Christien Egerszegi
"Der Aargau ist für mich wie eine kleine Schweiz"

Die FDP Ständerätin Christine Egerszegi (61) ist die Festrednerin am diesjährigen Maienzug. Die Online-Redaktion sprach mit der Badenerin über ihre Zukunftsvision für den Kanton Aargau, das Verhältnis zwischen Badener und Aarauer und - den Musikunterricht den Schulen.

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Christine Egerszegi

Christine Egerszegi

Keystone

Interview: Claudia Landolt

a-z.ch/news: Sie kommen als Badenerin nach Aarau ans Jugendfest. Ein grosser Schritt! Ist das ein Eingeständnis, dass das Jugendfest in Baden zu Wünschen übrig lässt?
Christine Egerszegi: So gross ist dieser Schritt gar nicht, denn ich bin doch Ständerätin für den ganzen Kanton.

Ernsthaft: Was denkt eine Badenerin über Aarau? Und was unterscheidet die beiden Städte?
Egerszegi: Aarau ist eine schöne Stadt mit einem reichen kulturellen Angebot: mit dem schönsten Kunsthaus für moderne Schweizer Kunst, mit dem KUK als musischem Zentrum und vielen kleineren Perlen.
Und Baden?
Egerszegi: Ja, der Unterschied zu Baden? In Baden wird der Füdlibürger jeweils hingerichtet, aber er wächst bis zum nächsten Schmutzigen Donnerstag wieder nach.....

Man sagt, der Aargau ist ein Kanton ohne Zentrum. Sehen Sie das auch so?
Egerszegi: Nein der Aargau hat mindestens neun Zentren: Seine schönen historischen Städte Aarau, Baden, Bremgarten, Brugg, Laufenburg, Lenzburg, Rheinfelden, Zofingen und Zurzach.

Wie kam die Einladung als Rednerin an den Maienzug zustande?
Egerszegi: Ganz unkompliziert. Der Stadtammann hat mich persönlich angesprochen. Und ich habe die Einladung gerne angenommen, weil es für eine Badenerin natürlich halt eben doch eine grosse Ehre ist.

Musik und Gesang sind bekanntermassen Ihre Passion. Hat das Jugendfest diesbezüglich für Sie eine spezielle Bedeutung?
Egersezgi: Ja, gemeinsam ein Lied anstimmen, das gehört doch zu einem Jugendfest. Es heisst nicht ohne Grund: „Da, wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder....."

Auch, was die Kinder angeht, beispielsweise im Hinblick auf eine musische Erziehung?
Egerszegi: Als Präsidentin des Initiativkomitees „Jugend und Musik" kämpfe ich dafür, dass das Singen und Musizieren in der Volksschule für alle Kinder zur Selbstverständlichkeit wird, unabhängig wie gross das Portemonnaie ihrer Eltern ist.

Besuchen Ihre Kinder und Enkelkinder auch das diesjährige Jugendfest?
Egerszegi: Oh, das ist für die einen noch zu früh, denn das kleinste Enkelchen ist erst drei Wochen alt und hält die Familie meines Sohnes ganz schön in Trab. Die Familie meiner Tochter wohnt in der Nähe von Birmingham und wird mich erst im August besuchen.

Was halten Sie von der Kantonskonferenz? Ist der Aargau der richtige Juniorpartner für die Ostschweiz? Müsste er sich nicht eher nach zb Basel orientieren?
Egerszegi: Wir sind keine Juniorpartner, nirgendwo. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen mit den Nordwestschweizer Kantonen: mit der Fachhochschule, in Verkehrsfragen, beim neuen Finanzausgleich. Wenn wir uns einseitig dem Metropolitanraum Zürich anhängen, dann bezahlen wir Unsummen, stehen aber dauernd im Windschatten. War das nicht ähnlich bei Greater Zurich Area?

Der Aargau ist zumindest von aussen auch bekannt als „Mittelmass" und „Durchfahrtsregion". Empfinden Sie das auch so?
Egerszegi: Das sind alte Klischees. Es fehlen nur noch die weissen Socken oder Mantafahrer.... Wir stellen nächstes Jahr die Nationalrats- und die Bundespräsidentin und damit gibt der Aargau erst recht den Ton an.

Was macht ihn lebenswert?
Egerszegi: Der Aargau ist für mich wie eine kleine Schweiz. Napoleon hat 1803 ganz verschiedene Regionen zusammengefügt, ihnen den rechtlichen Rahmen gesteckt, und sie haben gelernt, dass zum Wohle des Ganzen jeder einen Teil beizutragen hat, aber gleichzeitig auch seine Traditionen und Eigenheiten bewahren kann.

Was ist Ihre Vision für den Kanton Aargau in der Zukunft?
Egerszegi: Der Aargau bleibt wichtiger Standort für den Werkplatz Schweiz; er leistet weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung; er bürgt für vernünftige Steuern und eine hohe Wohnqualität; er bleibt Kulturkanton und trägt bewusst Sorge zu seinen wunderschönen Seen- und Flusslandschaften.

Mit welcher politischen Amtshandlung haben Sie zuletzt etwas getan, wovon Sie glauben, das es dem Kanton als Wirtschaftsstandort/Lebensraum/Bildungslandschaft nützt?
Egerszegi: Ich habe mich im Ständerat eingesetzt für die Beseitigung der Bahnengpässe durch die Ergänzung der Tunnels Eppenberg, Wiesenberg, Heitersberg. Mit den heutigen Kapazitäten wird primär der Fernverkehr und der Güterverkehr die Linien auslasten und der Regionalverkehr leidet und wird langsam verdrängt. Dieser ist für den Aargau aber ganz besonders wichtig. Er bringt uns nämlich zu den wichtigen Verkehrsanschlüssen.

Ich bin Mutter von drei Söhnen zwischen knapp 2 und 6 Jahren. Was glauben Sie, werden dereinst deren Aussichten sein, im Aargau hinsichtlich Arbeitsplätze, Bildung, Wohnqualität ?
Egerszegi: Ich hoffe mit Ihnen, dass sich meine Vision für die Zukunft des Aargaus erfüllt. Dazu brauchen wir aber auch Ihre Bereitschaft zum Mitdenken und Mitgestalten. Wir brauchen statt Stummbürgerinnen und Stummbürger ganz viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger , die sich für die Zukunft des Aargaus interessieren und einsetzen.

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