Bärenpark noch teurer als geplant
Der Bärenpark wird noch teurer

Der neue Bärenpark wird wohl etwa doppelt so viel kosten wie ursprünglich angenommen. Der Hang an der Aare ist offenbar selbst für Spezialisten eine geologische Wundertüte. Doch noch sind viele Fragen ungeklärt.

Drucken
Teilen
Bärenpark

Bärenpark

Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Schlimmer als befürchtet kommt es sowieso. Wenn es jedoch am schlimmsten kommt, dann wird sich der Bau des neuen Berner Bärenparks um noch einmal 9 Millionen Franken verteuern. Schon vor einem Jahr mussten die Kosten um 50 Prozent nach oben geschraubt werden, statt der veranschlagten 9,7 Millionen Franken war damals von 14,5 Millionen Franken die Rede.

Jetzt könntens also bis zu 23,6 Millionen Franken werden für ein neues Gehege am Aareufer, in das in der nächsten Woche zwei Bären einziehen. Wie viel genau der Bärenpark kosten wird, ist aber elf Tage vor der Eröffnung am 25. Oktober noch immer nicht klar.

Rücktritt gefordert

Die massiven Kostenüberschreitungen beim Bärenpark lösten bei den rot-grünen Parteien geharnischte Reaktionen aus. Das Grüne Bündnis (GB) fordert den Rücktritt des Direktors der Stadtbauten Bern (Stabe), Rudolf Lanzrein, und des gesamten Verwaltungsrats. Nur indirekt liege das Problem bei Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP), die fachliche Verantwortung liege bei Stabe, so das GB. Auch die Grünliberalen fordern Lanzreins Rücktritt.

Nur so könne Stabe wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen. Die Junge Alternative fordert die Stadt auf, «die Bremse zu ziehen». Der Bärenpark werde zu erheblichen Mehrausgaben führen. Die Stabe und ihre Projektverantwortlichen hätten «vollständig versagt», schreibt auch die SP. Nun sei eine Eingliederung der Stabe in die Stadtverwaltung umso dringlicher. Stabe ist ein selbstständiges Unternehmen im Besitz der Stadt Bern und Bauherrin des Bärenparks.

Der Stabe-Verwaltungsrat, betonte gestern deren Präsident Peter Gurtner, sei nicht Teil der Bärenpark-Projektorganisation. Für die strategische Führung war ein Lenkungsausschuss einberufen worden. Ihm gehören unter anderen Lanzrein und Hayoz an. Bis zu seiner Abwahl war Gemeinderat Stephan Hügli (Ex-FDP) Vorsitzender. (joh)

«Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen», sagte gestern Peter Gurtner, Verwaltungsratspräsident der Stadtbauten Bern (Stabe), vor den Medien. Bekannt war bereits, dass der Baugrund falsch eingeschätzt worden war und zu wenig Stabilität bot. Anfang dieses Jahres habe sich nun auch noch gezeigt, dass der Hang viel Wasser führe.

Die Gefahr von Hangrutschen, die auch umliegende Bauten wie das «Alte Tramdepot» und den Bärengraben in Mitleidenschaft hätten ziehen können, war gross. «Durch jeden Eingriff wurde der Hang instabil», sagte Rudolf Lanzrein, Direktor der Stabe.

Ein Baustopp ist allerdings nicht infrage gekommen. Die Gefahr hätte weiter bestanden, der Hang also ohnehin gesichert werden müssen. Und zusammen mit einem Rückbau hätte der Baustopp «ein Mehrfaches der heute prognostizierten Kosten ausgelöst», so Lanzrein: Auf 30 Millionen Franken gemäss Schätzung von Bauspezialisten.

Stabe will Untersuchung

Er werde die Verantwortung übernehmen für Fehler, wenn solche festgestellt würden, sagte Lanzrein. Stabe schlägt dem Gemeinderat vor, die Kostenüberschreitungen mit einer Administrativuntersuchung zu durchleuchten. Nur der Gemeinderat habe die Macht dazu, eine Prüfung anzuordnen. Dieser wird am Donnerstag über das weitere Vorgehen informieren.

Offen ist noch, ob es auch in der Kompetenz des Gemeinderates liegt, über einen Nachkredit zu entscheiden. Bei 7 Millionen Franken liegt diese Grenze. Ist ein höherer Kredit nötig, braucht es gemäss Gurtner einen Beschluss des Stadtrats. Der Nachkredit ergibt sich aus der Differenz zwischen Sponsorengeldern und Totalkosten. Bis jetzt seien etwas mehr als 12 Millionen Franken gespendet worden.

Den Fehlbetrag will Stabe als Eigentümerin des Geländes jedenfalls selbst aus Rückstellungen (Ende 2008 waren es 8,5 Millionen Franken) finanzieren. Auch sind mit höheren Betriebs- und Mietkosten zu rechnen. Auf bis zu einer halben Million Franken könnten sich diese belaufen, Stabe will sie aus der laufenden Rechnung bezahlen.

Unterstützung für Lanzrein

Gemäss einem Verwaltungsratsbeschluss wird Lanzrein nun ein unterstützender Fachmann zur Seite gestellt. Bauspezialist Hans-Rudolf Schreiber, selbst Stabe-Verwaltungsrat, wird laufende Projekte fachlich begleiten. «Ein besonderes Augenmerk werde ich auf die Beurteilung von Risiken richten», sagte Schreiber gestern. Wenn nötig, werde er Verbesserungsvorschläge machen, die operative Leitung bleibe aber bei Lanzrein.

Auf juristischer Ebene ist Stabe bereits aktiv geworden und wird von den beauftragten Geologen und Bauplanern Schadenersatz einfordern. Bisher ging es um 2,8 Millionen Franken - er gehe davon aus, sagte Gurtner, dass sich der streitbare Betrag nun noch erhöhen werde. Am 9. November findet ein Aussöhnungsversuch statt.

Wer letztlich bezahlt, dürfte noch lange offen bleiben. Gemäss Schreiber kann sich eine juristische Auseinandersetzung in die Länge ziehen.

Aktuelle Nachrichten