Christian von Arx

An Haffner kommt keiner vorbei, der sich mit Solothurner Geschichte beschäftigt. Sein grosses Werk, der zweiteilige «Klein Solothurner Allgemeine Schaw-Platz» von 1666, ist die erste gedruckte Geschichte Solothurns. Der erste Teil ist eine Weltgeschichte, für die er sein Wissen aus 125 Werken schöpfte. Der zweite Teil befasst sich mit «der Statt Solothurn, sampt dero zugehörigen Landen, Vogtheyen, Graff- und Herrschafften, auch was sich darinnen Denck- oder Geschichtwürdiges begeben und zugetragen hat», wie Haffner auf dem Titelblatt schreibt.

Chronik für Stadt und Land

In diesem zweiten, lokalgeschichtlichen Teil stützt sich der Verfasser auf Akten, die ihm als Staatsschreiber zur Verfügung standen, und er verarbeitet alles, was ihm zu seiner Zeit über die Dörfer im Herrschaftsgebiet der Stadt Solothurn zu Ohren kam. Ob im Bucheggberg, im Niederamt oder im Schwarzbubenland: Die meisten Solothurnerinnen und Solothurner können in Haffners «Schaw-Platz» «Denck- oder Geschichtwürdiges» aus ihrem Wohnort nachlesen.

Subjektive Deutung zuhauf

Haffner selbst behauptet in seiner Vorrede, er sei kein «History oder Geschicht Beschreiber», denn eines solchen Pflicht sei es, «ein Sach nit allein mit den erforderlichen Umbständen zu erzehlen, sondern auch mit zierlichen Worten bestmöglich auszuschmucken». Er bezeichnet sich vielmehr als «Chronologist», der «nur bloss die Substantz berühre, die Zeit, Orth und Warheit beobachte» und die Sache ohne unnötige Umstände «fein deutlich und klar fürbringe». Für André Schluchter, als Projektleiter der Solothurner Geschichte des 20. Jahrhunderts quasi ein direkter Nachfahre Haffners, hat sich dieser nicht immer an seine Unterscheidung gehalten: Ausschmückung mit «zierlichen Worten» und subjektive Deutung findet sich im «Schaw-Platz» zuhauf. So macht sich der Leser ein Bild, was der Verfasser für ein Mensch war.

André Schluchter sieht in Franz Haffner einen «Barockmenschen», der tief religiös lebte und sich für Naturwissenschaften interessierte, dies aber noch aus einer Haltung vor der Aufklärung heraus. Immer wieder stosse man im «Schaw-Platz» auf den Widerspruch von Rationalem und Irrationalem. Haffner war offen für Übernatürliches, Astrologisches und Zauberei. Kometen waren ihm Vorboten göttlicher Strafen (vgl. links).

Breitgefächerte Interessen

Wie breitgefächert Haffners Interessen waren, davon zeugt seine Bibliothek. Sie hat sich erhalten, denn nach seinem Tod gingen die Bücher an die Bibliothek des Jesuitenkollegiums und später mit dieser an die heutige Zentralbibliothek Solothurn. Einige wichtige Werke, die Haffner für den «Schaw-Platz» benutzte und die ihn prägten, zeigt die Zentralbibliothek aus Anlass seines 400. Geburtstags in einer Ausstellung auf Schloss Waldegg. So kann der Betrachter Haffner gewissermassen bei der Arbeit an seiner Chronik über die Schulter schauen, wie André Schluchter schreibt.

Jetzt auch im Internet

Franz Haffner schrieb seinen «Schaw-Platz» nicht fürs Archiv und auch nicht für die Gelehrten. Laut Ian Holt von der Zentralbibliothek ging es dem Autor vielmehr darum, «breite Bevölkerungskreise zu belehren». Auch wenn sie nicht gerade ein Volksbuch geworden ist, wurde Haffners Chronik über die Jahrhunderte doch immer wieder gelesen und benutzt. Bis vor kurzem musste man sich dazu eines der erhaltenen Exemplare der ersten und einzigen Druckauflage von 1666 besorgen. Haffner wäre sicher begeistert, wenn er wüsste, dass die Zentralbibliothek Solothurn im letzten Frühling sein über 1000-seitiges Buch vollständig digitalisiert und im Internet für jedermann kostenlos zugänglich gemacht hat: unter www.zbsolothurn.ch.