschuldigte sich Schmid erneut für den Unfall und bat die Familie um Verzeihung.

Der Lokführer steht unter Schock und ist vom unfall schwer betroffen. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn wird den Zugführer aber nicht fallen lassen. So steht ihm derzeit eine juristische und psychologische Betreuung zur Seite.

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn weist die Vorwürfe, dass die Lokführer unter Zeitdruck stehen - zurück. «Sicher sind die Fahrpläne seit Eröffnung der Neat enger geworden». Sie seien aber trotzdem fahrbar - schliesslich habe die Bahn zusammen mit einer externen Firma die Fahrpläne angepasst und optimiert. Deshalb gebe es keinen Grund den Fahrplan anzupassen.