Igel in Not
Der letzte Kampf der Stachelritter

Den Igeln in der Region geht es immer schlechter. Wegen Überlastung hat sich der Verein «Igel in Not» aber auflösen müssen. Neu ist nun der Tierschutz beider Basel für das Wohl der Stacheltiere zuständig.

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Limmattaler Zeitung

Birgit Günter

Der Igel kämpft. Er kämpft gegen immer neue Strassen, gegen dichtere Einfamilienhaus-Siedlungen, gegen den Verlust seines Lebensraumes. Oft verliert der Stachelritter diesen Kampf. Manchmal hat er aber Glück und wird in letzter Minute gerettet: Helfer bringen das völlig geschwächte oder schwer verletzte Tier in eine Igelauffangstation.

Wann braucht ein Igel Hilfe?

Nicht jeder Igel braucht Hilfe. Ein erstes Warnzeichen ist es jedoch, wenn der Igel tagaktiv ist. Krankheitssymptome sind auch Hinken, Röcheln und Husten sowie breiiger, dünnflüssiger Kot. Eine längliche Gestalt und eingefallene Flanken deuten auf Unterernährung hin. Kranke Igel rollen sich zudem bei Berührung kaum oder nur langsam ein. Der Igelbauch fühlt sich dabei ausserdem deutlich kälter an als die eigene Hand. Wer einen kranken Igel findet, meldet dies am besten dem Tierschutz beider Basel (TBB). Die meisten der abgegebenen Igel kommen aus Basel, Allschwil und Reinach. Doch Achtung: Die Igelauffangstationen in Allschwil und Reinach sind überlastet und nehmen per sofort keine Igel mehr an. Die Telefonnummer des TBB-Igelschutzprojektes lautet: 061 378 78 28. Ausserhalb der Öffnungszeiten meldet man verletzte Igel der Polizei oder dem tierärztlichen Notfalldienst: 0900 99 33 99. Weitere Nummern: Kleintierpraxis von Samuel Tolone: 061 271 05 22. Tiergesundheitszentrum Blauen: 061 765 97 00. (big)

Igel werden in Blauen ausgewildert

In die Bresche sprang nun der Tierschutz beider Basel (TBB). Er übernimmt die Aktivitäten des vor wenigen Tagen aufgelösten Vereins. «Unser oberstes Ziel ist es, eine gesunde, selbständige, überlebensfähige Igelpopulation zu erhalten», sagt Richard König, der Leiter des Projektes «igel&schutz». Als Erstes hat der Tierschutz darum eine Auswilderungsstation in Blauen errichtet; eine weitere ist in Seltisberg geplant. «Gesunde Tiere müssen raschmöglichst wieder in die Freiheit entlassen werden», erläutert König.

Neben der Betreuung der Tiere will sich der Tierschutz vermehrt um die Information der Bevölkerung kümmern. Denn: In der privaten Igel-Hilfe läuft auch einiges falsch: «Viele Igel werden unnötigerweise aus der Natur geholt und in bester Absicht, aber ohne das nötige Wissen, gepflegt», erzählt König. Resultat der gutgemeinten Bemühungen: Der Igel stirbt einen qualvollen Tod.

Mensch macht Igel das Leben schwer

Zur Info-Arbeit gehören aber auch Tipps, wie der Mensch seine Umgebung oder den Garten «igelfreundlich» gestalten kann - beispielsweise mit einheimischen Sträuchern und vielen Unterschlupfmöglichkeiten. «Schliesslich sind wir Menschen ja der Grund, warum immer mehr Igel krank, geschwächt oder verletzt sind», sagt König.

Nicht zuletzt will der Tierschutz politisch Druck machen in Sachen Igelschutz, wie TBB-Geschäftsleiterin Béatrice Kirn sagt - etwa, indem sich der TBB für Erhalt und Schaffung des natürlichen Lebensraumes einsetzt. Der Igel sei zwar nicht direkt vom Aussterben bedroht, aber «er ist ein seltener Gast geworden», so Kirn. Wie viele Igel noch in der Region leben, weiss man jedoch nicht; Erhebungen gibt es offenbar keine. Der Tierschutz finanziert das Igelschutzprojekt zu einem grossen Teil mit Spenden. Die Kosten setzen sich aus der neuen Infrastruktur zusammen (Auffangstation Blauen: 45 000 Franken; Seltisberg: 100 000 Fr.), einer fünfstelligen Summe für Medikamente sowie Lohnkosten.

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