Sonntagsgespräch
"Der Hund hat viel zu sagen"

Sie schreiben zusammen Leserbriefe, nehmen kein Blatt vor den Mund – und nun wollen sie auch noch den Bundesratssitz von Hans-Rudolf Merz: Hund Bäff und Helmut Ziegler aus Dietikon sind ein ausgefallenes Team

Merken
Drucken
Teilen
Sonntagsgespräch

Sonntagsgespräch

Aargauer Zeitung

Von Bettina Hamilton-Irvine
Herr Ziegler, seit rund drei Jahren schreibt das Team «Hund Bäff und H. Ziegler» Leserbriefe an die Limmattaler Zeitung. Wer ist denn nun dieser schreibende Hund?
Helmut Ziegler: Bäff ist ein Appenzeller und er stammt auch aus dem Appenzell. Man musste ihn einem Bauern wegnehmen, weil er immer an die Kette gelegt und deshalb total verstört war. Das war vor sechs Jahren, er war damals drei Jahre alt.
Wieso haben Sie beschlossen, zusammen mit Ihrem Hund Leserbriefe zu schreiben?
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es ursprünglich die Idee meiner Frau war oder meine, aber wir dachten uns, als Team mit dem Hund zusammen kann man sich mehr erlauben, kann mehr sagen, als sonst möglich ist.
Ist Ihnen die Zeitung als Plattform für politische Diskussionen wichtig?
Die Zeitung ist für mich sehr wichtig - viel wichtiger als das Fernsehen. Ich sehe selten fern, ich orientiere mich viel mehr an der Zeitung. Gerade auch lokalpolitisch - es interessiert mich sehr, was in der Gegend läuft.
Für einen Hund ist Bäff äusserst interessiert am politischen Geschehen. Hat er das von Ihnen?
(lacht) Ich glaube schon. Ich bin zwar selber nicht politisch aktiv, aber Politik hat mich immer interessiert.
Sie und Bäff scheinen zu fast allem eine Meinung zu haben - woher kommt das grosse Interesse an der Welt?
Ich hinterfrage gerne alles. Ich bin sehr neugierig, ich lese viel und ich will immer wissen, was hinter einer Idee steckt. Das ist auch die Motivation hinter den Leserbriefen: Ich möchte die Menschen dazu bringen, zu hinterfragen, was eigentlich los ist, und nach Zusammenhängen zu suchen. Ob das dann gelingt, ist eine andere Frage.
Immerhin bekommen Sie ja hin und wieder eine Antwort auf Ihre Briefe. Freut Sie das?
Das geschieht relativ selten. Eigentlich hätte ich mehr Echo erwartet.
Die Briefe sind zuerst mit Bäffs Namen unterschrieben und dann mit Ihrem. Hat Bäff bei Ihnen das Sagen?
Er hat viel zu sagen. (lacht) Er ist definitiv der Star der Familie.
Gibt es denn da eine gewisse Rollenverteilung unter Ihnen?
Er hat auf jeden Fall seine Gewohnheiten, von denen er möglichst nicht abweichen will. Ganz im Gegensatz zu mir. (lacht) Ich probiere immer gerne etwas Neues aus. Ein Hund will das nicht, er hat lieber seinen regelmässigen Tagesablauf. Das ist der grosse Unterschied zwischen uns.
Es gibt berühmte Meister-Hund-Duos wie zum Beispiel Tim und Struppi. Streben Sie auch einen solchen Bekanntheitsgrad an?
(lacht) Nein, nein. Die ganze Sache mit dem Schreiben der Leserbriefe hat sich eher zufällig ergeben, und ich habe das dann beibehalten.
In seinen Leserbriefen gibt Bäff sich gerne kämpferisch, in Realität scheint er aber eher schüchtern zu sein. Handelt es sich hier um einen Fall von «Bellende Hunde beissen nicht»?
Das geht sicher in diese Richtung. Er macht zwar einen aggressiven Eindruck, aber er meint es nicht so.
Ist Bäff also ein Schaf im Wolfspelz?
Das könnte man so sagen.
Man sagt ja auch, dass sich Meister und Hund mit der Zeit aneinander angleichen oder die Gewohnheiten des anderen übernehmen.
Ich glaube, wir ergänzen uns eher. Dass wir Gewohnheiten des anderen annehmen, würde ich nicht unbedingt sagen.
Bäff nimmt in seinen Leserbriefen kein Blatt vor den Mund. Einmal hat er vorgeschlagen, die SVP soll Geissbock Zottel zum Parteipräsidenten machen, da er es in Sachen Intelligenz mit Toni Brunner aufnehmen könne. Würden Sie sich auch trauen, solche Dinge zu schreiben, wenn sie nicht mit Bäffs Namen unterschrieben wären?
Ich glaube schon. Das entspricht meinem Naturell - ich bohre gern ein bisschen. Aber es ist natürlich einfacher, wenn der Hund es schreibt.
Damit Sie sich ein wenig hinter ihm verstecken können?
Richtig, ja.
Bäff und Sie greifen mit Vorliebe die SVP an, geben aber gern auch mal der SP eins ans Bein.
Ich mag keine sture Politik, das ist einfach nicht meine Linie. Es passt mir überhaupt nicht, wenn Dinge nur aus parteipolitischen Gründen gemacht werden oder wenn man blind einem Führer folgt. Ich will mich weder links noch rechts fixieren. Es geht mir um die Sache.
Dietikon hat seit neustem eine Hundebadi an der Limmat. Bäff hat sicher auch eine Meinung dazu.
Wir gehen regelmässig in der Limmat schwimmen, aber wir brauchen keine Hundebadi. Schon gar nicht auf diese Art. Diese Quader im Wasser sind schlichtweg eine Katastrophe für einen grossen Hund, der da ins Wasser springt. Es gibt andere Orte, an denen man in der Limmat baden kann. Bäff würde sagen: Die Hundebadi ist für Weicheier.
Der Einstieg war ja vor allem eine Geste den Hundehaltern gegenüber, da die Hunde nicht mehr in den Auen baden dürfen.
Da die Hundebadi meist im Schatten liegt, baden viele nach wie vor auf der gegenüberliegenden Seite. Dort ist der Einstieg äusserst ungünstig platziert, da sich Hunde und Menschen immer näher an die Auen heranbewegen, ausserdem sind die Bruthöhlen der Eisvögel ganz nahe. Die Auen sollten viel besser geschützt werden.
Ende letzten Jahres hat die Zürcher Stimmbevölkerung das Hundegesetz mit einem Kampfhundeverbot angenommen - was hält Bäff davon?
Das ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Das Problem ist nicht der Kampfhund als solches, sondern dessen Erziehung. Die Leute verlieren gern die Relationen. Wenn es in fünf Jahren einen tödlichen Unfall gibt, ist das zwar schlimm, aber man kann das nicht mit der Gefahr vergleichen, die zum Beispiel von Rasern ausgeht. Ausserdem ist es ein Unsinn, dass nun jeder Kanton etwas anderes macht. Wenn jemand raucht und einen Hund hat, dann muss er eine ausführliche Anleitung mit sich tragen, damit er immer weiss, in welchem Kanton nun was erlaubt ist.
Dann dürfte es Sie freuen, dass der Nationalrat vor ein paar Tagen ein eidgenössisches Hundegesetz beschlossen hat.
Eigentlich schon, aber es ist ja den Kantonen weiterhin überlassen, ob sie noch zusätzliche Vorschriften erlassen wollen. Das ist ein Widerspruch. Nichts ist definitiv und fertig.
Vielleicht müsste sich Bäff einmal diesem Problem annehmen. Immerhin wollte er ja auch schon Präsident der SVP oder der FDP werden. Hat er derzeit keine politischen Ambitionen?
Nein, im Moment nicht. Er geht lieber mausen.
Wie steht es denn mit dem frei werdenden Bundesratssitz?
(lacht) Da hält er sich erst mal noch zurück. Aber es kann schon sein, dass er sich zu diesem Thema noch äussern wird. Wobei er leider als Appenzeller nicht so gut Französisch kann. Wenn Merz auch zurücktreten würde, sähe die Sache ganz anders aus.
Dann käme vielleicht eher eine literarische Karriere infrage. Immerhin hat Bäff einmal kundgetan, er schreibe Tagebuch. Dürfen wir gelegentlich Bäffs Memoiren in Buchform erwarten?
Nicht unbedingt. Das Tagebuch ist mehr für mich und vielleicht einmal für meine Enkel gedacht. Als Nachschlagewerk ist es aber ganz amüsant.
Sie schreiben also wirklich ein persönliches Tagebuch für Bäff?
Genau. Darin kann ich später nachlesen, was er so gemacht hat. Aber ich schreibe im Moment drei Tagebücher parallel: ein persönliches, eines für Bäff und eines für die Familie. Ich schreibe sehr viel und gerne. Eine Zeitlang habe ich auch öfter Gedichte geschrieben und sogar einmal einen Preis dafür gewonnen.