Roche

Der grüne Wachhund bellt und bellt und bellt

Die Firma Roche weist alle Vorwürfe von Greenpeace zurück. (Archiv)

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Die Firma Roche weist alle Vorwürfe von Greenpeace zurück. (Archiv)

Greenpeace wirft dem Chemiekonzern Roche Wortbruch vor in Sachen Teilsanierung der Deponie Hirschacker – und fordert eine Totalsanierung. Die Deponie Hirschacker sei zu wenig untersucht und Greenpeace zudem vom Gremium ausgeschlossen worden. Die Firma Roche und die deutschen Behörden wehren sich.

Birgit Günter

Wie ein aufsässiger Wachhund jault die Umweltorganisation Greenpeace in regelmässigen Abständen auf und verteidigt dabei das Recht auf sauberes Trinkwasser. Angebellt werden jeweils die Chemiekonzerne und die Behörden.

Nun sind zwei neue Vorwürfe aufgetaucht: Roche und Co. hätten beim Sanierungsprojekt der Deponie Hirschacker die Umweltorganisation plötzlich ausgeschlossen. Und: Roche und Co. hätten nicht wie abgemacht nach den vorhandenen 400 Substanzen gesucht, sondern nur nach 24. «Roche und Co. wollten den Chemiemüll zuschütten und nicht dokumentiert haben», folgert Greenpeace. Fazit der Umweltorganisation: Die Sanierung, welche die Behörden als abgeschlossen bezeichnen, ist ungenügend. «Im Hirschacker liegen immer noch rund 100 000 Tonnen giftiger Chemiemüll», betont Frantisek Hudec von Greenpeace. «Das Trinkwasser ist somit immer noch gefährdet.»

Kein Mobbing gegenüber Greenpeace

Die Firma Roche, welche die Sanierungskosten von rund 20 Millionen grösstenteils trägt, weist alle Vorwürfe zurück. Erstens sei Greenpeace vom Projekt nicht ausgeschlossen worden, «sondern die deutschen Behörden haben nach Abschluss der Sanierungsarbeiten das Expertengremium, in dem übrigens auch Roche sitzt, aufgelöst», erklärt Nina Schwab, Mediensprecherin von Roche. «Dies ist ein normaler Schritt, wenn ein Projekt abgeschlossen ist.» Grundsätzlich sei Roche auch zukünftig am Dialog mit Greenpeace interessiert.

Was weitere Entscheidungen anbelagt, verweist Schwab auf das Landratsamt (LRA) Lörrach, das die Federführung beim Projekt habe: «Wir finanzieren die Sanierung der Deponie Hirschacker - und zwar freiwillig - aber wir leiten sie nicht», so Schwab.

Doch auch bei den deutschen Behörden will man von den Vorwürfen nichts wissen. Den härtesten Vorwurf - dass das Trinkwasser gefährdet sei - bezeichnet Jürgen Hirnschal, Umweltdezernent des LRA, als falsch. «Greenpeace vermischt hier Trink- und Grundwasser», kritisiert Hirnschal. Ziel der Arbeiten sei gewesen, dass die Belastung im Grundwasser sinke. Das Grundwasser komme aber nie in Berührung mit dem Trinkwasser, da dieses anderswo gefasst werde. Ob dieses Ziel erreicht ist, zeige sich bei Kontrollmessungen im Jahr 2011. Falls nein, müsste das Grundwasser - so ist es vorgesehen - mit einem Aktivkohlefilter gereinigt werden.

Für die Behörden besteht kein weiterer Handlungsbedarf. Wie bei einem chirurgischen Eingriff habe man bei dieser Sanierung gezielt jene fünf Prozent herausgenommen, bei denen schwerpunktmässig am meisten Schadstoffe vorhanden waren, erklärt Hirnschal. Der Boden sei aber nicht so stark belastet, dass man alles sanieren müsse. Das Nachhaken von Greenpeace erklärt sich Hirnschal damit, dass «sie von Anfang an im Hinterkopf hatten, dass die ganze Deponie saniert werden soll».

Die von Greenpeace genannten Zahlen - dass noch 100 000 Tonnen Chemiemüll herumliegen würden - seien jedoch falsch. Diese Zahl habe man fälschlicherweise von den besonders belasteten «Hotspots» hochgerechnet. «Richtig ist: Es hat noch Chemiemüll - aber nicht mehr so viel, dass Handlungsbedarf besteht.» Diese Haltung stimmt wiederum die Greenpeace-Mitglieder unglücklich: «Die Behörden sollten forscher auftreten gegenüber den Chemiefirmen und von ihnen eine Totalsanierung verlangen», findet Hudec. Getreu dem Motto «Wer zahlt, befiehlt» würde leider Roche sagen, was gemacht - oder nicht gemacht - wird. Das Vorgehen sei nicht von Roche, sondern von Fachleuten beschlossen worden, entgegnen die Behörden.

Wo die Wahrheit genau liegt, ist wohl Ermessenssache. Klar ist: Der grüne Wachhund namens Greenpeace wird weiter bellen. «So lange das Problem mit den Deponien nicht richtig gelöst ist, lassen wir nicht locker», verspricht Hudec.

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