FC Aarau FC Bellinzona
Achillesferse  In der Vorrunde war der FCA eine Baustelle. Die Abwehr
zu löchrig, das Mittelfeld zu wenig durchschlagskräftig, der
Sturm zu harmlos. Innenverteidiger Stoll hat sich nicht
annähernd als veritabler Ersatz für den abgewanderten
Captain Page erwiesen. Weder Schaub noch Rapisarda
gelang es, die Lücke zu füllen, die Rechtsverteidiger Menezes
hinterlassen hat. Das ineffiziente Flügel-Duo Marazzi/Lang war
keine Beiss-, sondern eine Tupfzange. Was begründet, dass
der FCA in 18 Partien nur elf Tore erzielte.
 Die Klubführung und Trainer Alberto Cavasin haben das
Kader in der Winterpause kräftig durcheinandergewirbelt.
Gleich acht Spieler wurden rausgekippt, spielen in den Plänen
des «Misters» keine Rolle mehr; einige von ihnen sind noch
ohne neuen Klub und müssen weiter bezahlt werden.
Gekommen sind sechs Neue, die mit Ausnahme des jungen
Igor Mjatovic (vom Team Ticino U18) alle Anspruch auf einen
Stammplatz anmelden. Das Team ist also bei Wiederbeginn
noch weit davon entfernt, eine eingespielte Einheit zu sein.
 Fragezeichen  Fällt Burki für den Rest der Saison aus? Der Captain leidet
an einer Meniskusquetschung und an einem Anriss des
Kreuzbandes. Heute wird er einen Belastungstest absolvieren.
Danach wird entschieden, ob Burki die drohende Operation
hinausschieben kann. Ausserdem: Wann erzielt Stürmer-
Talent Mustafi sein erstes Meisterschaftstor für den FCA?
Erreicht Bengondo nach langer Verletzungspause wieder
sein bestes Niveau? Und schafft Marazzi mit 25 endlich
den Sprung vom Talent zum Leistungsträger?
 Wozu sind die neuen Spieler fähig? Von Igor Djuric - zuletzt
Eupen - wird erwartet, dass er der Verteidigung zu mehr
Stabilität verhilft; der Afrikaner Mark Edusei soll das zentrale
Mittelfeld koordinieren; Drissa Diarra (Lecce) aus dem Aufbau
Druck machen; U17-Weltmeister Pajtim Kasami jugendliches
Selbstbewusstsein einbringen und Fausto Rossini (Livorno)
Tore schiessen. Tönt gut, die Crux aber ist: Sie alle haben in
ihren Vereinen nicht mehr gespielt und sind ohne Spielpraxis
kaum eine Verstärkung.
 Hoffnung  Mit Stojkov hat man einen überdurchschnittlichen Stürmer.
Doch in der Vorrunde hat der Mazedonier häufig für die
Galerie gespielt und seine persönlichen Interessen über jene
der Mannschaft gestellt. Darunter hat auch die Akzeptanz im
Team gelitten. Wenn er aber seriös arbeitet, kann er zumindest
dafür sorgen, dass sich die «Unabsteigbaren» in die Barrage
retten. Mit Veli Lampi wurde nicht nur der lange vermisste
Rechtsverteidiger verpflichtet, sondern auch ein
selbstbewusster Mann mit Leaderqualitäten.
 Im Tessin sind die Beobachter angetan von der akribischen
Arbeit des neuen Trainers. Im Trainingslager in der Nähe von
Rom hat Cavasin viel wert auf die taktische Ausbildung gelegt.
Zuvor und parallel dazu wurde aber auch im physischen
Bereich hart gearbeitet. Die Klubführung hofft, dass mit dem
Italiener die Rettung gelingt, die neuen Spieler einen
gesunden Konkurrenzkampf schüren und das Gefälle
zwischen den ersten zwölf, dreizehn Spielern und dem Rest
des Kaders nicht mehr so gross wie im Herbst ist.
 Prognose  Trotz aussichtslos scheinender Situation gibt es positive
Zeichen. Trainer Andermatt hat in der Winterpause die
Defensive stabilisiert. Baykal - gesperrt gegen Bellinzona -
wird die von ihm erwartete Rolle als Aggressivleader endlich
ausfüllen. Stojkov wird seine Tore schiessen und Lang soll
gelernt haben, dass Fussball mehr ist als nur Schönspielerei.
Das kann reichen, um Bellinzona vom Barrage-Platz zu
verdrängen. Auch, weil jeder kapiert hat, dass der Mythos
allein nicht den Klassenerhalt garantiert. (FSC)
 Acht Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz scheinen ein
komfortables Polster zu sein. Doch gelingt der Start in die
Rückrunde aus den angesprochenen Gründen nicht, könnte
im Comunale schnell Unruhe aufkommen. Cavasin hat in
Italien den Ruf, als «Feuerwehrmann» erfolgreich zu sein,
nicht aber, wenn er eine Mannschaft über mehrere Wochen
auf die Meisterschaft vorbereiten konnte. Deshalb tippen wir,
dass die zu labile AC Bellinzona vom FC Aarau noch
auf den Abstiegsrang verdrängt wird. (BR)