Der «Käse-Papst» aus dem Freiamt

Rolf Beerli mit Käse

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Rolf Beerli mit Käse

Die AZ lädt den 55-jährigen Freiämter Maître Fromager Rolf Beeler, der als «Käse-Papst» der Schweiz gilt, zum Gespräch. Der renommierte Käseexperte und -händler aus Nesselnbach schwört auf Schweizer Käse aus Rohmilch.

Herr Beeler, Sie waren kürzlich Juror an der 6. Alpkäse-Olympiade im Kanton Jura. Ihr Fazit?
Rolf Beeler: Unsere Jurorengruppe beurteilte Extrahartkäse, also Sbrinz, Parmesan und Berner Oberländer. Uns wurden mehrere wunderbare Käse vorgesetzt.

Haben Sie die Stiefelattacke von Bauern auf Bundesrätin Doris Leuthard bei der Eröffnung der Olympiade miterlebt?
Beeler: Nein. Wir waren zu jenem Zeitpunkt bereits am Degustieren und Bewerten der Extrahartkäse. Der Angriff war dann ein grosses Gesprächsthema.

Wie waren die Meinungen zur Stiefelattacke?
Beeler: Unterschiedlich. Guter Stil war das sicherlich nicht. Auf der anderen Seite wurde auch ein gewisses Verständnis für den Unmut der Bauern laut. Sie fühlen sich in die Enge getrieben, weil der Landwirtschaft offene EU-Schleusen drohen. Einigen Bauern mangelt es aber auch an Berufsstolz.

Wie meinen Sie das?
Beeler: Es gibt viele innovative Bauern, die allerlei erstklassige Landwirtschaftsprodukte herstellen und diese gut veräussern können. Es gibt aber auch andere Bauern, denen die Qualität egal ist. Diese müssen sich an der eigenen Nase nehmen.

Kommt in Ihrem Wohnhaus in Nesselnbach jeden Tag Käse auf den Tisch?
Beeler: Klar, und zwar aus-schliesslich Käse aus Rohmilch von kleinen Produzenten.

Weshalb denn nicht Käse aus pasteurisierter oder thermisierter Milch?
Beeler: Geschmacklich bestehen grosse Unterschiede. Rohmilchkäse munden viel besser, sofern sie eine gewisse Zeit lagerten und reiften. Im Rohmilchkäse bleiben die Nährstoffe und die Aromastoffe vollumfänglich erhalten. Auch Details zählen. Wenn die Tiere Silofutter fressen statt frisches Grünfutter, kann kein feiner Rohmilchkäse entstehen. Das beeinträchtigt den Geschmack.

Spürt der Experte Beeler, den man als «Käse-Papst» bezeichnet, die Wirtschaftsflaute?
Beeler: Mein Käsehandel läuft nach wie vor gut. Einzig in den Restaurants hat sich die Nachfrage ein wenig abgeschwächt.

Wie Rolf Beeler zum «Käse-Papst» wurde und was er für eine ideale Käseplatte empfehlen würde lesen Sie am Samstag im Regionalteil Freiamt der Aargauer Zeitung!

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