Der «Knochen» wird jetzt eingegraben

Baubeginn: Im Graben wird Platz für die  Stützmauer vorbereitet und auf der Abfahrt von Solothurn werden Leitplankenelemente entladen. (uby)

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Baubeginn: Im Graben wird Platz für die Stützmauer vorbereitet und auf der Abfahrt von Solothurn werden Leitplankenelemente entladen. (uby)

Es war schon beinahe ein historischer Moment: Gestern haben die Arbeiten zum Neubau des Grenchner Autobahnanschlusses begonnen. Damit endet das jahrelange Tauziehen um den gefährlichen Anschluss.

Urs Byland

Auf der nördlichen Autobahnabfahrt bedienen Arbeiter einen Lastwagenkran. Abgeladen werden Leitplankenelemente, mit denen die Fahrbahn etwas eingeengt werden soll. Dies seien aber die einzigen Behinderungen für die Autobahnbenutzer in diesem Jahr, versichert Bauführer Urs Rothen, Astrada. «Ansonsten merken die Autobahnnutzer nichts von den Arbeiten.»

Dies wird sich in einem Jahr, im Sommer 2010, ändern. Dann sollen beim Autobahnanschluss im Juli zuerst die Einfahrt Richtung Biel und die Ausfahrt von Solothurn her für zwei Wochen gesperrt werden. Im August folgt dann eine zweiwöchige Sperrung der Einfahrt Solothurn und der Ausfahrt Biel. In beiden Fällen bleibt die Archstrasse befahrbar. Läuft alles nach Plan, muss die Archstrasse mit dem gesamten Autobahnanschluss lediglich im September 2010 für ein Wochenende (Freitagabend bis Montagabend) gesperrt werden. Dann werden der Deckbelag eingebaut und die Markierungen angebracht. «Das ist die optimale Lösung aus unserer Sicht», erklärten die Vertreter der Bauherrschaft, Bundesamt für Strassen (Astra) Filiale Zofingen, im Juni dieses Jahres an einer Medienkonferenz.

Zuerst kommen die Stützmauern

Noch ist es nicht so weit. Gestern, am ersten Tag, standen Vorbereitungsarbeiten im Vordergrund. Arbeiter sind beispielsweise mit Messungen beschäftigt, um die genaue Lage der künftigen Stützmauern zu definieren. Bei jeder Ein- und Ausfahrt des Anschlusses wird auf der von der Autobahn abgewandten Seite eine Stützmauer errichtet. Damit soll Fläche gewonnen werden. «So haben wir genügend Platz zur Verfügung für die beiden Kreisel», erklärt Rothen. Auf der östlichen Seite des Anschlusses erschwert der Aarmattenkanal das Bauvorhaben. Dieser soll mit Betonelementen überdeckt werden. Verlängert werden zudem die beiden Wilddurchgänge. Die Stützmauern werden zudem noch in diesem Jahr hinterfüllt.

Kreiselschmuck ist möglich

Insgesamt kostet die Umgestaltung rund 6,3 Mio. Franken. Bezahlt wird sie vom Bund. Bei der Astra hat man sich die Einweihung des «Knochens» im Oktober 2010 zum Ziel gesetzt. Bis dann sollen 4100 Kubikmeter Aushub fortgeschafft und 770 Kubikmeter Beton und 80 Tonnen Armierung sowie 3300 Tonnen Strassenbelag eingebaut sein.

Nach wie vor ungeklärt ist die Frage des Kreiselschmuckes. Der Anschluss liegt im Autobahnperimeter. Reklame als Kreiselschmuck ist auf der Nationalstrasse verboten. Möglich wäre aber beispielsweise ein künstlerisches Werk. «Wir haben grundsätzlich nichts gegen Kreiselschmuck», erklärt Esther Widmer, Medienbeauftragte beim Astra, «nur will das Astra den Schmuck nicht finanzieren.» Geplant sei noch nichts, aber es werden bereits Gespräche mit Interessenten geführt. «Spruchreif ist noch nichts.»

Lange Vorgeschichte

Eröffnet wurde die Autobahn A5 im April 2002. Bis zum Frühling 2005 zählte Grenchen im Bereich der Autobahneinfahrt mehrere schwere Unfälle, drei davon mit Schwerverletzten. Als Sofortmassnahmen zur Entschärfung der Situation wurden Spiegel und Schilder, die auf den gefährlichen Autobahnanschluss hinweisen, aufgestellt. Im Jahr 2006 zählte die Stadtpolizei Grenchen acht Unfälle, 2007 fünf, im letzten Jahr hingegen wieder 15 Unfälle. Mit den Sofortmassnahmen wurde die Gefährlichkeit des Anschlusses vom damals noch für die Autobahn verantwortlichen Kanton anerkannt. Eine Umgestaltung des Anschlusses verzögerte sich aber wegen der Umlagerung der Verantwortlichkeit vom Kanton zum Bund.

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