Zürich
Der Kompost landet im Züri-Sack

Zürich sammelt Küchenabfälle nicht separat ein, sondern propagiert das «dezentrale Kompostieren» gleich vor der Haustür. Aber immer weniger Einwohner machen mit. Kommt jetzt doch die Grünabfuhr?

Drucken
Teilen
Kompost in Zürich

Kompost in Zürich

Zur Verfügung gestellt

Sidonia Küpfer

Als «ideale Alternative zur Grünabfuhr» lobt und empfiehlt die Stadt Zürich das private Kompostieren der Hausabfälle und Essensreste - sozusagen gleich vor der Haustür der Einwohner. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Transport der Abfälle wird so hinfällig, was der Umwelt guttut, ausserdem ist das Kompostieren kostengünstig. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache: In letzter Zeit werden mehr solche dezentralen Kompostierplätze aufgehoben als neu errichtet, wie Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) in seiner Publikation «Kompost News» mitteilt.

Aktuell weiss das ERZ von rund 350 Zürcher Kompostierplätzen. Daneben gebe es noch zahlreiche Private, die einen Kompost führen und der Stadt nur bekannt würden, wenn sie eine Beratung anforderten, wie Stéphanie Wyss vom ERZ sagte. Schliesslich habe Zürich rund 1200 Betreuende, welche die verschiedenen Stadien der Kompostierung überwachten und den Kompost regelmässig umwälzten. Genau beziffern kann das ERZ aber die Zahl der einem Kompostierplatz angeschlossenen Haushalte: Diese ging von 33 (vor zwei Jahren) auf 26 zurück.

Dieser Entwicklung ging das ERZ auf den Grund. In einer Studie wurden Liegenschaftsverwaltungen, Baugenossenschaften und Hausabwarte befragt. Sie hätten grossen Einfluss auf die Siedlungskompostierung, und zwar in beiderlei Hinsicht: als Förderer wie als Verhinderer. Das Fazit der Studie: Grundsätzlich seien alle drei Gruppen dem Kompostieren positiv gesinnt, sie wollten aber mit der Betreuung von Kompostierplätzen möglichst wenig zu haben.

Hinter dieser Haltung stünden schlechte Erfahrungen mit der Siedlungskompostierung. Genannt wurden vor allem üble Gerüche, aber auch Konflikte mit Mietern und Betreuern. Noch am kompostierfreudigsten sind die Baugenossenschaften, wie aus der Studie hervorgeht. Sie setzten sich am stärksten für diese Entsorgungsform ein.

Liegenschaftsverwaltungen hingegen versuchten vor allem den Aufwand so gering als möglich zu halten. Und die Abwarte ihrerseits stellten die Zufriedenheit ihrer Auftraggeber in der Regel über die Mieteranliegen, wie die Studie festhält. Aber auch die Mieterschaft sei tendenziell desinteressiert und auch bequem, hält das ERZ fest.

Deshalb kommt die Studie zum Schluss, dass Verwalter und Liegenschaftsbewirtschafter zwar den Sinn des Kompostierens noch immer sehen, dass sie aber das Vertrauen in die Mieter verloren hätten: «Den Goodwill zurückzugewinnen ist anspruchsvoll und braucht Zeit.»

Ob es zu diesem Rückgewinn überhaupt kommt, ist unklar, denn die Studie zeigt auch den Ruf nach einer städtischen Grünabfuhr auf: Liegenschaftsverwalter, Baugenossenschaften und Abwarte nennen mehrheitlich die Grünabfuhr als beste Form der Grüngutverwertung. Und auf eben diesem Gebiet läuft in der Stadt Zürich momentan ein Pilotprojekt.

Obwohl die Stadt Zürich noch 2006 befand, dass eine separate Abfuhr für Küchenabfälle weder ökologisch noch ökonomisch einen Vorteil bringe, läuft nun seit rund einem Jahr ein Pilotprojekt, mit dem eben die Einführung einer Sammlung von Küchenabfällen geprüft wird. Das Ziel lautet: «Wo es sich mengenmässig und logistisch lohnt, will die Stadt Zürich auf 2011 die separate Sammlung und Vergärung von Küchenabfällen einführen.»

Gemeinsam mit der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) prüft das ERZ in zwei Siedlungen in Oerlikon und in Affoltern eine wöchentliche Sammlung. Ursprung dieses Testes ist eine Motion des Zürcher Gemeinderates Alexander Jäger (FDP) aus dem Jahr 2002. Dieser störte sich daran, dass Essensreste und Küchenabfälle einfach verbrannt werden: «Eine Verbrennung dieser Abfälle ist aber nicht sinnvoll, da mit geeigneten Methoden (Vergärung) die Abfälle in Biogas und Frischkompost umgewandelt werden können», argumentierte Jäger.

Ob nun eine flächendeckende Grünabfuhr für die ganze Stadt entsteht, ist vorläufig noch unklar, ebenso wie der genaue Zeitpunkt der Entscheidung. Wie die Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, die Grüne Ruth Genner, erklärte, würden zurzeit die Möglichkeiten einer Sammlung abgeklärt. Beim Entscheid 2006 war Genner noch nicht im Stadtrat. Wird sie die Einführung einer Grünabfuhr ankurbeln? «Grundsätzlich strebe ich eine solche Lösung an», sagt Ruth Genner. Allerdings müssten zuerst die offenen Fragen geklärt werden.

Eines ist klar: Sollte Zürich eine Grünabfuhr schaffen, so bräuchte die Stadt auch ein neues Vergär- und Kompostierwerk. Denn das bisherige Kompostierwerk im Werdhölzli ist offen gebaut. Die beim Vergären von Essensresten entstehenden Geruchsemissionen wären der Bevölkerung aber nicht zumutbar, so das ERZ.

Aktuelle Nachrichten