Köbi F.
Der böse Onkel könnte zur Knacknuss werden

Kommt es wirklich zu einer juristischen Auseinandersetzung um die Verfilmung des Falls von Sportlehrer Köbi F., der sich an Schülerinnen verging? Das Abwägen zwischen den verbrieften Rechten auf künstlerische Freiheit und auf Persönlichkeitsschutz dürfte dann zur Knacknuss werden.

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Urs Odermatt

Urs Odermatt

Aargauer Zeitung

Urs Moser

Ruth Ramstein, die den Fall Köbi F. ins Rollen brachte und auch ein Buch dazu veröffentlichte, verlangt Einsicht und Mitsprache beim Drehbuch für den Film «Der böse Onkel». Der Film zeichne den Fall Köbi F. nach und könne die Persönlichkeitsrechte von Opfern verletzten.

Kommt nicht in Frage, sagt Filmemacher Urs Odermatt. Sein Film erzähle eine archetypische Geschichte, jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen sei zufällig. Kommt es zu keiner Einigung, droht Ruth Ramstein gerichtlich gegen das Filprojekt vorzugehen. Wer hat in einem solchen Fall die grösseren Chancen, Recht zu bekommen? Eine heikle Frage, mit der sich etwa auch der Zürcher Filmemacher Martin Rengel schon auseinanderzusetzen hatte.

Ein Interessenskonflikt

Rengel drehte den Film «Joy Ride», der im Jahr 2000 viel Diskussionsstoff lieferte. Der Streifen erzählt den Winterthurer Mordfall Rüegsegger nach: Die 19-jährige Floristin Andrea Rüegsegger wurde 1992 von drei jungen Männern erdrosselt; bloss weil sie sich in einen der Clique verliebt hatte und lästig wurde. «Sie musste weg», hatten die Täter zu ihrem Motiv lapidar erklärt. «Vollkommen klar, dass in einem solchen Fall ein Interessenskonflikt zwischen dem Persönlichkeitsschutz der Betroffenen und der Aufarbeitung des Falls besteht, so Martin Rengel.

Er habe damals alle Beteiligten, sowohl Täter wie Angehörige des Opfers, über ihre Anwälte über sein Projekt informiert. Danach sei es zu keinen juristischen Auseinandersetzungen gekommen und es habe auch niemand Einsicht ins Drehbuch verlangt.

Recht auf Wahrheitstreue

Ein markanter Unterschied zum Film, der auf dem Fall Köbi F. basiert: Hier leben direkt betroffene Opfer noch, was die Frage des Persönlichkeitsschutzes umso delikater macht. In einem anderen Fall ging es in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit zwar eher um vermeintliche Täter als Opfer, aber die Macher von «Grounding» zitterten in der Weihnachtszeit 2005, dass die Premiere ihres Films über das Swissair-Debakel mit einer superprovisorischen Verfügung verhindert werden könnte.

Zu einem Gerichtsstreit kam es nicht, aber die Grossbank, deren damaliger Chef Marcel Ospel im Film als eigentlicher Totengräber der Swissair dargestellt wurde, machte Druck. So liess das Bundesamt für Kultur, das den Film unterstützte, das Drehbuch juristisch prüfen. Der Produzent musste ein Papier zu unterschreiben, in dem er sich zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der im Film Dargestellten zu erklären hatte.

Der Berner Anwalt Stephan Herren vertrat die UBS. «Der Produzent hat mit der gewählten Form Doku-Fiction und der zum Teil schwer erkennbaren Vermischung von Realität und Fiktion eine grössere Gefährdung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen in Kauf genommen», schrieb Herren in der «Neuen Zürcher Zeitung».

Der UBS-Anwalt räumte ein, dass die Akteure des Swissair-Groundings allesamt Personen der Zeitgeschichte sind und sich nicht dagegen wehrten konnten, in einem Film dargestellt zu werden. Aber: Auch Personen der Zeitgeschichte haben Anspruch auf Beachtung des Wahreitsgebots.

Ruth Ramstein steht punkto öffentlichem Interesse mit Sicherheit nicht im Rang eines Marcel Ospel. Und sie macht unter anderem geltend, dass im Film «Der böse Onkel» ihre Tochter als Opfer von Köbi F. dargestellt wird, was sie nicht ist.