Der erste neue Zug bis Ende Jahr

Auf Weihnachten reicht es sicher: In rund fünf Monaten verlässt der erste neue Triebzug für die Bremgarten-Dietikon-Bahn die Werkstätte bei Stadler Rail. «Wir sind heute sogar vier bis fünf Wochen im Vorsprung», sagt der für den Auftrag zuständige Verkaufs- und Projektleiter Urs Wieser.

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Limmattaler Zeitung

Jörg Baumann

60 bis 100 Spezialisten arbeiten derzeit bei Stadler Rail mit Hochdruck und Feingefühl an den neuen Triebzügen der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD). «Insgesamt 250 000 Arbeitsstunden wenden wir bei uns auf», rechnet Urs Wieser an einer Betriebsbesichtigung im Stadler-Werk in Bussnang TG vor. Der Auftrag wiegt stolze 84 Millionen Franken. Zu rund 80 Prozent sind die Züge ein Schweizer Produkt.

Neu mit Erstklass-Abteilen

Die Schweiz ist ein hochentwickeltes Bahnland. Jede Bahn hat bei den Fahrzeugen ihre eigenen Wünsche - «auch wir», bemerkt Peter Baumann von der BDWM Transport AG. Als technischer Leiter begleitet er das Beschaffungsprojekt mit einer Arbeitsgruppe, in der interne und externe Spezialisten sitzen. Baumann reiste einst als Computeringenieur durch die halbe Welt. Bei der BD ist er sesshaft «und ein angefressener Bähnler» geworden.

Alle zwei Wochen ist Baumann im

Stadler-Werk und bespricht mit den Projektverantwortlichen, was zu tun ist. «Am Anfang sahen die Züge auf den Plänen ganz anders aus», konstatiert Baumann. «Die Frontpartie war eckig.» Das gefiel dem Besteller nicht so richtig. Heute ist die Front, die im Gegensatz zum Alu-Wagenkasten aus Kunststoff besteht, rund, elegant und fast ein wenig weltmännisch. Baumann fasst zusammen: «Wir erhalten von Stadler Rail massgeschneiderte Züge.»

Überhaupt gönnt die BD den Reisenden einigen Luxus: «Alle Züge erhalten zum ersten Mal in der Geschichte unserer Bahn eine erste Klasse», sagt Baumann. In der ersten Klasse installieren die Spezialisten der Stadler Rail nicht nur eine Sitzplatzbeleuchtung. «Damit alle Reisenden die Zeitung an Bord gut lesen können», erklärt Baumann. Die Erstklass-Passagiere können auch ihren PC anschliessen und - «gratis», wie Baumann hervorhebt - ihr Handy aufladen. Der Fussboden strahlt in der ersten Klasse Wohnstubenatmosphäre aus. Er besteht aus einem Holzimitat, wogegen in der zweiten Klasse Filzbeläge verlegt werden.

Fahrgäste werden automatisch gezählt

In der zweiten Klasse werden Mehrzweckabteile eingerichtet, wo Rollstühle, mehr Velos als bisher und auf einem Träger auch Ski verstaut werden können. Alle neuen BD-Züge werden rollstuhltauglich. Die Kommission für Gleichstellungsfragen hat das Projekt abgenommen und innert einer Woche für gut befunden.

Der für den Bau zuständige technische Projektleiter Christian Gerber lenkt die Aufmerksamkeit auf die Nase des Zuges: Darin ist eine Führerstandskamera eingebaut. «Mit diesen Aufnahmen könnte man allfällige Unfälle nachvollziehen. Der Fahrgast soll sich im Zug sicher fühlen», bemerkt Gerber. Auf jedem Zug werden, ebenfalls zum ersten Mal, zwölf Videokameras installiert. Sechs Züge erhalten eine automatische Personenzähleinrichtung.

14 Züge bis Mitte 2011

Fahrgastinformationen erhält der Reisende in Zukunft direkt ab Bildschirm - auf Deutsch. Eine Sprache genüge für eine Regionalbahn, in der im Normalfall keine Touristen mitreisen, die kein Deutsch verstehen, sagen die Projektverantwortlichen. Damit alle technischen Einrichtungen an Bord richtig funktionieren, würden in jedem Zug 25 Kilometer Kabel eingebaut, sagt Stadler-Elektromonteur Thomas Röösli. Er arbeitete früher auf dem Bau und findet den Job bei Stadler hochinteressant. Er ist einer der Garanten, dass alle 14 Züge im Rhythmus von drei Monaten bis Mitte 2011 ausgeliefert werden. Vor ihrem Einsatz auf der Strecke sollen die Züge ausführlich getestet werden. Die wachsamen Augen der Spezialisten des Bundesamtes für Verkehr fahren beim Testlauf mit. Zu Hause, in Bremgarten, muss noch das Zugdepot verlängert und umgebaut werden. «Auch hier sind wir im Zeitplan», teilt Peter Baumann mit.

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