Der alte Glanz und der Sinn sind zurückgekehrt

Pferdeschlitten

Pferdeschlitten

Der antike Oberflachser Pferdeschlitten aus St. Moritz ist restauriert.

Peter Belart

Im Februar 2005, also vor ziemlich genau fünf Jahren, erschien in dieser Zeitung ein Artikel mit dem Titel «Schöne und Reiche drückten diesen Brokat». Es ging um einen überholungsbedürftigen Pferdeschlitten, der vor einem Haus im Oberflachser Unterdorf anzutreffen war. Haus- und Schlittenbesitzer Peter Feller erklärte damals: «Ich will den Schlitten wieder instand stellen lassen.» Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen, und mit berechtigtem Stolz präsentierte Feller, seines Zeichens Gemeindeammann von Oberflachs, Verwandten, Freunden und Bekannten das Prachtstück. Nur in einem Punkt ist er von seinem Vorsatz abgewichen: Er betraute nicht irgendwelche Fachleute mit den Restaurierungsarbeiten - er übernahm sie gleich selber!

Es ist nun etwa nicht so, dass Feller schon von Berufes wegen einen handwerklichen Hintergrund hätte. «Ich bin ein Bürolist», sagt er von sich selber. Umso mehr erstaunt das Ergebnis. In unzähligen Arbeitsstunden hat er dem ehemaligen Wrack seine alte Schönheit zurückgegeben. Der Schlitten sieht wieder aus wie neu, Polster, Metall- und Holzteile wirken stilecht und sind auf Hochglanz poliert, Bremsen und Glocken funktionieren wie ehedem, und man hätte in diesen kalten Wintertagen nicht übel Lust, in wärmende Decken eingehüllt die Fahreigenschaften des Schlittens zu testen.

Bedeutungsvoller Fund

Im Rahmen der Erneuerungsarbeiten war übrigens unter der zerschlissenen Polsterung ein Stück einer Winterthurer Zeitung zum Vorschein gekommen. Sie war im Oktober 1909 gedruckt worden, und so lässt sich das Alter des Schlittens recht genau auf 100 Jahre bestimmen. Das renommierte Kulm Hotel in St. Moritz als Eigentümer führte darin seine Gäste aus.

Feller hatte die Antiquität 1973 in Samedan entdeckt und sofort gekauft. An den Kauf war die Bedingung geknüpft, das Hotelsignet - ein Wappen - zu entfernen. Der Schlitten war zwar in einem etwas lädierten, aber nach wie vor funktionstüchtigen Zustand. Feller, der damals in Ilanz wohnte, benutzte sein Gefährt auch schon kurz nach dessen Ankauf für eine vergnügliche Ausfahrt. Doch im Zuge mehrerer Wohnortswechsel im Mittelland verlor das vormals herrschaftliche Fahrzeug an Glanz und Sinn.

Jetzt ist der Glanz zurück. Und was den Sinn betrifft, so erfreut das Schmuckstück die Menschen nun wieder, selbst wenn es vielleicht nicht so bald wieder die Reichen und Schönen durch glitzernde Winterlandschaften trägt.

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