Bau Heilpädagogische Schule
Der Komplex hat die Matte verdrängt

Seit acht Monaten wächst auf der Kniematte das Gebäude der Heilpädagogischen Schule in die Höhe. Doch an Unterricht ist noch lange nicht zu denken.

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HPS

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az Langenthaler Tagblatt

Julian Perrenoud

Im Kanon schreiten die Arbeiten an der Schorenstrasse voran: Während Elektriker im Trakt A bereits die Bodenheizung verlegt haben, fehlen im Trakt B noch Fenster. Im Trakt C streichen Maler erst die Wände. Gestern feierten Architekten, Bauarbeiter, die Fürsorgedirektion, Baukomission, der Gemeinde- und Stiftungsrat der Heilpädagogischen Schule (HPS) die Aufrichte des neuen, 14,5 Millionen Franken teuren Schulhauses.

Von aussen her macht der Backstein- und Betonklotz einen wenig berauschenden Eindruck. Das soll sich in den nächsten Monaten ändern. Bauleiter Kevin Strahm drückt einen Plastikvorhang zur Seite; da, wo er später die Türe des Haupteingangs aufstossen wird.

Zuger Stiftung spendet eine halbe Million Franken

Fast zehn Jahre musste der Stiftungsrat der Heilpädagogischen Schule Langenthal (HPS) auf den Neubau warten. Zirka einen Drittel der Baukosten (14,5 Millionen Franken) bringt die Schule selber auf. Die Hypothek dafür belastet die Betriebsrechnung, weshalb die HPS beim Therapieangebot der Schüler sparen müsste. Vor einem Jahr lancierte sie eine Fundraising-Kampagne. Mittlerweile sind so über 775 000 Franken zusammengekommen.

Die höchste Spende - eine halbe Million Franken - stammt von der Ernst Göhner Stiftung aus Zug. Diese unterstützt unter anderem Institutionen für sozial benachteiligte oder behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die HPS Langenthal organisiert auch eigene Projekte: Heuer verkauft sie Weihnachtskarten im A5-Format, deren Sujets behinderte Kinder gezeichnet haben. (jpw)

Spendenbarometer HPS Langenthal: www.hps-spenden.ch

Spendenkonto: BEKB Kto. CH85 0079 0042 4208 2398 2

«Wir sind im Zeitplan», sagt er. Das schöne und warme Wetter kam dem Projekt entgegen. Klappt weiterhin alles wunschgemäss, zieht die HPS zum Sommerbeginn auf die Kniematte. Vom 9. bis 11. September steht eine grosse Einweihungsfeier an.

Raus an die frische Luft

Die Obergeschosse der drei Trakte sehen ziemlich identisch aus: Insgesamt entstehen zehn Klassenzimmer mit Garderobe. Fünf bis acht Kinder finden jeweils Platz - je nach Schwere der Behinderung. Dazu kommen Lehrperson und Assistent.

Über Computer sind alle Zimmer miteinander vernetzt. Das alte Haus an der Ringstrasse 24 ist nicht rollstuhlgängig. Hier nun gibts Behinderten-WCs, einen Lift und keine Schwellen. Das hohe Mäuerchen um die Treppe soll vor Unfällen schützen.

Schulleiterin Christine Blum sagt: Es werde einige Zeit dauern, bis sich Lehrer und Kinder im neuen Gebäude zurechtfinden. «Viele unserer Schüler haben Orientierungsschwierigkeiten.» Sie selber kennt sich im Neubau bereits bestens aus, weiss wo sich Werkzimmer, Material- und Therapieräume befinden.

Strahm vergewissert sich auf dem grossen Bauplan und nickt zustimmend. Jeder Trakt verfügt über eine Terasse - die Kinder können zwischen dem Unterricht an die frische Luft.

«Dürfen keine Wurzeln beschädigen»

Das Schulhaus wird nach Minergie-Standard gebaut. Auf dem Dach wärmen Sonnenkollektoren das Wasser. Das Haus wird mit Gas beheizt. Im Erdgeschoss befinden sich Lehrerzimmer, zwei Küchen für Schulklassen und zwei Zimmer für die Kindergärtler. Dazu ein Esssaal für die 70 Schüler und das 40-köpfige Personal. Strahm läuft zügig durch die Baustelle.

Blum weist auf die grossen Fenster hin, sagt, dass die Schüler auch gesehen werden - aber dies sei schliesslich gut: «Wir wollen uns nicht abschotten. Da sich die Kniematte direkt neben den Kreuzfeld-Schulhäusern befindet, können sie genau gleich wie alle anderen Schüler im Zentrum von Langenthal zur Schule gehen. Vier Schulbusse werden die HPS anfahren. Trotzdem soll der Verkehr im Quartier weiter beruhigt werden, sagt Blum.

Der Rasen draussen ist zwar grösstenteils Beton, Morast und Kies gewichen. Die Baumallee aber bleibt. Schwierig war, derart nahe an die Bäume zu bauen, sagt Strahm: «Wir durften die Wurzeln nicht beschädigen.» Zwei Bäume müssen künftig gestutzt werden. Eine weitere Schwierigkeit betraf das Konzept des Innenausbaus: Die HPS wollte Zonen abgrenzen, der Brandschutz forderte, alles zu öffnen. Blum: «Nun müssen wir halt für Kinder gewisse Bereiche lesbar trennen.»

Die Turnhalle hilft zu integrieren

Im Untergeschoss schliesslich befindet sich das Prunkstück der dreigliedrigen Anlage: die Turnhalle. Sie entsteht nach Magglinger-Norm, ist also Regelkonform. Wettkämpfe wird es hier drinnen aber weniger geben, wie Blum sagt.

Da die Stadt die Turnhalle mitfinanziert, erhält sie jeden Abend, an Wochenenden und in den Ferien die Nutzerrechte. Strahm zeigt hoch zum Erdgeschoss: «Zutritt haben Aussenstehende aber nur über diese Treppe.» Sie führt direkt zum Haupteingang.

Der Rest des Gebäudes ist für Externe geschlossen. Gerade mit dieser Halle dürfte der HPS die Integration in das übrige Schulsystem und in die Stadt gelingen. Denn der HPS mangelte es bisher nicht nur an Schulräumen, sondern der Stadt auch an Turnhallen.

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