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Der Dreck muss weg

Störend: Nicht nur diesem Schwan missfällt die tierische Hinterlassenschaft. (BLZ)

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Störend: Nicht nur diesem Schwan missfällt die tierische Hinterlassenschaft. (BLZ)

Seit Monaten hinterlässt eine anonyme Person ihre Botschaft auf Hundekotsäckchen.

Franz Osswald

«Nur suuberi Hind sind unseri Frind - Basels Hundescheisse-Problem» - so lautete das Sujet der «Haanedropfer-Gugge» an der Fasnacht vor 20 Jahren. Heute gibt es Hundesäckchen, die in allen Abfalleimern der Stadt deponiert werden dürfen, nicht mehr aber in den Strassenschalen. Doch es halten sich nicht alle Hundehalterinnen und -halter an diese Regel. Und das wiederum hat eine Person auf den Plan gerufen, die seit Monaten auf Tour ist, um im Kleinbasel auf all diesen ordnungswidrig entsorgten Hundesäckchen einen Zettel zu befestigen: «Wir wollen eure Scheisse nicht», steht da drauf und dass sich strafbar mache, wer dem Hundegesetz zuwider handle.

Für Freunde seiner Kampagne hat die Person gleich noch eine Mailadresse beigefügt, unter der man solche «Kleber» bestellen kann. Weniger sind die Säckchen seither nicht geworden. Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt der Basler Stadtgärtnerei, muss gestehen, dass ihr diese Botschaften noch nie aufgefallen sind, «aber ich bin noch nicht so lange auf dem Amt tätig», meint sie. Ihre Mitarbeitenden bei der Strassenreinigung wissen indessen von den Zetteln: «Aber sie sagen, dass deswegen nicht weniger Säckchen auf der Stasse liegen bleiben», fügt Aellen bei. Natürlich hätte sie Interesse zu wissen, wer diese Zettel deponiert, denn dass die Säckchen richtig entsorgt werden, ist auch ihr ein Anliegen, sind es sonst doch Mitarbeitende der Stadtgärtnerei, die dies erledigen müssen.

«Noch nie gesehen», lautet der erste Kommentar des Kantonstierarztes, Markus Spichtig. Er werde sich aber kundig machen, versprach er. Dass es noch immer Hundehalter gebe, die sich nicht an die Bestimmungen halten, ist Spichtig bewusst, «aber es hält sich in Grenzen», stellt er fest. Ihm wäre es lieber, die anonyme Person würde sich melden, denn das Anliegen verlange ja kein verdecktes Handeln und sei im Interesse aller.

Von Gesetzes wegen hat der oder die Zettelschreibende Recht: Hundehaltende, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, erweisen ihren korrekt handelnden Kolleginnen und Kollegen damit einen Bärendienst. Interessant an der Zettelaktion ist unter anderem, dass es der Person ausschliesslich um die Hundesäckchen geht. So können am Rheinbord Pizzaschachteln, Scherben und Bierdosen daneben liegen, ein Zettel haftet aber nur auf dem gelben Säckchen. Ja, es geht um Kot allgemein, denn vor kurzem lag die Botschaft auch auf offen daliegendem Kot - von Schwänen.

Gerne wüsste man, wer hinter der ganzen Aktion steckt, doch steht auf den Zetteln nur eine Mailadresse, an die man sich wenden kann. Zudem steht auf dem Zettel «wir wollen», was auf eine Gruppierung hindeuten könnte. Der gewählte Weg ist fragwürdig. Die Anonymität hilft dem Anliegen in keiner Weise, wie Yvonne Aellens und Markus Spichtigs Aussagen belegen. So lange gehört die anonyme Botschaft halt dorthin, wo Anonymes deponiert werden sollte: In den Abfalleimer - am besten zusammen mit dem Säckchen. Aber vielleicht gibt sich die oder der Zettelschreibende oder die Gruppierung ja irgendwann zu erkennen.

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