Der Baldachin schwächelt

Die Halterungen, die den Baldachin über dem Berner Bahnhofplatz tragen, rosten. In den nächsten Wochen werden sie darum nach wenig mehr als einem Jahr schon ausgewechselt.

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Baldachin

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Nach oben schauen sie nicht, als sie auf dem Berner Bahnhofplatz stehen und unter dem Baldachin. Sie befürchten nicht, dass die Decke ihnen auf den Kopf fällt, so weit ist es noch nicht. Aber es ist immerhin so, dass nach etwas mehr als einem Jahr schon die Schrauben ausgewechselt werden müssen, die den Baldachin in der Luft halten. Gestern begannen die Arbeiten.

«Gefährlich aber ist das nicht», sagte Francis Racine, der ehemalige Gesamtprojektleiter des Bahnhofplatzes, der im Mai des letzten Jahres nach dem Umbau eröffnet wurde. Nur ein bisschen überraschend kommt es. «Diese Halterungen wurden schon x-mal eingesetzt», sagte Urs Kern, Projektleiter bei der Tuchschmid AG, die das Glasdach konstruiert hat. Probleme habe es nie gegeben. Auf Geheiss der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt müssen nun aber die Halterungen ersetzt werden.

3800 Schrauben werden ersetzt

Nicht nur das Wetter hat zu Korrosionsschäden geführt. Ungünstig hat sich ein Leim ausgewirkt, der erstmals so eingesetzt wurde, wie Kern sagte. Und so hat sich in Kugelgelenken Rost angesetzt. Irgendwann, «eher in zwanzig als in zehn Jahren», so Kern, würden sich die Glasscheiben aus den vom Rost zerfressenen Halterungen lösen. Das 2500 Quadratmeter grosse Dach besteht aus 560 Platten.

Und noch mehr Halterungen gibt es, 3800 an der Zahl, und die müssen nun Stück für Stück ausgewechselt werden. Sechs bis sieben Wochen werden die Arbeiten dauern. Weil die Glasscheiben an ihrem Platz bleiben sollen, muss jede Schraube einzeln ausgewechselt werden. Die neuen Teile sind etwas anders konstruiert, und vor allem sind sie aus härterem Chromstahl gemacht. «Wir haben das Material so gewählt, dass wir in Zukunft keine solchen Probleme mehr haben», sagte Kern.

Arbeiten laufen unter Garantie

Um eine Halterung zu wechseln, braucht es zwei Leute. Über dem Glas werden die neuen Schrauben eingesetzt, das untere Stück muss während dieser Arbeit gehalten werden. Das Publikum sollte jedoch nicht allzu viel von den Arbeiten spüren. «Wir haben absichtlich bis zu den Sommerferien gewartet», sagt Racine. Die Arbeiten über den Tram- und Buslinien werden vorwiegend nachts ab 22 Uhr vorgenommen. Ansonsten wird die verkehrsarme Zeit genutzt.

Die bei der Materialprüfung entdeckten Schäden sind auf einen «Materialfehler» zurückzuführen, so Urs Kern. Die Stadt Bern wird allerdings keinen Schaden nehmen, die Arbeiten laufen unter Garantie. Wie viel sie die Tuchschmid AG kosten, wollte er gestern nicht sagen. Zusammen mit dem Lieferanten sei eine gute Lösung gefunden worden.

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