Olivier Andres

Parkiert wird der Radiowagen am Dienstagmorgen vor dem Choufhüsi; im Mittelpunkt des vermeintlichen Durchschnitts und am Rande des Gemüsemarktes. «Man soll hören, dass wir an einem Ort sind, der lebt», sagt Moderator Dani Fohrler und geht für die erste Einschaltung noch etwas näher an die Strasse, wo der Verkehr wie gewohnt vorbeifliesst. Derweilen schneidet Oehninger einen Beitrag über die Langenthaler Maggini-Stiftung, den er zuvor aufgenommen hat. Durch das Verleihen wertvoller Streichinstrumente hebt sich diese in Langenthal beheimatete Institution deutlich aus dem Durchschnitt hervor.

Nach und nach - die meisten zu früh - treffen Fohrlers Gesprächspartner ein. Sie wurden während der insgesamt rund zwei Tage dauernden Vorbereitungszeit der Sendung eingeladen. «E ludo, dr Pedro!», ruft Fohrler, als kurz vor neun Uhr Pedro Lenz eintrifft. Dieser sei «eine vo do», wird der Moderator wenige Minuten später während eines Spaziergangs durch den Markt über den Autor sagen. Eher zufällig sei es einem Redaktionsmitglied eingefallen, dass Lenz ursprünglich aus Langenthal stamme, verrät Oehninger gleichzeitig.

Es gebe «niene so glatti Sieche» wie in Langenthal, ist Lenz' Stimme live am Radio zu vernehmen. Hier lebten mehr literarisch inspirierende Figuren als etwa in New York. In Langenthal existierten auch keine Szenenbeizen, hier müsse man mit allen auskommen. «Deshalb sind die Langenthaler offener», sagt Lenz, der selber den Durchschnitt liebt, sein Essen durchschnittlich scharf würzt und den Kaffee durchschnittlich heiss trinkt.

Diese Offenheit auf die Probe gestellt hat im vergangenen Jahr aber der Durchschnitt selbst; die Ausstellung «Average» im Kunsthaus mit dem Mini-Minarett auf dem Choufhüsi-Dach. Diese Aufregung habe sich inzwischen gelegt, sagt Eveline Suter vom Kunsthaus zu Dani Fohrler. Dass das Thema wegen des eingereichten Baugesuchs für ein «richtiges» Minarett nach wie vor aktuell ist, bleibt unerwähnt.

«Könntest du nicht einen kürzeren Titel nehmen?», fragt Dani Fohrler Mike La Marr, der im Studio Zürich die Musik einspielt, schliesslich ist die Sendezeit knapp kalkuliert. «Die erste Stunde ist gut getimt, die zweite ist aber zu voll», sagt Oehninger; auf die geplante Gesprächsrunde wird darum verzichtet. «Die Nachrichten sind für uns heilig», ist weiter zu erfahren. Damit ihm durch das automatisch ertönende Zeitzeichen um 10 Uhr nicht das Wort abgeschnitten wird, muss Fohrler sein Gespräch mit Kadi-Geschäftsführer Patrick Sievi rechtzeitig abschliessen.

«Dani, langsam fertig machen», teilt Oehninger Fohrler wenig später mit. Ausgerüstet mit einem Funk-Mikrofon spricht dieser beim Langete-Auslass seit einigen Minuten mit Stadtführer Samuel Herrmann. Nach seinem kürzlichen Auftritt im «Persönlich» ein halber Radio-Profi, wehrt sich dieser vehement gegen das Durchschnitts-Image. Eher solle Langenthal als Gartenstadt bekannt werden, findet er und überreicht Fohrler sein Buch «Spaziergang in Langenthal». «Jetzt kriege ich dann wieder einen Rüffel», sagt Oehninger angesichts dieses «Werbeblocks» schmunzelnd. Als die Oberaargauer Jasskönigin später den Namen des Turniersponsors erwähnt, wiederholt der Produzent diese Aussage.

Die Radioleute ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Zwei Jungs fotografieren sich vor dem Übertragungswagen, zwei Passantinnen sprechen Dani Fohrler an: «Wir wollten Sie einmal anschauen kommen.» «Ich habe dich im Radio gehört», ruft eine Frau Samuel Herrmann zu - noch während die Sendung läuft. Unter der Linde beim Choufhüsi spricht derweilen Philippe Baumann mit Dani Fohrler über sein Unternehmen Création Baumann und dessen überdurchschnittliche Produkte. Gegen 11 Uhr erfahren die rund 750 000 Zuhörer vom telefonisch zugeschalteten Marktforscher Roland Rosset schliesslich, dass der Testmarkt Langenthal längst Geschichte ist. «Er wurde wohl Opfer der Globalisierung», schweizerische Testmärkte seien nicht mehr gefragt, so Rosset.

Dennoch haftet dieses Image Langenthal - zu Unrecht, wie der Augenschein des Radios zeigt - nach wie vor an. Ob es wegzubringen ist, werde die Zukunft zeigen, sagt Dani Fohrler, bevor er sich vom Sender verabschiedet. Pro Woche moderiert er fünf «Treffpunkt»-Sendungen; heute ist er an der Wildhüterprüfung in Maienfeld GR zu Gast - ebenfalls weit weg vom Durchschnitt.