Eishockey
Der kleine Bruder der Euro

Die Eishockey-Weltmeisterschaft ist zehnmal kleiner als die Euro 08. Doch für die Zuschauer ist das ein Vorteil: Keine überrissenen Sicherheitsmassnahmen, zahlbare Tickets und ein Schweizer Team mit Aussicht auf Erfolg.

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Eishockey WM Fans

Eishockey WM Fans

Keystone

Benno Tuchschmid

Ab morgen treten in der Schweiz die besten Eishockey-Nationen gegeneinander an. Doch das ist nicht alles: Mit der Eishockey-WM und der Euro 08 messen sich auch zwei Sport-Mega-Events im Fernduell. Eine spannende Affiche, obwohl die Ausgangslage auf den ersten Blick klar ist. Hier die kleine WM, dort die grosse Euro. Doch so klar ist es nicht: «Der Unterschied zwischen der Euro und der Eishockey-WM ist - wir haben bei uns 56 Spiele, an der Euro waren es nur 14», sagt Gian Gilli, Generalsekretär des WM-Organisationskomitees.

Zahlen und Fakten zur WM

700 000 000 Personen werden die WM weltweit am TV verfolgen.

100 000 Übernachtungen werden dank der WM in und um Bern und Zürich Kloten gebucht.

17 000 Früchte werden von den 16Teams in den Garderoben und Hotels verzehrt.

15 000 Akkreditierte Personen werden in verschiedensten Funktionen ihren Beitrag zur Weltmeisterschaft leisten.

4000 Eishockeystöcke werden für die 56 Spiele von insgesamt 400 Spielern eingesetzt.

2000 Pucks stehen den Spielern für die Partien und Trainings zur Verfügung.

1800 Diensttage stellt die Armee dem OK für Auf-/Abbau, Transporte, Material, Verkehr und Sanität zur Verfügung. Die kantonalen Zivilschutzorganisationen leisten 1670 Diensttage.

1100 Volunteers (inklusive Armee- und Zivilschutzangehöriger) stehen dem OK zur Verfügung.

1000 Medienschaffende (inklusive Techniker) werden von der WM berichten. Die Schweiz stellt mit 50 zugelassenen Journalisten pro Spiel das grösste Kontingent, gefolgt von Deutschland und Aufsteiger Ungarn (je 40). Am Schluss der Akkreditierungsliste findet sich ein Vertreter aus Moldawien.

180 Angestellte kümmern sich pro Tag um das leibliche Wohl der VIP-Gäste.

70 TV-Stationen (mindestens) werden die Bilder der WM in über 100 Länder weltweit ausstrahlen.

Die vielen Spiele bieten für die Zuschauer einen entscheidenden Vorteil. Sie kommen leichter an Tickets. Von den 454500 Tickets gehen 98 Prozent in den freien Verkauf, die Sponsoren-Tickets können wegen der vielen Spiele besser verteilt werden. «Wir haben ein super Produkt für die breite Bevölkerung und nicht bloss für eine exklusive Minderheit.» Bei der Euro war es gerade einmal ein Drittel, der direkt ans Publikum verkauft wurde. Der Rest ging an Funktionäre, Verbände, Sponsoren und floss nur zum Teil via Wettbewerbe wieder zu den Fans.

Gian Gilli, OK-Generalsekretär: «Eishockey-Weltmeisterschaften sind seit 72 Jahren friedlich!»

Gian Gilli, OK-Generalsekretär: «Eishockey-Weltmeisterschaften sind seit 72 Jahren friedlich!»

Keystone

Weniger Schickanen. «Eishockey- Weltmeisterschaften sind seit 72 Jahren friedlich, die Sicherheitsmassnahmen sind bei uns nicht so streng wie an der Euro», sagt Gilli. Darum wird es an der Eishockey- WM keine Sicherheits-Perimeter und provisorischen Hooligan-Knäste brauchen. Ein weiterer Vorteil für den Hockey-Event: der Eintrittspreis. An der Euro musste der Fan für ein Ticket zwischen 70 und 880 Franken hinblättern. An der Hockey-WM kosten sie zwischen 19 und 329 Franken, inklusive Transport mit Bus und Bahn.

«Ein Fan kann von Genf nach Kloten an einen Match für 19 Franken», sagt OK-Generalsekretär Gilli. Finanziell kann Gillis OK nicht mit den Euro-Veranstaltern mithalten. Die Euro 08 hatte ein Budget von über 400 Millionen Franken. die Hockey-WM nur gerade 31 Millionen. Auch für Jörg Polzer, Sprecher der Sportmarketing-Firma Infront, spielen die Anlässe in verschiedenen finanziellen Dimensionen: «Das beginnt bei den weitaus grösseren Investitionen in Infrastruktur und endet bei den kommerziellen Umsätzen.»

Infront vermarktet die TV-Rechte der WM. Es gibt auch Gemeinsamkeiten zwischen den beiden grossen Sport- Events Euro und Hockey-WM: die öffentliche Diskussion über die fehlende Euphorie. Darauf angesprochen, sagt Gian Gilli: «Euphorie kann man nicht herbeibefehlen, die wird kommen, wenn die Schweiz gut spielt.» Auch bei der Euro sei es am Schluss gut gekommen, meint Gilli.

Eishockey-WM in der Schweiz

Das Turnier der 16 besten Nationalmannschaften der Welt findet zwischen dem 24. April und dem 10. Mai 2009 in Bern (Postfinance-Arena, Kapazität: 11 421 Zuschauer) und Kloten (Kloten-Arena, 6851 Zuschauer) statt. Der Modus: In der Vorrunde sind je vier Mannschaften in vier Gruppen aufgeteilt. Die Teams auf den Rängen 1 bis 3 qualifizieren sich für die Zwischenrunde. Die vier Gruppenletzten machen die beiden Absteiger unter sich aus. Die Zwischenrunde wird in zwei Gruppen zu je sechs Mannschaften gespielt. Jeweils die ersten vier erreichen den Viertelfinal. Das Finalspiel findet am Sonntag, 10. Mai, in Bern statt. (mz)

Bleibt zu hoffen, dass es bei den Schweizer Eishockeyanern sportlich etwas besser kommt als bei ihren Kollegen auf dem Fussballplatz. Hier die bodenständige Hockey- WM, dort die glamouröse Show- Veranstaltung Euro 08. Dieser Vergleich geht Gian Gilli dann doch zu weit. Auch die Hockey-WM werde eine grosse Show. 10 Tonnen Lichtund Schalltechnik wurden in Kloten unter das Dach montiert, in Bern gar 15 Tonnen.

Tickets für die Spiele der Schweizer gibt es nur noch wenige beim Verband Swiss Ice Hockey. Bis zum letzten Montag wurden 254000 Tickets verkauft, das sind 57 Prozent. Ab 67 Prozent macht die Veranstaltung Gewinn. Für die Zwischenrunde mit eventueller Schweizer Beteiligung sind noch viele Plätze frei, allerdings ist der Gegner noch unklar. Eine Möglichkeit: Spekulieren. Denn wenn sich die Schweiz erst mal qualifiziert hat, wird die Nachfrage gross sein.